Zurück zu Hause: Für ihre Fans und ihre Band ist Yana der Star
21.02.2012 | 14:27 Uhr 2012-02-21T14:27:00+0100
Biedenkopf.Für Yana Gercke (20) endete der Traum der Teilnahme am „Eurovision Song Contest 2012“ im Halbfinale. Bei „Unser Star für Baku“ schied die sympathische Biedenkopferin aus und wurde Dritte. Kein Grund traurig zu sein - im Gegenteil: „Das hatte etwas Befreiendes“, sagt sie. Alle Anspannung und aller Druck seien in diesem Augenblick von ihr abgefallen.
Seit Mitte Februar ist sie wieder zu Hause, im Alltag aber bisher nicht angekommen. Zu präsent ist dafür noch immer die Show: Weiterhin füllen Interview- und andere Termine ihren Kalender. Nur langsam kehrt Ruhe ein.
„Unser Star für Baku“ war für das Gesangstalent gleichermaßen grandios wie schwierig. Mit jeder Runde, die sie weiterkam, blieb weniger Raum für Privates. Zum Ende sei alles nur noch „durchgeprügelt“ worden: War eine Sendung vorüber, begannen gleich die Proben für die nächste.
Enormer Druck
Daneben mussten ständig – natürlich mit bester Laune! - kurze Videos für die Livesendung oder das Internet gedreht werden. Zwischendurch weitere Interviews, Fototermine, Outfitauswahl oder Besuche bei „TV Total“. „Das alles hat immer den ganzen Tag gedauert“, weiß Yana, die längst nicht mit allen Auftritten ganz zufrieden war. Zwei Lieder – „We found Love“ und „Who Knew“ – seien aufgrund des Zeitdrucks mehr aus der Not geboren als gut überlegt gewesen.
Grundsätzlich wählt sie einen Song nach festen Kriterien aus: eingängig sollte er sein und für sie gut singbar. Vor allem aber muss sie sich mit dem Stück identifizieren können, um die Emotionen zu transportieren und auf der Bühne „eine Geschichte“ zu erzählen.
Als nach der ersten Hälfte des Halbfinales Shelly gehen musste, kämpfte Yana bei ihrem zweiten Lied dieses Abends mit den Tränen. „Ich war ziemlich gekränkt und hatte keinen Bock mehr“, beschreibt sie ihre Gefühle. Aus Yanas Sicht hätten zu diesem Zeitpunkt Roman oder sie selbst gehen müssen. Shellys Ende aber empfand die Mittelhessin als „ungerecht“. Der traurige Text ihres Liedes „Skyscraper“ tat dazu sein Übriges.
Gemischte Gefühle
Trotz „versemmelter Töne“ war Yana zufrieden mit sich. Eigentlich ist sie sogar froh, nicht nach Baku reisen zu müssen. Von Beginn an bereitete ihr der fragwürdige Umgang mit Menschenrechten in Aserbaidschan – der Heimat ihres Ur-Ur-Großvaters – Kopfzerbrechen. Voll hätte sie nie dahinter stehen können, verbindet mit dem „ESC“ aber auch eine stille Hoffnung: „Vielleicht ist ganz gut, dass die ganze Welt nun dorthin schaut!“
Beim Finale entspannte Yana im Publikum. Beide Kandidaten – Ornella und Roman, jeder auf seine Art – haben ihr gut gefallen. Letztlich hatte Roman mehr Unterstützer. Seinen Song für Baku mag sie.
Getragen wurde Yana Woche für Woche vom „ihrem“ Publikum, sogar aus Frankreich kam Fanpost. In der Schweiz galt sie lange als Favoritin. Unter den jüngsten Auftrittsanfragen an „Silent Seven“ findet sich eine aus Wien. Am wichtigsten war ihr aber der Beistand aus der Heimat. „Ich war völlig geplättet von der überirdischen Unterstützung, die aus unserem kleinen Landkreis kam!“, schwärmt sie und strahlt dabei bis über beide Ohren.
Ein besonders dickes Dankeschön gilt ihren Bandkollegen. Diese standen fest hinter ihr, obwohl ein Erfolg in der Show ihr wohl kaum mehr Zeit für die „Stillen Sieben“ gelassen hätte. „Das hat mich wirklich gerührt“, bemerkt sie und findet, dass „Silent Seven“ für sie mehr eine Familie als bloß eine Band sei.
So schön die Zeit in Köln, an der Seite der Juroren, den „Heavytones“ und den anderen Kandidaten, auch war. Das Thema „Castingshow“ ist für Yana abgehakt. „Ich bin gut aus der Sache rausgekommen und habe mich nicht blamiert“, resümiert sie. Dabei möchte sie es belassen.
Wertvolle Kontakte
Allerdings knüpfte Yana vor Ort wertvolle Kontakte zu namhaften Plattenfirmen wie „Universal“. Das könnte für sie und ihre Bandkollegen eine Chance sein: „Wenn wir uns Mühe geben etwas Gutes auf die Beine zu stellen, vielleicht!“
Bald steigt Yana wieder in die Rettungsassistenten-Ausbildung ein und behält ebenso das geplante Medizinstudium im Blick. Doch auch der Traum vom Leben als Musikerin geht in die nächste Runde…
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