Wittgensteiner greift in die Vereinskasse

Bad Berleburg..  Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel hatte in ihrer Anklage schweres Geschütz aufgefahren. Dem ehemaligen Angestellten eines renommierten Sportvereins in Wittgenstein warf sie gewerbsmäßigen Diebstahl vor.

Der Beschuldigte soll zwischen Mai und August vergangenen Jahres in der Getränkekasse lange Finger gemacht hat. Dieser Bereich war nur Mitgliedern und den Fachkräften zugänglich. Regelmäßig habe er Geldscheine entnommen, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Irgendwann schöpfte der Vorstand Verdacht, präparierte einen 20-Euro-Schein und konnte den Dieb so überführen.

Reinen Tisch machen

Der machte am Dienstag im Sitzungssaal reinen Tisch. „Mein Auto war kaputt, und ich hatte Schulden“, schilderte er seine Situation im Tatzeitraum. Primär will er nur Fünf- und Zehn-Euroscheine entnommen, und das durchschnittlich alle zwei Tage. „Macht demnach 45 Fälle“, hatte Richter Torsten Hoffmann schnell errechnet. Klar war allerdings auch, dass der Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit nicht aufrecht zu erhalten waren, auch weil die einzelnen Diebstähle unter 25 Euro lagen und deshalb als juristisch „geringwertig“ einzustufen sind.

1200 Euro Geldstrafe

Hoffmann verurteilte den 26 Jahre alten Arbeiter zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je zehn Euro. Damit ist er jetzt vorbestraft, allerdings hat ihn das Geständnis und die gezeigte Reue vor einer härteren Sanktion bewahrt. Auch die Tatsache, dass er mit der Rückzahlung des Schadens begonnen hat, dürfte sich strafmildernd ausgewirkt haben. Der Verein und der ehemalige Angestellte haben sich auf 1000 Euro geeinigt, aber das ist nur eine fiktive Schadenssumme. Den Job bei dem Wittgensteiner Sportverein war er natürlich sofort los.