Wie das Schaumstoffwerk Bad Berleburg den Vertrag mit Superstar Usain Bolt aushandelte

Sprintstar Usain Bolt trainiert in Jamaika  auf einer blauen Regupol-Bahn, die das Berleburger Schaumstoffwerk (BSW) vor zwei Jahren erstellt hat.
Sprintstar Usain Bolt trainiert in Jamaika auf einer blauen Regupol-Bahn, die das Berleburger Schaumstoffwerk (BSW) vor zwei Jahren erstellt hat.
Foto: BSW, Berleburger Schaumstoffwerke
Was wir bereits wissen
Olympiasieger Usain Bolt ist Werbebotschafter des Berleburger Schaumstoffwerkes (BSW). Das Unternehmen baute für den Sprintstar in Jamaika eine blaue Kunststoffbahn, auf der er seit zwei Jahren trainiert. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres kommt Bolt nach Bad Berleburg.

Bad Berleburg/Kingston.. Peter Breuer rennt in der Hauptstadt gegen eine unsichtbare Wand. „Ich habe es auf allen Kanälen versucht, es war nichts zu machen.“ Usain Bolt bleibt nach der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin 2009 für den Exportleiter des Berleburger Schaumstoffwerkes (BSW) unerreichbar.

Weltrekord auf der Bahn aus Bad Berleburg

Der Sprintstar hat auf der blauen Regupol-Kunststoffbahn im Berliner Olympiastadion mit 9,58 Sekunden über 100 Meter einen neuen Weltrekord aufgestellt. Es ist die Bahn, die der Sportbodenhersteller aus Bad Berleburg hergestellt hat. Und Breuer will Bolt einen Vertrag als Werbeträger anbieten. Vergeblich. Doch ein Wittgensteiner gibt nicht so schnell auf.

Mit Ehefrau Elke fährt er Bolt hinterher. Zwei Wochen später startet er im Letzigrund-Stadion in Zürich. Breuer postiert sich in der Prominenten-Lounge. Hier muss der Weltklassemann vorbeikommen. Breuer hat Glück, stellt sich Bolt in den Weg und drückt ihm ein Stück blaue Regupol-Bahn in die Hand. „Auf der Rückseite war unser Angebot mit Klebeband befestigt“, sagt der 53-Jährige.

Das Lob des Champions

Danach geht alles sehr zügig. Breuer sitzt eine Woche später im Flieger nach London und handelt den Vertrag mit Bolts Manager Ricky Simms aus. Dazu gehört der Bau einer Regupol-Laufbahn in Jamaika. Das Grundstück wird gefunden, und im April 2010 ist auf dem Mona Campus der UWI-Universität in Kingston Eröffnung.

Seither trainiert Bolt hier mit seinen Mannschaftskollegen vom „Racers Track Club“ unter Trainer Glen Mills. Dass Bolt kein schlechtes Wort über die Bahn verliert, versteht sich. Alles in allem geht es um einen sechsstelligen Betrag. Wer seine früheren Trainingsmöglichkeiten kennt, hat noch mehr Verständnis. Im Mai war Breuer zuletzt da. Bolt lobt ihn: „Peter, die Laufbahn ist sehr, sehr gut. Das Beste ist: Sie fühlt sich immer gleich an, egal wie die Bedingungen und das Wetter sind.“

Olympia 2012 Dass es so ist, dafür haben die Berleburger gesorgt. Sie sind für die Bauausführung verantwortlich. Der Bau an sich wäre eine Geschichte für sich. Banden streiten sich um die Arbeitsplätze, es fallen Schüsse, der Maschinenpark ist marode. „Es war abenteuerlich“, sagt Breuer. „Manchmal haben wir aus drei Maschinen eine neue gemacht. Irgendwie haben wir am Ende alles gut hinbekommen.“ Von Bolt ist der 53-Jährige begeistert: „Er kommt immer entspannt und locker rüber. Keine Spur von Arroganz.“ Wie begeistert die Spitzenläufer in Jamaika vom Berleburger Produkt sind, belegt der Ausruf von Trainer Glen Mill, wenn er Peter Breuer in Kingston trifft: „Ah, Peter Regupol is here.“

Eine Strecke, die jedem Wetter standhält

Spätestens an dieser Stelle muss über die blaue Bahn gesprochen werden. Granulate aus hochwertigen Lastwagen-, Baumaschinen- und Flugzeugreifen liefern den Grundstoff. Und hochwertiges Polyurethan als Bindemittel hält das Material zusammen. „Die Usain-Bolt-Bahn haben wir mit zusätzlichen Schichten von Polyurethan und Gummigranulaten ausgestattet, damit sie den extremen Beanspruchungen des Hochleistungstrainings standhalten“, sagt Breuer, „und gleichzeitig den Anforderungen des Internationalen Leichtathletik-Verbandes in allen Belangen entspricht.“ Und auch das Wetter, hohe Luftfeuchtigkeit, extreme Hitze, macht der Anlage offensichtlich wenig aus. Breuer: „Nach zwei Jahren sind keine Abnutzungserscheinungen in den meistens genutzten Innenbahnen und am Start zu sehen.“

Dass in Folge der Bolt-Verpflichtung viele Anschlussaufträge, nicht nur aus der Karibik, bei BSW eingegangen sind, freut ihn: „Der Vertrag mit Usain Bolt war für uns ein Glücksgriff.“ Er läuft bis 2014. Bis dahin wartet noch ein Bonbon: „Er kommt nach Berleburg, entweder Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres. Das ist Bestandteil des Vertrags.“ Bei der Suche nach dem Geheimnis, warum Usain Bolt der Schnellste von sieben Milliarden Menschen ist, kann BSW helfen: Bolt erlebt sein blaues Wunder. Und heute holt er über 200 Meter Gold. Kein Zweifel.