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Sprach-Initiative

Wenn Französisch zum Kinderspiel wird

20.01.2015 | 22:00 Uhr
Wenn Französisch zum Kinderspiel wird
Seht her, so einfach kann Französisch sein: FranceMobil-Lektor Morgan Ringot (vorn links) mit Fünftklässlern am Städtischen Gymnasium Bad Laasphe.Foto: Marcel Krischik

Bad Laasphe.   Das FranceMobil-Programm macht Halt am Gymnasium Bad Laasphe. Lehrer und Schüler sind angetan vom spielerischen Umgang mit der französischen Sprache.

Morgan Ringot macht Obstsalat. Nicht mit Früchten, sondern mit Bildchen, die er in die Luft hält: „La datte?“ fragt der junge Lehrer aus Frankreich Fünftklässler am Städtischen Gymnasium in Bad Laasphe. Die Kleinen hängen ihm an den Lippen, alle rufen sie ihre Antworten in den Klassenraum, jeder will die oder der erste, lauteste sein. „Apfel!!!“ „Non...“, entgegnet Ringot. Der zweite Versuch: „Dattel!!!“ „Oui, trés bien“, ist die Antwort. Sehr gut, also weiter im Takt: „La mangue?“ „Mango!“ Das war einfach, wirft ein Schüler ein.

Zum zweiten Mal in der Lahnstadt

Der Obstsalat hat nun seine letzte Zutat, die Übung ist beendet. Französisch lernen, das macht Spaß, das scheint auch echt nicht schwer zu sein. Das ist jedenfalls der Eindruck, den die Kinder beim Experimentieren mit der für sie noch völlig fremden Sprache vermitteln. Dann wechselt Ringot in ein auffällig akzentfreies Deutsch: „Noch Fragen?“ „Woher kommen Sie?“, will ein Junge wissen. Er kommt aus Lille, klärt Ringot auf. „Stimmt, es das in Paris so viele Roller herumfahren?“, fragt ein anderer. Das stimmt, sagt Ringot, mit dem Auto sei Paris die Hölle. Schließlich meldet sich schüchtern ein Mädchen: „Was ist eigentlich eine Dattel?“

Das FranceMobil hat Station gemacht in der Lahnstadt, zum zweiten Mal im nunmehr 13. Jahr seit der Gründung des Sprachprogramms, das Kindergartenkinder bis Berufsschüler für die französische Sprache und Frankreich an sich begeistern will. Im Jahr 2002 rief das Düsseldorfer Institut Français in Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung, die seit 1969 unter ihrem jetzigen Namen fungiert, die Initiative ins Leben.

Zwölf in Deutschland, zwei in NRW

Zwölf französische Stipendiaten im jungen Erwachsenenalter touren seitdem durchs Bundesgebiet, zwei davon durch Nordrhein-Westfalen. Eine von ihnen ist Marie-Lyne Rousse, der zweite im Bunde ist: Morgan Ringot. „Marie hat heute morgen erstmals sogar eine Kindertagesstätte besucht“, erzählt der aktuell in der Landeshauptstadt Düsseldorf lebende Ringot, der Germanistik auf Lehramt studierte und bereits zwei Jahre an einem Gymnasium in Rostock als Fremdsprachenassistent arbeitete, ehe er sich erfolgreich bei der Robert-Bosch-Stiftung bewarb. Seine neue Aufgabe als FranceMobil-Lektor - durch Frankreich fährt im Übrigen ein DeutschMobil - begann am 1. September und dauert ein Jahr.

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Ein wenig Geduld kann vonnöten sein

Wer das FranceMobil-Team auch einen Vormittag lang an seiner Schule begrüßen möchte, kann sich im Internet unter www.institutfrancais.de/francemobil anmelden; das Formular hierzu findet sich direkt auf der Startseite. Einmal ausgefüllt und abgeschickt, werden die Referenten mit einem einen Terminvorschlag rückantworten.

Dabei ist etwas Geduld gefragt: Vorrang haben Schulen, die mindestens eine Klasse anmelden, die Französisch wählen oder aber auch demnächst abwählen können, die auf der Warteliste des Vorjahrs stehen oder die seit einigen Jahren keinen Besuch mehr von FranceMobil erhalten haben. So wies es beim Städtischen Gymnasium Bad Laasphe der Fall war.

Zurück im Klassenraum: Ringots Schnupperstunde ist fast beendet, Zeit für eine letzte kleine Umfrage: Was kommt euch spontan in den Sinn, wenn ihr an Frankreich denkt? Wieder wird es laut. „Eiffelturm! Baguette! Croissant! Die Liebe! Franck Ribèry!“ Und dann, aus dem Munde von Fünftklässlern doch überraschend: „Charlie Hebdo!“

Eine wichtige Entscheidung steht an

Karin Scheuer sitzt währenddessen in einer Ecke des Klassenzimmers und lässt das bunte Treiben mit einem Lächeln auf den Lippen auf sich wirken. Ihr gefällt, was sie sieht. „Das mit dem Obstsalat“, sagt sie, „das war einfach klasse. Sogar die Feigen haben sie rausgekriegt!“ Wie natürlich sich die Kinder auf eine ihnen fremde Sprache eingelassen haben, das hat sie beeindruckt. „Muttersprachler haben einen etwas anderen, einen spielerischen Umgang mit ihrer Sprache.“

Ein Umstand, der den Kindern, aber auch der Fachschaft Französisch am Bad Laaspher Gymnasium zugute kommen könnte. Denn: Vor dem kommenden Schuljahr steht für Kinder und Eltern eine nicht immer leichte, weil mitunter wegweisende Entscheidung an: Französisch als zweite Fremdsprache? Oder doch besser Latein? „Dass wir uns ein weiteres Mal um das FranceMobil-Programm beworben haben, soll den Schülern die Wahl erleichtern.“ Gar nicht so einfach sei es gewesen, Ringot und Rousse begrüßen zu dürfen, gerade in der Zeit zwischen Januar und April platzt der Terminkalender der beiden Franzosen aus allen Nähten.

Aber jetzt sind sie ja da, und die nächste von insgesamt vier Klassen an diesem Vormittag strömt in den Raum. Es gibt wieder Obstsalat. „Savoreux“ sagt der Franzose. Lecker!

Marcel Krischik

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Wenn Französisch zum Kinderspiel wird
Wenn Französisch zum Kinderspiel wird
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2015-01-20 22:00
Nachrichten aus Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück