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Wertvoller Beitrag für Wittgensteiner Heimatgeschichte

16.11.2008 | 22:00 Uhr
Wertvoller Beitrag für Wittgensteiner Heimatgeschichte

Wittgenstein. Bergbau in Wittgenstein - das kann doch nicht viel gewesen sein. Verglichen mit dem Siegerland oder dem Dillkreis mag diese Einschätzung zutreffen. Doch in Wittgenstein gibt es derzeit immerhin 60 noch zugängliche unterirdische Bergwerke bzw. 200 kleine und große Stollen.

Buchdeckel "Historischer Bergbau in Wittgenstein" von den Autoren Albrecht Belz und Teja Radenbach

Experten in Sachen Bergbau sind der ehemalige Realschullehrer und Biologe Albrecht Belz und der Student (Geschichte/Biologie) Teja Radenbach. Beide beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema und haben jetzt ein Buch vorgelegt, das die Wittgensteiner Heimatgeschichte um einen wertvollen und bedeutenden Beitrag ergänzt. „Historischer Bergbau in Wittgenstein” ist der Titel des 164 Seiten umfassenden Buches. Ein lange vergessener Industriezweig erwacht zu neuem Leben.

In mühevoller Kleinarbeit ist es den beiden Autoren gelungen, die Bergwerke des Wittgensteiner Landes zu erfassen und in aktiver Feldarbeit erstmals zu dokumentieren.

Blütezeit im 19. Jahrhundert

Ausgangspunkt dieser Arbeit sei die Fledermausforschung gewesen, weil die Tiere die Stollen gern als Winterquartiere anehmen, erläutert Albrecht Belz im WR-Gespräch. Dadurch sei die Beschäftigung mit dem regionalen Bergbau zunächst sekundär gegeben. Doch schon bald wurde die Thematik Hauptarbeitsziel.

Eine erste Übersicht über den Wittgensteiner Bergbau veröffentlichte Belz 2001/2002 in der Zeitschrift Wittgenstein des Wittgensteiner Heimatvereins. Die Aufnahme der zahlreichen Mutungen und Bergbauversuche hatten jedoch zwangsläufig eine umfangreiche Arbeit zur Folge. Die Fülle an Illustrationen gibt einen Eindruck vom Bergbau vergangener Tage, von den Mühen, die er bereitete und von den Geländerelikten, die sich bis in die heutige Zeit hinein in unseren Wäldern erhalten haben.

Früheste urkundliche Belege über den Bergbau in Wittgenstein gehen auf die Jahre 802/830 zurück, im Zusammenhang mit Bleierzabbau in Hesselbach und Banfe. Im 16. Jahrhundert müssen die Einkünfte im Bergbau recht ansehnlich gewesen sei, wovon die symbolisch bezugnehmende Sage von der Herstellung eines silbernen Sessels für den damaligen Landesherren zu berichten weiß. Der Drang nach ökonomischer Unabhängigkeit führte in Wittgenstein zur Blütezeit des Bergbaus Anfang des 18. Jahrhunderts und der völligen Ausschöpfung der vorhandenen Rohstoffkapazitäten durch gräfliche Förderungsmittel. Diese Phase hielt etwa bis zum Jahr 1900 an, als der Bergbau wieder zum Erliegen kam.

Info
Wanderführer zum Bergbau

Die Darstellung des Wittgensteiner Bergbaus erfolgt nach den einzelnen Gemarkungen. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, den in den Ortschaften betriebenen Bergbau wohlstrukturiert zu erfahren bzw. Selbst zu erwandern. Das Buch kann daher auch als kleiner Wanderführer zu den bedeutenden Bergbaurelikten angesehen werden.

Vorgestellt werden die Metalle Eisen, Mangan, Blei, Kupfer und Silber. Die Bergwerke sind aufgeteilt in den Einzugsbereich der Eder und der Lahn. Am Ende des Buches findet der Leser ein übersichtlich angeordnetes Register über die Stollen, Standorte und Lage, Größe und Zustand.

Erhältlich ist das in einer Auflage von 765 Exemplaren erschienene Buch für 39 Euro im Wittgensteiner Buchhandel sowie bei den Autoren Albrecht Belz und Teja Radenbach.

Alle bekannten Wittgensteiner Bergwerksversuche, soweit sie in der Örtlichkeit sichtbar oder aus Archiven bekannt sind, werden in dem Buch beschrieben. Dazu zählen unter anderem die Schiefergrube Hörre I bei Raumland mit sechs übereinander liegenden Stollen von jeweils etwa 800 Metern Länge oder die Grube „Friedrichshoffnung” im Gonderbachtal (Fischelbach), deren maximale Ausdehnung vier Kilometer beträgt und deren Stollen aneinandergelegt zehn Kilometer Ausdehnung erreichen sollen.

Das Buch von Albrecht Belz und Teja Radenbach soll auch ein Beitrag sein, eine Sensibilität zu entwickeln, diese Objekte als alten Bergbau zu erkennen und als historisch wertvolle Relikte zu schützen, wie die Autoren in ihrem Schlusswort schreiben.

Andreas Wolf

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