Wisente in die Pfanne

Wisent-Informationsveranstaltung in Oberkirchen. Ich verfolge seit einigen Jahren die Berichterstattung über das Wisent-Projekt. Bislang bin ich davon ausgegangen, dass zwei, drei Waldbauern aus Oberkirchen aus nachvollziehbaren Gründen gegen die Auswilderung sind. Bei der gut besuchten Veranstaltung des Oberkirchener Heimatvereins habe ich allerdings eine Wand der Ablehnung erlebt und nicht eine Stimme gehört, die sich für die Auswilderung stark gemacht hätte.


Vor einigen Jahren habe ich als Teilnehmer einer forstkundlichen Lehrfahrt ins östliche Polen das dortige Wisent-Projekt kennengelernt. Prächtige Tiere, zugegeben. Man kann sie von hohen Aussichtstürmen hinter sicheren Zäunen bewundern. Weshalb? Weil Kühe mit Kälbern für Menschen lebensgefährlich werden können. Und in Berleburg werden diese Tiere in der Nähe des Rothaarsteigs ausgewildert? 700 Kilogramm schwere Kuscheltiere? Mich macht dieser Leichtsinn der Projektinitiatoren fassungslos.


Drei der zwölf ausgewilderten Tiere waren vor ihrer Umsiedlung nach Berleburg offenbar als große Rindenfresser bekannt. Haben die Projektinitiatoren noch nie etwas davon gehört, dass andere Tiere sehr schnell diese Form der Nahrungsaufnahme übernehmen? Fachleute nennen das Tradieren.


In den Berichterstattungen über das Projekt werden ständig andere Schadenhöhen genannt. Weshalb werden die Zahlen nicht einmal ehrlich auf den Tisch gelegt? Ist der Rentkammer nicht bekannt, dass auch Waldeigentum verpflichtet? Und weshalb sollen Steuerzahler für den Schaden im Staatswald aufkommen?


Schließlich: Der Betreiberverein glänzte in Oberkirchen mit Abwesenheit. Glauben die Verantwortlichen, so etwas am Stimmungsbild ändern zu können?


Ach ja: Ebenfalls aus eigenem Erleben kann ich versichern, dass Wisentfleisch eine Delikatesse ist. Über kurz oder lang werden die Berleburger Wisente wohl den einzig sinnvollen Weg in die Pfannen antreten. Eine andere Lösung sehe ich nicht.
Tobias Paulsen, Büro Wittgenstein, Erlenweg 2, Bad Laasphe