Wolf ist nicht wirklich willkommen

Der Wolf ist zurück in Deutschland, zurück in Nordrhein-Westfalen und seit Ende Januar spätestens eben auch in Südwestfalen.
Der Wolf ist zurück in Deutschland, zurück in Nordrhein-Westfalen und seit Ende Januar spätestens eben auch in Südwestfalen.
Foto: Landesamt für Naturschutz

Wittgenstein..  Der Wolf ist zurück in Deutschland, zurück in Nordrhein-Westfalen und seit Ende Januar spätestens eben auch in Südwestfalen. Südlich von Siegen tappte Isegrim in eine Fotofalle und lieferte den Beweis. Sofort spaltet seine Anwesenheit als freies und streng geschütztes Raubtier die Menschen in Befürworter und Gegner. Kaum jemanden lässt das mehr durch Märchen als durch Fakten geprägte Bild des Wolfes kalt.

Auch in Wittgenstein wird einer gesichtet. Allerdings war es dieses Mal nur ein Fuchs und eben doch kein Wolf, erläutert Michael Frede von der Biologischen Station Rothaargebirge. Drei von vier Experten, die das mit einer Handykamera bei Birkefehl von einer Autofahrerin geschossene Bild ausgewertet haben, sind dieser Meinung. Doch der Fachmann weiß, ganz abwegig ist eine Wolfssichtung in Wittgenstein nicht. Das anpassungsfähige Tier könnte sich in den wildreichen Wäldern durchaus wohlfühlen. Dass ein Wolf hier heimisch werden könnte, hänge aber auch von der „Willkommenskultur“ ab, sagt Frede.

Euphorie macht Sorgen

Johannes Röhl vertritt als Forstdirektor die Interessen von Nordrhein-Westfalens größtem Waldbesitzer, Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg: „Sorgen machen uns nicht die Wölfe an sich, sondern diese völlige Euphorie“, sagt Röhl im Gespräch mit der Heimatzeitung. Aus der Sicht des Forstmanns und Jägers sind „Chancen und Risiken nicht ausgewogen betrachtet“. Röhl berichtet von Erfahrungen aus Brandenburg, wo ganze Rudel inzwischen heimisch sind. Dort flüchte sich das Rotwild zum Teil nachts aus Angst in die Städte. Neben Wild seien auch Weidetiere als leichtere Beute und selbst Hunde gefährdet, sagt Röhl. Ihm kommt das vom Wolf gezeichnete Bild zu rosarot daher. Und bei den Diskussionen um Wölfe in Dänemark, dem Westerwald und Siegerland, möchte der Forstdirektor vor allem eines wissen: „Man mus die Frage stellen, wo kommen dieser Tiere her. Da gibt es Ungereimtheiten.“ So soll der im April 2012 im Westerwald von einem Jäger erschossene Wolf aus den Abruzzen eingewandert sein. Über Berge, Straßen, Flüsse und Bahnlinien und durch perfekte Lebensräume hinweg direkt in den Westerwald.

Letzter Wolf 1835 erlegt

Damit steht unausgesprochen der Vorwurf vom „Kofferraumwolf“ im Raum – das sind Tiere, die aus Gehegen oder privaten Haltungen entkommen sind oder freigelassen wurden. Auch Martin Kindig steht Isegrim ablehnend gegenüber. Der Förster und Revierleiter im Forstgut Ditzrod von Ludwig-Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg in Bad Laasphe spricht Klartext: „Wir werden uns mit dem Wolf arrangieren, brauchen tun wir ihn nicht.“ Mit durchziehenden Einzelexemplaren könne man leben. Lieben werden vor allem die Jagdpächter ihren tierischen Konkurrenten aber nicht.

Es sind aber nicht nur Jäger, die das Raubtier fürchten. Auch Tierhalter wie der Banfer Nebenerwerbs-Biobauer Matthias Schmidt sehen der Rückkehr des Wolfs mit gemischten Gefühle: „Ich habe nichts gegen einen durchziehenden Wolf, aber es bleibt ja nicht dabei.“ Schmidt hält 14 Schafe und viele Hühner. Der Fuchs hat ihm schon mal ein Lamm geholt und so schlimm zwischen den Freiland-Hühnern auf der Wiese gewütet, dass er einen 1,30 Meter hohen Zaun gebaut hat. Dagegen sei der Habicht kein größeres Problem: „Der holt höchstens eins oder zwei“, sagt Schmidt.

Biobauer fürchtet gerissene Schafe

Beim Wolf aber hört für den Biobauern der Spaß auf. „Wer ersetzt mir dann den Schaden?“, fragt er und verweist auf drohenden Papierkram bei der Schadensfeststellung. „Darüber hat der Minister Remmel wohl nicht nachgedacht.“ Schmidt fürchtet die Ausfälle. Wenn er Schafe oder Hühner verliert, kann er als zertifizierter Biolandwirt nicht einfach x-beliebige Tiere dazu kaufen. Sie müssen ebenfalls von Bio-Züchtern stammen. Also bleibe aus wirtschaftlichen Gründen nur die Eigenaufzucht. Doch bis Schafe Lämmer bekommen können und Hühner Eier legen, dauert es lang und die Zwischenzeit bedeutet für Schmidt Verdienstausfall. Von Willkommenskultur kann also in Wittgenstein fast keine Rede sein.