Wenn eine Krankheit das Leben auf den Kopf stellt

Siegen-Wittgenstein..  Er kündigt sich nicht an, kommt plötzlich und kann schwerwiegende Folgen haben – ein Schlaganfall stellt das Leben Betroffener vollkommen auf den Kopf. Die lebensbedrohliche Durchblutungsstörung im Gehirn sorgt dafür, dass Gehirnzellen absterben. Ausfälle wie Lähmungen oder Sprachstörungen können zurückbleiben. Ein aktiver und sportlicher Mensch wird plötzlich zum Pflegefall.

Noch heute sitzt der Schock bei Ute A. (Name von der Redaktion geändert) tief. Vor anderthalb Jahren erleidet ihr Mann einen Schlaganfall. „Er konnte nicht mehr sprechen und war halbseitig gelähmt“, erzählt sie. Nach dem Krankenhausaufenthalt folgen sieben Wochen Reha, bis ihr Mann wieder zu Hause ist. Er sitzt im Rollstuhl, kann nicht laufen.

Gesunde Angehörige leiden mit

Erste Wörter wie „Ja“ oder „Nein“ sowie Nicken und Kopfschütteln sind zwar möglich, aber die Kommunikation ist stark eingeschränkt. Um sich mit anderen Angehörigen von Schlaganfall-Patienten auszutauschen, möchte Ute eine Selbsthilfegruppe gründen. Ute muss ihren eigenen und den Lebensalltag ihres Mannes allein und völlig neu organisieren. Mehrmals pro Woche fährt sie ihren Mann zu verschiedenen Therapien. Arbeiten kann sie nur noch nachmittags, Treffen mit Freundinnen muss sie um alle Verpflichtungen herum planen und auch der Haushalt erledigt sich nicht von allein. „Ich kann nicht einfach sagen, ich fahre jetzt mit einer Freundin weg. Das muss gut organisiert und vorbereitet werden. Und wenn ich mir Zeit für mich nehme, habe ich immer ein schlechtes Gewissen.“

Bis heute hat ihr Mann gute Fortschritte gemacht. „Er kann wieder relativ gut laufen und etwas besser sprechen. Manchmal fallen ihm Worte nicht ein oder er vergisst Dinge, die ich ihm kurz vorher erzählt habe.“ Trotzdem stößt Ute immer wieder auf schwierige Situationen. Die gesundheitliche Entwicklung und Pflege ihres Mannes ist ein langsamer und anstrengender Prozess. „Es gibt gute und schlechte Tage.“ Die zeitliche Belastung, der Organisationsaufwand und die depressiven Stimmungen ihres Mannes lasten auf ihren Schultern. „Ich bin zwar nicht die Kranke, aber genauso betroffen. Das sehen leider die wenigsten.“ Ute wünscht sich oft mehr Zeit für sich.

Treffen in Wittgenstein

Die Treffen der Selbsthilfegruppe sollen für Angehörige auch eine Möglichkeit sein, sich einmal ihren Frust von der Seele zu reden. „Sie sollen auch mal schwach sein und meckern dürfen“, so Ute. Damit sich Angehörige von Schlaganfall-Patienten gegenseitig helfen und austauschen können, bietet die Gruppe die Möglichkeit, in einem geschützten Raum über Erlebtes zu sprechen. Die Treffen sollen in Wittgenstein stattfinden, der genaue Ort wird noch geklärt.