17-Jährige entführt und missbraucht

Fünf Verhandlungstage haben die Kölner Richter zunächst angesetzt.
Fünf Verhandlungstage haben die Kölner Richter zunächst angesetzt.
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Was wir bereits wissen
Die Anklage wirft dem 52 Jahre alten gebürtigen Sauerländer unter anderem eine besonders schwere Vergewaltigung vor. Er soll im vergangenen ­September in Köln ein 17 Jahre ­altes Mädchen entführt, gefesselt, geknebelt und missbraucht haben. Das Martyrium ging über ­zweieinhalb Tage.

Köln/Olsberg.. Die Anklage wirft dem 52 Jahre alten gebürtigen Sauerländer unter anderem eine besonders schwere Vergewaltigung vor. Er soll im vergangenen ­September in Köln ein 17 Jahre ­altes Mädchen entführt, gefesselt, geknebelt und missbraucht haben. Das Martyrium ging über ­zweieinhalb Tage. Ab Dienstag muss sich der Wahl-Rheinländer vor dem ­Kölner Landgericht verantworten. „Der Strafrahmen bei einem ­solchen kriminellen Delikt liegt bei einer Freiheitsstrafe zwischen 5 und 15 Jahren“, sagt Gerichtssprecher Achim Hengstenberg gegenüber dieser Zeitung.

„Opferschutz hat hohe Priorität“

Es ist ein Kriminalfall, der an die Grenze des Erträglichen geht. Ein Fall, bei dem der Opferschutz nicht nur für die Polizei „eine hohe Priorität“ haben muss, wie es das Polizeipräsidium Köln in einer Pressemitteilung am 30. September 2014 formuliert hat. Ein Fall, in dem es um tiefste menschliche Abgründe geht.

„Der Angeklagte soll die junge Frau durch einen Vorwand in sein Fahrzeug gelockt, gefesselt und ­geknebelt haben“, fasst Gerichtssprecher Hengstenberg den ­Beginn der Anklageschrift ­zusammen. Anschließend soll der nicht vorbestrafte Chef einer ­Gartenbaufirma sein Opfer in einer von ihm angemieteten ­Garage in Köln-Lindenthal auf die Ladefläche eines Kastenwagens ­gelegt und ihm „einen Motor­radhelm mit abgeklebtem Visier aufgesetzt haben“, so Hengstenberg. Längere Zeit soll er die damals 17-Jährige dort auf einer Matratze liegen gelassen haben. Stundenlang. „Wie lange es genau war, kann die Geschädigte nicht beurteilen.“

Am nächsten Tag soll der gebürtige Sauerländer zurückgekehrt sein. Er entkleidete die damals 17-Jährige und „nahm an ihr sexuelle Handlungen vor“, wie es in der Pressevorschau des Landgerichts Köln heißt. Anschließend soll er sie wieder mit Stahlseilen gefesselt und geknebelt und den Tatort verlassen haben.

Die junge Frau war guten ­Glaubens in den Wagen ihres Peinigers gestiegen, weil der Mann ihr persönlich bekannt war - ihre Mutter war einst in seiner Gartenbaufirma als Reinigungskraft angestellt.

Zwei Tage nach der Entführung soll der 52-Jährige seine Ehefrau angerufen und einen im Haus deponierten Abschiedsbrief erwähnt haben. Nachdem die Frau den Hinweis auf den beabsichtigten Selbstmord ihres Mannes und auf das Versteck der Schülerin gelesen hatte, alarmierte sie die Polizei. Die fand im Laderaum des Kleintransporters ein völlig traumatisiertes Opfer.

Die Suche nach dem mut­maßlichen Sexualstraftäter mit Hilfe von Spezialhubschraubern und Spürhunden blieb zunächst ­erfolglos - bis ein Polizeibeamter auf dem Parkplatz vor der ­Olsberger Konzerthalle den Mann in seinem Privatwagen mit Kölner Kennzeichen in bewusstlosem ­Zustand auffand. „Bei der ­Durch­suchung des Fluchtwagens stießen die Polizisten auf Medikamente und Alkoholika“, hieß es seinerzeit im ­Pressebericht des Polizeipräsidiums Köln. Der Wahl-Rheinländer wurde in das Bigger Krankenhaus gebracht und dort wiederbelebt. Anschließend wurde er ins Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg überstellt.

Fassungslosigkeit im Heimatort

Der 52-Jährige ist in Olsberg aufgewachsen und hat in der Stadt im Hochsauerland seine Gärtnerlehre gemacht. Dass er ohne Bewusstsein in seinem Auto gefunden worden war, hatte sich schnell in dem Ort herumgesprochen. Die Menschen sind fassungslos. „Niemand hätte gedacht, dass jemand aus dieser Familie zu so etwas fähig wäre“, sagt ein Olsberger gegenüber dieser Zeitung.

Das Landgericht Köln hat fünf Verhandlungstage bis zum 24. Februar terminiert. Neben besonders schwerer Vergewaltigung wird dem Angeklagten auch gefährliche Körperverletzung und Menschenraub zur Last gelegt. Das 17 Jahre alte Opfer muss als Zeugin ihrem Peiniger im Gerichtssaal wiederbe­gegnen.