Wihelm Schmidt entkommt Tieffliegern mit Pferdefuhrwerk

Wilhelm Schmidt sen. (Sponjers), ein Holzfuhrmann aus der Bergstraße in Erndtebrück, war am 10. März 1945 wie fast jeden Tag damit beschäftigt, Papier- oder Grubenholz aus den Erndtebrücker Wäldern zum Bahnhof zu fahren. In der Mittagszeit kam er mit seinem beladenen Pferdefuhrwerk am Bahnhof in der Verladestraße an, als er vom Fliegeralarm überrascht wurde.

Durch Sprung in Böschung gerettet

Es blieb für ihn nur noch der Sprung in die nahe Böschung zwischen der Ladestraße und der unteren Bahnhofstraße. Unmittelbar darauf erfolgten die ersten Bombeneinschläge und zerstörten die Gleisanlagen, die zum Verladen des Holzes benötigt wurden. Nur durch den Umstand, dass zwischen den Bombeneinschlagstellen und dem Fuhrwerk ein ca. 3,50 Meter hoher Holzstapel stand, blieben die Pferde unverletzt.

Beide Tiere konnten sich vom Wagen losreißen und flüchteten in Richtung Sägewerk Schäfer. Nachdem die Motorengeräusche verstummt waren, konnte Wilhelm Schmidt seine verängstigten Tiere wieder einfangen. Als er sie in Sicherheit bringen wollte, deuteten die Motorengeräusche am Himmel auf eine zweite Angriffswelle hin. Wilhelm Schmidt flüchtete deshalb über die Eder und brachte sich im Hause Schneider (Orschels) in der Breidenbachstraße in Sicherheit.

Kaum hatte er den Keller des Hauses erreicht, ging schon der nächste Bombenteppich am Köpfchen nieder und verwandelte die Landwirtschaftsschule und die Ederwiesen, wo immer noch die Pferde standen, in eine Kraterlandschaft. Wie durch ein Wunder sind die beiden Pferde abermals nahezu unverletzt geblieben. Lediglich ein Pferd hatte eine leichte Verletzung über dem rechten Auge. Nach dem Angriff gelang es Wilhelm Schmidt, die Tiere, die jetzt zwischen zwei Bombentrichtern standen und völlig mit Erde bedeckt waren, am anderen Ufer der Eder einzufangen und in Sicherheit zu bringen.

Von Tieffliegern beschossen

Die vermeintliche Sicherheit der Tiere im Stall bei „Sponjers“ war spätestens zu Ende, als sie vor zwei gummibereifte Wagen gespannt wurden und mit den letzten Habseligkeiten einer auf der Katzenbach ausgebombten Familie in Richtung Raumland unterwegs waren. Zwischen Schameder und Leimstruth, in der Nähe der Kreuzung, die zur Rohrbach und nach Raumland führt, wurden das Gespann und der Bahnhof Leimstruth von zwei Jagdbombern (kurz: „Jabos“) angegriffen. Einige Bomben gingen dort am Bahnhof nieder ohne großen Schaden anzurichten.

Bevor die Jabos jedoch „Sponjers“ Wagen unter Beschuss nehmen konnten, war es in der Zwischenzeit gelungen, die Pferde auszuspannen und mit ihnen in den nahe gelegenen Wald zu flüchten. Die Jabos hatten dies scheinbar erkannt und nahmen das Waldgelände mehrmals anfliegend unter Beschuss. An den beiden Gummiwagen waren mehrere Reifen zerschossen worden, so dass diese erst nach einigen Tagen ersetzt werden konnten. Auch die auf dem Wagen befindlichen Möbel waren durch den Beschuss durchlöchert.

Im Visier des „Eisernen Heinrich“

Auch der Weitertransport und die Rückfahrt nach Erndtebrück verliefen nicht ohne Zwischenfälle. Ausgerechnet als sich das Gespann noch auf freiem Feld befand, wurde es vom „Eisernen Heinrich“ kurz vor einem Waldweg beschossen.

Der „Eiserne Heinrich“ war ein Aufklärungsflugzeug, welches fast jeden Abend seine Runden über Wittgenstein drehte. Auch dieses Mal blieben Fahrer und Gespann wie durch ein Wunder unverletzt.

Von diesem Tag an mussten die Pferde aus Sicherheitsgründen im Stall stehen bis die amerikanischen Truppen Erndtebrück besetzten. Da bis zu diesem Zeitpunkt keine Feldarbeit möglich war (es war ja Saatzeit), mussten diese Arbeiten nachgeholt werden. Doch es kam anders. Das Feld lag „am Gickelsberg“, wo die amerikanischen Truppen Geschütze aufgestellt hatten und das Gebiet um Heinsberg und Zinse unter Beschuss nahmen. Beim ersten Schuss, der abgefeuert wurde, gerieten die Pferde in Panik und stürmten mit der angehängten Ackeregge über den Weg bis vor die eigene Stalltüre.

Dass solche Erlebnisse auch an Tieren nicht spurlos vorübergehen und auch nach Jahren noch Angst erzeugten, ist wohl selbstverständlich. Den Pferden war es immer bei einem herannahenden Gewitter mit Blitz und Donner anzumerken.