Zwischen Blumenerde und Dübeln

Bad Berleburg..  Ein Mann, Helmut, sammelt Müll ein, zwischen Bergen von Pizzaschachteln, einem Sofa, Wänden mit Pinup-Girls, und- einer Carrera-Bahn auf den als Tisch fungieren Pizzaschachteln. Die blaue Tüte mit dem Müll verstaut er in einem Retrokühlschrank.Kaum ist er damit fertig, hat die Autos der Bahn gestartet, bekommt er Gesellschaft von Eroll, der ihm brühwarm sein letztes Abenteuer mit Conny, seiner Frau erzählt. Das Entre in ein Theaterstück, das von vier Männern erzählt, die auf der Flucht vor dem Einkaufswahn ihrer Frauen sind und allerlei rhetorisch Verrenkungen betreiben, um sich zu rechtfertigen. Mit in die Männerwelt genommen wurden in Bad Berleburg rund 230 Zuschauer. Nicht nur in der Handlung von Christof Magnussons „Männerhort“. Auch ganz real. Denn das Erfolgsstück wurde nicht auf der Bühne gespielt, sondern dort, wo Männerherzen auch im wahren Leben schneller schlagen: im Baumarkt.

Der Kreuzweg

Vier Charaktere machen es sich dort bequem. Helmut, ein ehemaliger Pilot, meint, dass der Shoppingwahn der Frauen ihr „Kreuzweg“ sei, und gesteht den anderen nicht, dass er Zuhause rausgeflogen ist, sowie als Pilot seine Stelle verloren hat.

Eroll arbeitet als Softwareautor für die Huk-Coburg, glaubt, dass er sein Talent verschleudert und mag nicht zugeben, dass seine Beziehung zu Conni am seidenen Faden hängt.

Der smarte Lars, Manager, spielt den Herzensbrecher und gaukelt sich vor, mit seiner Frau eine gute, offene Ehe zu leben. Immer wieder klingelt sein Telefon. Er suhlt sich in Selbstdarstellungen. Tatsächlich, so erfährt man im Laufe des Stückes, ist er unfruchtbar, braucht wohl die Bestätigung.

Diese Männer, an Helmut klebend, der sich in dem Shoppingcenter im Keller ein Rückzugsrefugium eingerichtet hat, halten sich, mit Wortwitz und selbstüberschätzenden, männlichen Gesten an Bierdosen, der Carrerabahn (damit wollen sie ins Guinnessbuch der Rekorde) und Pizzen für unübertroffen gut.

Der Show-down

Dann stößt unvermutet Mario zu ihnen, frisch verheiratet, Feuerwehrmann und für die Sicherheit im Gebäude zuständig. Es gelingt den Dreien Mario für sich einzunehmen, der, jetzt schon von den Macken seiner Frau arg gebeutelt, auch zweifelt, ob der Schritt zur Ehe der richtige war. Keiner der Vier kann wirklich von den Ehefrauen lassen, jeder will eigentlich mit seiner Frau leben.

Im Laufe der Verwicklungen kommt es zum Show-down. Anne ist schwanger, Mario fliegt aus seiner Wohnung, Lars gesteht mit Conni, Eroll gesteht, mit Anna geschlafen zu haben (am gleichen Abend, die beiden hatten sich eigentlich zum Fußballspiel verabredet und der eine wollte den anderen abholen.).

Eroll erkennt, dass er der werdende Vater des Kindes von Anna ist, Helmut gesteht, dass er nichts mehr hat als das zu erwartende Erbe seines Schwiegervaters, der aber nicht sterben will. Einer nach dem anderen versichert schließlich, ehrlich mit seiner Frau sein zu wollen, sie aufzuklären und - vielleicht könne man ja einen derartigen Raum von unten nach oben verlegen und doch ein Stück des hier gewonnen freien Lebens im Keller oben weiterführen.

Wortwitz und Applaus

Das Stück lebt von den witzigen Dialogen den nachvollziehbaren Erlebnissen dieser Männer (das Publikum lachte herzlich mit), dem quirligem Mario, der proletenhaft daher kommt, doch immer den Kern trifft und damit entwaffnend die Geschichten der anderen entlarvt. Die Zuschauer applaudierten minutenlang und ließen die Protagonisten immer wieder auf die „Bühne“ kommen. Der Ort, der Hagebaumarkt, von Christoph Haupt vorgeschlagen, war prädestiniert für dieses einzigartige Männerspektakel. art.ur