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Wisente erobern die ITB

11.03.2010 | 10:23 Uhr

Bad Berleburg. Erstmals seit 850 Jahren werden wieder Wisente frei durch einen deutschen Wald laufen. Mit dieser Aussage machen die Organisatoren zurzeit auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin auf das einmalige Artenschutzprojekt in den Wäldern am Rothaarkamm aufmerksam.

Mit „Die Rückkehr der Wisente” ist eine hochwertige Informationsbroschüre betitelt, mit der Sponsoren und Förderern die Idee und deren Umsetzungskonzept erläutert werden soll. Neben einer ausführlichen Beschreibung der im Jahre 1926 fast ausgestorbenen Tierart werden die Ziele des Projektes deutlich gemacht. Außerdem wird erklärt, wie sich die Tiere verhalten werden: „Die Wisente beleben den Wald im Rothaargebirge. Ohre ökologische Funktion als Pflanzenfresser ist in unserer Landschaft unbesetzt. Wo Wisente grasen, bleiben Lichtungen offen und es entsteht ein artenreiches Grünland. Wenn die Tiere mit ihrem massigen Körper zur Pflege ein Staubbad nehmen, mit Biss und Tritt Vegetation und Boden strukturieren, entstehen Mikrobiotope, die vielfach Lebensraum für hochbedrohte Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt sichern.”

Nicht mehr als 25 Tiere

Als Zielpopulation, so heißt es weiter, ist die Obergrenze mit 25 Tieren angesetzt. „Alle überzähligen Tiere werden abgefangen, anderen Projekten zur Verfügung gestellt oder in Zoos, Gärten oder Wildparks gebracht.”

Die Projektträger gehen davon aus, dass die Anwesenheit der Wisente in den Berleburger Wäldern „den Geschmack der Landschaft verändern und damit die Urtümlichkeit und Einmaligkeit dieser Landschaft unterstreichen!”

Oberstes Ziel ist der Artenschutz

Neben dem priorisierten Ziel des Artenschutzes wird der touristische Aspekt mit dem Schaugehege bei Wingeshausen natürlich nicht außer Acht gelassen. So ist es logisch, dass bei der gerade begonnenen Internationalen Tourismusbörse in Berlin das Thema „Wisente in Wittgenstein” Gesprächsthema Nummer 1 am Stand der heimischen Touristiker ist. Dort haben Paul Breuer als Vorsitzender des Touristikverbandes Siegen-Wittgenstein und Geschäftsführerin Roswitha Still schon jede Menge „Wisent-Flyer” an die Messebesuchern verteilt.

Broschüre Wisent Wildnis Wittgenstein

Pünktlich vor dem Eintreffen der ersten Wisente, das bekanntlich auf den 24. März verschoben worden war, ist auch der Internetauftritt des Trägervereins „Wisent-Wildnis-Wittgenstein” auf den allerneusten Stand gebracht worden. Das hat sich offenbar gelohnt, denn, so Trägervereinsvorsitzender Bernd Fuhrmann: „Seit dem Neustart sind in zwei Tagen über 16 000 Seitenzugriffe verzeichnet worden. Nutzer aus dem Ausland informierten sich sogar bis zu 20 Minuten lang auf unseren Seiten.”

Info: www.wisente-rothaargebirge.de

Christoph Vetter



Kommentare
12.03.2010
10:44
Wisente erobern die ITB
von von Bertold | #3

Wisente waren hier im Mittelgebierge nie ansässig. Somit ist die Begründung Wiedereinbürgerung eine reine Zweckbehauptung. Man könnte dann auch den Tarpan, das in Polen noch heimische Wildpferd,
wieder einbürgern, da es sicher auch in germanischen Zeiten durch die weiten Wälder und Lichtungen Norddeutschlands getrabt ist.
Richtigerweise müßte man in die Urtümlichkeit und Einmaligkeit der Wittgensteiner Wälder wieder den Wolf einbürgern. Der wäre für den Menschen, da er extrem scheu ist, nicht gefährlich.
Nein, das ganze Projekt dient nur als Vehikel zu Beförderung der Tourismusbranche.
Aber die Touristen werden sich sehr schnell von diesen Tieren wieder abwenden. Sie sind keine Kuscheltiere, scheuen den Menschen und ziehen sich in verborgene Refugien zurück, wenn die Verhältnisse dies zulassen. Und das will man ja wohl.
Aus eigener Anschauung über eine Zeitraum von mind. 12 Monaten, in einem Gehege im Kreis Warburg (Scherfede), kann ich sagen, dass diese Tiere für Besucher ziemlich uninteressant sind.
Sie sind relativ unbeweglich (standorttreu) und zeigen wenig Aktivitäten.

Die Begründungen für die Ansiedlung dieser Tiere strotzen vor phantasievollen Beschreibungen aus der Feder von grün-ökologischen Experten, die sich sicher einer fürtlichen Belohnung für die wohlwollenden Gutachten erfreuen dürfen.
Das Ganze könnte von der FDP in Gang gesetzt worden sein - Klientelpolitik.

12.03.2010
07:12
Wisente erobern die ITB
von duwu | #2

Es wird ein Theater um die Wisende gemacht finde ich völlig überflüssig sollen sich lieber um andere Dinge kümmern deshalb kommen auch nicht mehr Gäste nach Berleburg

11.03.2010
14:52
Wisente erobern die ITB
von diwi | #1

Danke Herr Vetter für Ihren objektiven Bericht.
Ein Abschreiben von Verlautbarungen der Herren Breuer und Fuhrmann ist doch zu wenig.
Schon mal die nebenstehende Umfrage zur Akzeptanz gelesen? Schon mal kritisch hinterfragt, wer zahlt die Hochglanzbroschüren?
Guter Journalismus sieht anders aus.

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In der Region Wittgenstein leben „Herr und Frau Mustermann“. Das schreibt Desirèe Linde in einem Beitrag für das „Handelsblatt“ . Die aus Bad Berleburg stammende Autorin bezieht sich auf Ergebnisse aus dem Prognos-Zukunftsatlas 2013. Ist Wittgenstein wirklich Mittelmaß?

In der Region Wittgenstein leben „Herr und Frau Mustermann“. Das schreibt Desirèe Linde in einem Beitrag für das „Handelsblatt“. Die aus Bad Berleburg stammende Autorin bezieht sich auf Ergebnisse aus dem Prognos-Zukunftsatlas 2013. Ist Wittgenstein wirklich Mittelmaß?

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