Winfried Damm macht sich auf zu neuen Welten

Bald Ruheständler: Winfried Damm, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums in Bad Laasphe, auf dem Planetenlehrpfad.
Bald Ruheständler: Winfried Damm, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums in Bad Laasphe, auf dem Planetenlehrpfad.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe geht nach fast 40 Dienstjahren in den Ruhestand. Im Gespräch mit der Westfalenpost zieht er seine persönliche Bilanz.

Bad Laasphe..  Vom Parkplatz an der Amalienhütte sind es nur wenige Gehminuten bis zur großen Sonnenkugel des Planetenlehrpfads. Und mit jedem Schritt sammeln sich eine Vielzahl schöner Erinnerungen in den Gedanken von Winfried Damm – sofort beginnt der Oberstudiendirektor zu plaudern. Der Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe hat das bekannte Großprojekt von seiner Entstehung bis zur Realisation begleitet. Auf dem Weg zwischen Sonne und Erde erinnert er an spannende Schülerversuche im Gelände zu Marsannäherung, dem Venustransit oder der Sonnenfinsternis. Er spricht von tollen Begegnungen mit Besuchern der Stadt, von lustigen Anekdoten und berichtet Wissenswertes: „Wenn wir auf diesem Weg laufen, sind wir dreimal so schnell wie das Licht“, sagt Damm und lacht: „Mit jedem Schritt werden wir also jünger!“

Ein wunderbares Gedankenspiel. Doch tatsächlich lässt sich die Zeit weder anhalten, noch zurückdrehen. Und so nähert sich unaufhaltsam der Tag des Abschieds von seiner Schule: Ende Januar geht der 63-Jährige nach beinahe 40 Dienstjahren – 38 davon in Bad Laasphe – in den Ruhestand. Im Februar übernimmt sein bisheriger Stellvertreter, Studiendirektor Karsten Holz, die Leitungsgeschäfte.

Holz ein geeigneter Nachfolger

Im Jahr 1951 wurde Winfried Damm in Friedensdorf geboren, ist dort auf dem Bauernhof der Familie aufgewachsen. Nach der Volksschule führte sein Weg in die Lahnstadt – zunächst als Schüler. „Der erste Tag nach den Osterferien 1965 war mein erster Schultag in Laasphe“, erinnert Damm. Die Schule, die damals noch Aufbaugymnasium ab der achten Klasse war, befand sich im jetzigen Haus der Jugend. Und in der alten Turnhalle fand die Begrüßung mit einem Schulgottesdienst statt.

Landwirt oder Lehrer

Begünstigt durch die beiden Kurzschuljahre in 1966/67 – bis dahin begann ein Schuljahr nach Ostern, später nach den Sommerferien – brauchte der junge Kerl aus dem Hinterland nur fünf weitere Jahre bis zum Abitur. Während dieser Zeit reifte sein Entschluss, in den Lehrerberuf einsteigen zu wollen. Bis dahin hatte er auch mit anderen Tätigkeiten, etwa der Landwirtschaft, geliebäugelt. Denn auf dem Hof der Familie war er in alle Prozesse eingebunden. „Viehzucht, Ackerbau, Wiesen- und Waldwirtschaft. Das hat mir in meiner Jugend viel Spaß gemacht“, verrät Winfried Damm.

Nach dem Abitur begann er in Marburg mit dem Studium, Mathematik und Geografie. Zur Auswahl seiner Fächer sagt er: „Solange ich zur Schule ging, war Mathematik mein Lieblingsfach. Auch Erdkunde hat mich immer interessiert!“ Er studierte zehn Semester, wurde am 1. August 1975 am Studienseminar in Gießen vereidigt. Anderthalb Jahre war er dann Referendar in Herborn, wurde mit 25 am 1. Februar 1977 Studienrat an seinem Gymnasium.

Vom Kollegium wurde der junge Mann gut aufgenommen: „Meine ehemaligen Lehrer haben mich fair behandelt!“ Rückblickend seien besonders die Eindrücke der ersten Lehrerjahre in Laasphe bis heute präsenter als viele Momente, die danach folgten. „Ich weiß noch ganz genau, wer in den ersten Klassen saß“, sagt der Schulleiter. Früh unterrichtete er Leistungskurse und ist froh, dass er seine Schüler darin nicht so sehr erschreckte, dass einige sogar selbst Mathematik studierten und Lehrer wurden. Prominenteste Beispiele seien die Realschulrektoren aus Berleburg und Dautphetal, Manfred Müller und Harald Becker, die sogar im selben Kurs gesessen hatten, weiß Damm.

Beruflicher Aufstieg

Schon im siebten Jahr am „Städtischen“ wurde der Wahl-Laaspher zum Studiendirektor und schließlich am 1. August 1988 als Nachfolger von Schulleiter Meinolf Gathmann zum Oberstudiendirektor ernannt. Doch mit dem beruflichen Aufstieg veränderte sich das Tätigkeitsfeld drastisch. An die Stelle des Unterrichtes, der ihm große Freude bereitete, traten Verwaltungs- und Leitungsaufgaben. Für die Lehre blieb nur wenig Zeit: Im aktuellen Schuljahr sind es nur sechs Wochenstunden in der Oberstufe. Manchmal habe er sich gewünscht, mehr Lehrer als Leiter sein zu dürfen. Allerdings schätzte er auch die großen Gestaltungsmöglichkeiten, die sich aus seiner Position ableiteten. Letztlich habe er deshalb nicht bedauert, Schulleiter geworden zu sein.

Mehr als ein viertel Jahrhundert bekleidet er das höchste Lehreramt, hat sein Gymnasium wohl mehr geprägt, als viele seine Vorgänger in der 92-jährigen Schulgeschichte. Zufrieden blickt er auf Erfolge zurück, auf Auszeichnungen wie jüngst das Berufswahlsiegel oder das Gütesiegel für individuelle Förderung.

Schule im Wandel: Kinder individuell fördern

Schlimme Tage

Daneben gab es schwere Stunden, allen voran der Unfall einer Schülergruppe im Jahr 1995. Damals war ein Reisebus mit Laaspher Gymnasiasten in der Toskana mehrere Meter tief in einen Fluss gestürzt. „Dieser Tag hat mich sehr beschäftigt, das war ein schlimmes Erlebnis“, sagt Winfried Damm nachdenklich. Er war am frühen Morgen über das Ereignis informiert worden, die einzige Telefonleitung der Schule lief heiß: Eltern, Medien. Die erlösende Nachricht kam erst später am Tag: Alle Schüler, teilweise zwar schwer verletzt, überlebten das Unglück!

Kaum Zeit für Hobbys

Die Schule war während des vergangenen vier Jahrzehnte der Dreh- und Angelpunkt des Lebens von Winfried Damm – mit großem Einfluss auf den privaten Bereich. „Der Beruf hat mich so sehr beansprucht, dass ich nur wenige Hobbys pflegen konnte“, verrät der 63-Jährige. Zeit nahm er sich für Jogging-Runden auf dem Planetenlehrpfad zwischen Saturn und Sonne sowie, wenn möglich, für die Fußballspiele seines Sohnes Johannes. Theoretisch hätte er seinen Abschied noch um zwei Jahre verzögern können, wählte aber die Altersteilzeit. Er fühle sich fit und gesund, wisse aber, dass sich die Situation mit zunehmendem Alter auch spontan ändern könne. „Und deshalb wollte ich gehen, solange ich es frei entscheiden kann“, bemerkt der Oberstudiendirektor.

Das erste Projekt während der Ruhephase wird der Umzug nach Herborn sein. Dort unterrichtet seine Frau an der Realschule. Zwischen die positiven Gefühle des Aufbruchs in einen neuen Lebensabschnitt, mischt sich leichte Unsicherheit. Der Beruf werde zunächst eine Lücke hinterlassen, ist Winfried Damm sicher: „Bisher wusste ich immer, was ich zu tun hatte. Doch wie wird es sein, wenn ich das nicht mehr weiß?“ Deshalb will er sich in der „schönen Fachwerkstadt“ rasch ein neues Umfeld und neue Aufgaben suchen. Er denke an Arbeit mit Flüchtlingen und Zuwanderern, wenn sich dort ein passendes Umfeld finde. „Wenn ich Menschen helfen kann, sich in diesem Land einzuleben, dann werde ich mich einbringen“, betont Damm.

Außerdem liebe er es, sich mit neuen Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Das kam in den vergangenen Jahren zu kurz. Direkt in der ersten Woche nach dem Umzug nach Herborn, wird dort ein ehemaliger Lehrer aus seinem Referendariat einen Vortrag über „Einsteins Universum“ halten. „Da gehe ich natürlich hin“, sagt der leidenschaftliche Astronom und lächelt zufrieden. Zurück an der Sonnenstation: Winfried Damm lehnt gegen die schwere Beton-Kugel, die regelmäßig Pflege braucht. „Alle zwei Jahre muss die Sonne gestrichen werden. Bisher habe ich das gemacht“, erzählt er – und fügt nach kurzer Pause an: „Aber das kann ich ja auch weiterhin erledigen!“ Herborn ist nicht aus der Welt. Auf dem Rückweg zum Auto zeichnet er das Bild der letzten Tage im Schuldienst: Einige Konferenzen stehen noch auf dem Terminkalender, bevor er am nächsten Donnerstag in einer offiziellen Feierstunden verabschiedet wird e und sich am darauffolgenden Tag noch persönlich von der Schulgemeinde verabschiedet. Ein letzter Blick, bevor er wieder in seinen Wagen steigt: „Und dann ist Schluss!“