Zinse wird erobert, das Sterben geht weiter

Wittgenstein/Zinse..  Am 8. April 1945 endet der Landkrieg in Wittgenstein mit der Einnahme von Zinse. Die Front verschiebt sich ins Sauerland und ins Ruhrgebiet, wo von der NS-Propaganda angestachelte Einheiten noch bis zum 21. April Widerstand leisten und so noch mehr Tod und Verwüstung über das Land bringen.

In Zinse haben sich die Bewohner in den Wäldern in Sicherheit gebracht. Wie Adolf Laues (Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins, 1968, Bd. 32) berichtet, soll ein Beschuss des Dörfchens verhindert werden, deshalb gehen der Bürgermeister und einige mutige Männer den Amerikanern entgegen.

Sie bieten den Befreiern an, als menschliche Schutzschilde beim Einmarsch vor der US-Armee herzugehen. Doch die lehnen ab und greifen am Nachmittag an. Dabei werden der Gasthof Afflerbach, das Haus von Wilhelm Afflerbach und das Weyandt’sche Anwesen mit Leuchtspurmunition in Brand geschossen.

Als auch Schneiders Haus ins Visier der Amerikaner rückt, hisst der Besitzer schnell die weiße Fahne und das Schießen hört auf. Bei diesem unnötigen Angriff auf ein von der Wehrmacht bereits geräumtes Dorf werden zwei Zivilisten verwundet, die später durch US-Militärärzte versorgt werden.

Die Sachschadensbilanz dieser letzten „Schlacht“ auf Wittgensteiner Boden: fünf von 14 Häusern sind völlig zerstört, der Rest zum Teil schwer beschädigt.

Bei der Pension Hofius beziehen die „Amis“ zum letzten Mal ein Quartier, bevor sie weiter ins Sauerland marschieren.

Neunjähriger Junge stirbt

Zwar sind die Kämpfe zu Ende, doch immer noch befinden sich deutsche Truppen in Wittgenstein. Völlig unbemerkt von der US-Armee hat sich eine 40 Soldaten zählende, gut ausgerüstete Wehrmachtseinheit in Steinbach von der Front überrollen lassen. Doch die Landser geben ihr Vorhaben, den Amerikanern in den Rücken zu fallen, glücklicher Weise auf. In Gefangenschaft gehen auch zwei Wehrmachtssoldaten, die sich über sieben Tage in Girkhausen versteckt gehalten haben. Sie haben sogar von den „GIs“ unbemerkt in einem Haus übernachtet, bevor sie sich ergeben.

Im gesicherten Lahntal richten sich Nachschubeinheiten der US-Armee ein. In Saßmannshausen wird beispielsweise Treibstoff umgeschlagen. Dort stirbt bei Kriegsende ein neunjähriger Junge. Er hat mit Freunden in einer achtlos am Feuerwehrhaus abgestellten Kiste eine Panzerfaust gefunden und damit gespielt. Er wird vom Feuerstrahl getroffen und getötet. Der Junge war nicht das letzte Todesopfer in den Wirren nach den Kampfhandlungen.