Wie der Wisent nach England kam

So sieht Entspannung aus: Am 5. Mai 2014 gelang dem Berufsfotografen Thomas Lohnes im Rothaargebirge dieser Schnappschuss.
So sieht Entspannung aus: Am 5. Mai 2014 gelang dem Berufsfotografen Thomas Lohnes im Rothaargebirge dieser Schnappschuss.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Berufsfotograf Thomas Lohnes erzählt die Geschichte zu seinem Schnappschuss im Rothaargebirge.

Bad Berleburg..  Wer sich abseits der deutschen Presselandschaft die Welt erklären lassen will, der landet in der Regel auch mal beim Internetauftritt des englischen „Guardian“. Die Pulitzer-Preis-Gewinner von der Insel bieten dort zwischen harten Nachrichten, Sport, Kultur und hanebüchenem Klatsch auch einiges fürs Auge.

Set 24 Jahren Fotograf

Wie etwa die Bildergalerien in der Kategorie „the week in wildlife“. Zu Deutsch: Die Woche in der Tierwelt. Ein Mausklick, aha, das ist doch nicht etwa...? Doch ist es, ein Wisent räkelt sich da auf dem Rücken, die Augen geschlossen, völlig tiefenentspannt. Der Text zum Bild bestätigt die erste Ahnung: „Eine Herde europäischer Bisons grast im Rothaargebirge nahe Bad Berleburg, Deutschland.“ Die Heimatzeitung hat mit Thomas Lohnes gesprochen, ihm gelang dieser Schnappschuss.

Rund 40 Millionen Nutzer pro Monat

Der 47-Jährige lebt im hessischen Pfungstadt und arbeitet als freier Fotograf. Vor mittlerweile 24 Jahren schaute er erstmals von Berufs wegen durch die Linse, für die „Bild“-Zeitung war das. Im Mai des vergangenen Jahres nahm er im Auftrag der Bildagentur „getty images“ an einer Pressetour teil, die Wisent Welt Wittgenstein hatte geladen.

„Das Foto aber“, erinnert sich Lohnes, „ist nicht während dieser Tour entstanden.“ Für den leidenschaftlichen Mountainbiker war es der erste Ausflug ins Rothaargebirge. Also packte er die Gelegenheit beim Schopfe und schwang sich noch am selben Tag auf seinen Drahtesel. „Doch etwas später hatte ich mein Fahrrad völlig vergessen.“

Keine Spur von Aggression

Lohnes war einmal mehr einer Herde Wisente begegnet, die sich da im Berggras lümmelte. Er ließ sich auf einem Baumstumpf am Wegesrand nieder und zückte sein Arbeitsgerät. „400 bis 500 Fotos muss ich damals geschossen haben“, erzählt er weiter, „man hat sofort gemerkt, dass die Tiere Touristen gewohnt sind. Von aggressivem Verhalten keine Spur.“ Zumindest nicht gegenüber Menschen: „Ich habe schon auch erlebt, wie ein älteres ein Jungtier vertrieben hat.“ Als Lohnes Mobiltelefon dann die Stille zerschnitt, erntete er nicht mehr als einen kurzen, recht desinteressierten Blick aus großen braunen Wisent-Augen.

Immer wieder zieht es den Familienvater hinaus in die Natur: Reisen und Fotografie als die für den passionierten Bergsteiger perfekte Kombination von Beruf und Freizeit. Durch Indien ist Lohnes getourt, Papua-Neuguinea hat er gesehen, Unruhen auf Haiti begleitete er mit der Kamera, ebenso wie die Olympischen Spiele 2012 in London. Dort wo übrigens auch die Zentralredaktion des „Guardian“ ansässig ist. Sein Traum ist es, einmal den Jubiläumsgrat abzuwandern, von der Zugspitze zur Alpspitze.

„Aber ins Rothaargebirge“ sagt Thomas Lohnes noch, „möchte ich irgendwann auch noch einmal zurück. Manchmal geht es im Leben ja schneller, als man denkt.“