Winkelarchäologie

Keltenburgen, Bericht vom 13. Oktober. Man sollte annehmen, die Archäologische Abteilung des LWL beschäftige sich weniger „mit der Anordnung von Wallburgen“, sondern mit deren Funktion.


Wallanlagen wurden seit der Sesshaftigkeit von Menschen an strategisch günstigen Punkten angelegt, an wichtigen Landmarken (Manching, Hohenasperg), Flussbiegungen (Aue, Dotzlar) oder auf leicht zu verteidigenden erhöhten Plateaus (Glauberg, Heuneburg, Heidengraben). Das unterscheidet die meisten keltischen Anlagen kaum von ihren Vorläufern und den späteren Burgen. Anders die kultischen Bauten, aber auch sie dienten ganz praktischen Bedürfnissen, was den Verlauf der Sonne und die Festlegung von Saat und Erntezeiten betrifft.

Es ist wenig hilfreich, wenn man „den Kelten“(?) mit Zahlenspielereien und Winkelarchäologie begegnet. Viel spannender scheinen mir deren Bauwerke am Nordrand des bekannten keltischen Siedlungsgebiets unter einem anderen Aspekt: Hier wurden offensichtlich strategisch wichtige eisenzeitliche Erzvorkommen gesichert und vielleicht lässt sich – wissenschaftlich seriös und nicht spekulativ – untersuchen, woher das Gold der Glaubergfürsten stammt: vielleicht aus der Eder.