Wie perfekt kann man eigentlich sein?

Kloppo verlässt den BVB. Was für eine Nachricht! Er sei nicht mehr der perfekte Trainer für den Verein – so begründet er selbst den frühen Ausstieg aus dem Vertrag.


Wie perfekt kann man eigentlich sein? So, dass immer nur alles gut geht? Die Mannschaft immer gewinnt? Die Zahlen stimmen und das Rad sich immer fleißig dreht? Wie sieht er aus, der perfekte Tag? Sommer, Sonne und keine Störungen? Der perfekte Mann, mit 1-A-Waschbrettbauch, die Frau mit Kurven, 90-60-90?


Ist „perfekt“ nun objektiv oder rein subjektiv? Irgendwie hat doch jede und jeder eine andere Vorstellung davon. Gott sei Dank! Aber so ein bisschen hab ich das Gefühl, als heiße perfekt, dass es jeder gut findet. Wenn etwas perfekt ist, dann ist es so gut, dass niemand etwas daran auszusetzen hat. Nun ja, dann ist Perfektionismus ja doch etwas, dass man anstreben sollte. Denn wenn ich perfekt bin oder etwas perfekt mache, dann finden mich alle gut, dann habe ich alle auf meiner Seite. Aber wie anstrengend und wie zermürbend. Denn oft genug ist nichts perfekt, sondern nur gut, oder sogar nur mittelmäßig.


Einigen wir uns doch darauf, dass „perfekt“ rein subjektives Empfinden ist. Etwas, dass man nicht unbedingt messen kann. Denn dann wäre es ja nur normal – eben nach der Norm, eins wie das andere. Um etwas oder jemanden perfekt zu finden, beziehe ich so viele Dinge in die Wertung mit ein, das kann kaum ein anderer nachvollziehen. Und ich stelle fest, dass „perfekt“ auch durchaus heißen kann „mit Ecken und Kanten“. Denn erst einmal heißt „perfekt“, dass ich damit durch bin. Es ist abgeschlossen. Ich habe mein Möglichstes, mein Bestes gegeben und jetzt ist es fertig – perfekt. Manchmal gibt es so Momente, da passt alles, da kommen alle guten Faktoren zusammen. Dann ist es wohl ein perfekter Moment. Manchmal ist das dann auch objektiv nachvollziehbar, manchmal aber auch gar nicht.


Wie ist das also jetzt mit dem Perfektionismus, erstrebenswert oder nicht? Jeder gibt sein Bestes, das ist ja wohl klar. Aber kommen wir immer dahin, dass es nicht mehr zu steigern wäre? Abgeschlossen, nichts mehr hinzuzufügen? In diesem Leben wohl nicht.


Es wird immer einen geben, der es besser kann. Es wird immer eine schöner sein, jemand schneller laufen, höher springen oder weiter fliegen. Die Vollkommenheit wartet noch auf uns. Das totale „perfekt“, das dann auch rein objektiv messbar ist, können wir auf Erden nicht erreichen. Den Himmel auf Erden gibt es (noch) nicht. Immer aber schon Momente, in denen sich Himmel und Erde berühren, in denen wir für einen Augenblick die Vollkommenheit erahnen können. Da freu ich mich schon drauf, wenn es nichts mehr zu meckern gibt.


Bis dahin ist das Leben voll von den vielen „perfekts“, die wir unterschiedlichen Menschen so unterschiedlich deuten und erleben. Gott sei Dank, denn so wird es nie langweilig und nie nur normal!


Kerstin Grünert, Pfarrerin in Erndtebrück