Wie Bad Berleburg schnell zur Tourismus-Marke werden kann

Goetheplatz mit Schloss Berleburg: Die Oberstadt ist bereits einer der Tourismus-Magneten, der die Stadt neben der Wisent-Wildnis und den Premium-Wanderwegen zur Marke macht.
Goetheplatz mit Schloss Berleburg: Die Oberstadt ist bereits einer der Tourismus-Magneten, der die Stadt neben der Wisent-Wildnis und den Premium-Wanderwegen zur Marke macht.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
„Naturparadies in Südwestfalen“ ist Bad Berleburg schon, zumindest im Internet. Der Geschäftsführer der neuen BLB-Tourismus GmbH hat aber noch mehr vor.

Bad Berleburg.. Wenn das Votum der Gesellschafter-Versammlung am 21. Januar wie zu erwarten positiv ausfällt, kann die neue BLB-Tourismus GmbH, derzeit „in Gründung“, endlich auch formal ins Handelsregister eingetragen werden. Unterdessen ist der frisch bestellte Geschäftsführer An­dreas Bernshausen aus Bad Berleburg hinter den Kulissen schon aktiv, prüft erste Ideen für ein verbessertes Tourismusangebot auf Realitätstauglichkeit. Und kündigt an: „Wir geben in den nächsten zwei Jahren Vollgas.“ Eine Bestandsaufnahme.

Wer ist „wir“?

Wir – das ist auf jeden Fall GmbH-Geschäftsführer Bernshausen – und sind sehr wahrscheinlich auch seine Team-Kollegen von embe Consult in Bad Berleburg. Aber das entscheiden in der nächsten Woche formell ebenfalls die Gesellschafter.

Wie läuft das GmbH-Geschäft an?

„Wir führen derzeit erste Gespräche“, berichtet Bernshausen – natürlich intensiv mit Karsten Wolter vom Verein „Markt und Tourismus“, aber etwa auch mit Stefan Küpper vom Ski-Klub Wunderthausen, Stichwort Wintersport im Skilanglauf-Zentrum „Pastorenwiese“.

Welche ersten Ideen wären kurzfristig umsetzbar?

Mit Andreas Benkendorf, Hotelier der „Alten Schule“ am Goetheplatz, unterhält man sich sowieso – gibt’s doch die Idee, hier ganz gezielt eine Theke der Tourist-Information einzurichten. Und zwar, ohne den jetzigen Standort an der Poststraße aufzugeben. Dort haben die Touristiker neben dem Publikumsverkehr auch ihre Büros.

„Wie müssen so einen Service da anbieten, wo die Gäste hingehen“, findet Bernshausen. Also in die Oberstadt mit dem Schloss, eines der zentralen Attraktionen Bad Berleburgs. So lasse sich kostengünstig die Service-Qualität erhöhen – nicht zuletzt, weil man vorhandene Strukturen nutze. Und wenn der Goetheplatz – wie derzeit diskutiert – demnächst auch noch ein neues, moderneres Gesicht bekomme, sei das umso besser, sagt Bernshausen.

Wie lässt sich die Stadt jenseits der Wittgensteiner Grenzen touristisch vermarkten?

Das Schloss, natürlich auch die komplette Wisent-Welt mit der Erlebnis-Ausstellung in der ehemaligen Landratsvilla am Berleburger Rathaus und der „Wildnis“ bei Wingeshausen, die Premium-Wanderwege, aber ebenso die Angebote vor Ort in Sachen Gesundheit und Wellness – das alles sei typisch für die „Marke Bad Berleburg“, sagt Bernshausen. „Wir müssen der Stadt eine Identität geben.“

Daher firmiert sie im überarbeiteten Internet-Auftritt www.touristik-bad-berleburg.de auch neuerdings als „Naturparadies in Südwestfalen“. Die neue Optik habe man intensiv gemeinsam mit dem Verein Markt und Tourismus erarbeitet.

Berleburg „mit emotionalen Dingen verbinden“ - Dörfer ein Pfund

Geht Tourismus-Werbung für die Region nicht in der allgemeinen Info-Flut unter, etwa im Internet?

Bad Berleburg in der Tourismus-Werbung „mit emotionalen Dingen verbinden“ – so könne man der Stadt hohen Wiedererkennungswert verleihen, meint Bernshausen.

Vielleicht auch mit Hinweis auf das „Abenteuerdorf Wittgenstein“, dem ehemaligen Freizeitzentrum Wemlighausen, das sich derzeit neu aufstellt? „Aber 100-prozentig“, reagiert Bernshausen spontan. „Wanderungen mit den Lamas – so etwas hat kein anderer.“ Und: „Kinder etwa aus Ballungsgebieten nehmen das ganz anders wahr“, weiß Bernshausen aus Erfahrung. Für die sei so eine Begegnung mit den Tieren und sogar eine ganze Lama-Wanderung „ein absolut tolles Event“ – das man einfach nur gut vermarkten müsse.

Und die Dörfer?

Auch die Dörfer von Alertshausen bis Wunderthausen seien ganz klar ein touristisches Pfund, mit dem man wuchern müsse, sagt Bernshausen – gerade in der „Stadt der Dörfer“. Beispiel Aue-Wingeshausen: Wer im neuen Internet-Auftritt mehr über den Doppelort wissen möchte, erfährt als Tourist jetzt eben auch den wichtigen Kontakt zum örtlichen Heimat- und Touristikverein (02759/7320).

Überhaupt: Gerade Aue-Wingeshausen sei in Sachen Tourismus „sehr aktiv und innovativ“, lobt Bernshausen. Der neue Wisent-Pfad – eine fast 13 Kilometer lange Rothaarsteig-Spur für Wanderer hinauf zur Wisent-Wildnis – sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Dorfverein vor Ort engagiere.

Stichwort Finanzierung?

Für 2015 und 2016 möchte die Stadt jeweils rund 200 000 Euro bereitstellen, „um die Aufgaben flexibel und mit einer hohen Wertschöpfung für die Kommune wahrzunehmen und voranzutreiben“. Ab 2017 jedoch soll sich die Tourismus-Förderung zunehmend selbst tragen. Zu den 21 Aufgabenfeldern gehört das Management der Tourist-Information ebenso wie die Weiterentwicklung touristischer Angebote und Produkte, das Event-Management und – die Suche nach Sponsoren. Doch bis man Sponsoren aus der Wirtschaft auf die ein oder andere Weise an der Tourismus-Finanzierung beteiligen könne, so Bernshausen, „müssen wir jetzt erst einmal ein halbes Jahr lang Hausaufgaben machen“ – vor allem online. Und nicht zuletzt mit neuen Info-Terminals vor Ort für Gäste der Stadt.