Das aktuelle Wetter Bad Berleburg 14°C
Literaturpflaster

Zungenbrecher-Übung mit Maori-Märchen

19.09.2012 | 09:29 Uhr
Zungenbrecher-Übung mit Maori-Märchen
Die Bad Laaspher Märchenerzählerin Katja Heinzelmann (r.) war hoch erfreut über das Interesse der zahlreichen Zuhörer zum Vortrag der neuseeländischen Märchen in der Bad Berleburger Stadtbücherei.Foto: Christiane Sandkuhl

Bad Berleburg. Neuseeland – ein ganzes Jahr lang mussten die Freunde des Berleburger Literaturpflasters auf den Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse warten. Nun ist er da. Ganz zaghaft begann jetzt die Bad Laaspherin Katja Heinzelmann in einem ersten Vortrag mit einer Reihe neuseeländischer Märchen die sehr zahlreichen Besucher in der Bad Berleburger Stadtbücherei mit ihren Erzählungen zu unterhalten. Zaghaft deshalb, weil der Welt kaum schriftlich überlieferte Dokumente der Märchen der dortigen Eingeborenen vorliegen. Traditionell wurden, und dies geschieht auch heutzutage so, die alten Mythen und Weisheitsgeschichten an die nächst jüngere Generation weitergegeben.

Mit Beginn der christlichen Missionierung kamen Mönche aus Europa in das Land und machten erste Ansätze, die Mythen- und Sagenschätze aufzuschreiben und somit zu archivieren.

Gaby Klotz von der Stadtbücherei weiß, es gibt nur sehr wenig gedruckte Märchenliteratur, auf die Katja Heinzelmann sich einstimmen konnte, um den Märchenvortrag überhaupt stattfinden lassen zu können. Wichtig ist ihr dabei gewesen, den Zuhörern auch im übertragenen Sinne ein Gehör für die Besonderheiten der Namensgebungen in der Maorisprache zu vermitteln.

Sehr schnell merkte der Besucher in der Stadtbücherei, dass die in Massen aneinandergereihten Vokale in den Namen der Märchenfiguren einiges an Konzentration voraussetzten.

Katja Heinzelmann hat in ihrer sehr langen Erfahrung mit Märchen rund um die Welt inzwischen ein gutes Gespür entwickelt für die Aufmerksamkeit der Zuhörer und weiß, was sie dem Publikum anbieten kann. Sie konzentrierte sich nun auf drei Erzählungen, die wie in anderen Ländern des Globus sehr viel mit der Entstehung des Lebens auf dem blauen Planeten zu tun haben, mit der Liebe und mit dem Leben in den Familien.

Alle Naturerscheinungen in der Welt der Maori haben ähnlich wie in anderen Mythologien der Welt Namen und sind personifiziert. Die Götter sind nicht die Verkörperung von Zauberern, sondern ihr geistiger Einfluss ist vom Urvolk sehr ernst genommen. Katja Heinzelmann erzählt von Taranga, einer Maori, die angeblich ein Kind am Strand tot zur Welt bringt. Traditionell wickelt sie dieses Kind, so wie die Maori es verlangen, in einen Haarbüschel ihres Tiki (gebundener Haarknoten in der Schädelmitte) und übergibt das Kind dem Meer. Der kleine, totgeglaubte Maui lebt allerdings, wird durch das Stranden bei einem Ahnen gerettet und gelangt über sagenhafte Umwege zurück zu seiner Ursprungsfamilie mit vier weiteren Brüdern.

In einer ähnlichen Überlieferung berichtet Katja Heinzelmann eindrucksvoll von Mauis „Bändigen der Sonne“, die mit einem Netz eingefangen wird und so für die Menschen gefügig gemacht wird. In den Mythen wird sehr häufig die Kleinheit der Riesenhaftigkeit der Himmelskörper dargestellt und wie der Mensch sich die Welt formt und sie sich auf märchenhafte Weise untertan macht.

Marlen Jourdan von der Volkshochschule Siegen-Wittgenstein und Rikarde Riedesel (Stadt Bad Berleburg) betonten zum Schluss den enormen Arbeitsaufwand, den Katja Heinzelmann mit dem Auffinden und schließlich mit den teils zungenbrecherischen Namen in den Märchen hatte.

Von Christiane Sandkuhl



Kommentare
Aus dem Ressort
Als Pensionär noch mit Elan ab in die Luft
Flugsport
„Kannst du heut mit mir Fliegen? Ich hätte Zeit!“ – so ähnlich klang es die letzten Monate, wenn Axel seine Fluglehrer in Schameder anrief. Der Pensionär ist seit dem Frühjahr 2014 Flugschüler in der Sparte Ultraleicht des Flugsportvereins Schameder-Wittgenstein e.V.
„Ich hab’ ein paar Mal richtig Glück gehabt“
80. Geburtstag
Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg ist am Mittwoch 80 Jahre alt geworden. Im Interview offenbarte der Naturschützer und Forstwirt, was er von der Reform des Landesjagdgesetzes oder Listen mit den reichsten Familien Deutschlands hält. Und er erklärte seine Sicht zum Rechtsstreit um die...
Runder Tisch hat Bewohner zu Gast
Flüchtlingsunterkunft
Zwei Syrer aus der Notunterkunft am Spielacker berichten im Bad Berleburger Bürgerhaus über ihre ganz persönlichen Eindrücke. Das DRK als Betreiber stellt ein neues Beschäftigungskonzept vor – und auch die Polizei vor Ort meldet sich zu Wort: mit steigenden Diebstahl-Zahlen, aber auch mit dem...
Uhrentest zeigt die Krankheit an
Themenabend Demenz
„Keine Krankheit wirft so viele Fragen auf und verändert auch gleichzeitig das Leben der Angehörigen.“ Mit diesen Worten hat Rüdiger Saßmannshausen am Dienstagabend seinen Vortrag zum Themenkomplex Demenz eingeleitet – und das nicht nur vor einem überschaubaren Kreis an Interessierten.
Mehr als 70 Vorschläge werden jetzt zu Projekten „verdichtet“
Region
Wittgenstein startet in seine eigene Zukunft – und muss für Bewerbung um Leader-Fördergelder des NRW-Umweltministeriums jetzt klares Profil zeigen. Der Ideen-Reichtum vor Ort ist groß. Jetzt gilt es, daraus möglichst realistische Projekte zu machen.
Fotos und Videos
WP-Schützenköniginnen
Bildgalerie
Preisverleihung
Wittgensteins schönste Seiten 30
Bildgalerie
Leserfoto-Aktion