Wenn die Taxifahrer schlafen

Bad Berleburg..  Das ist unangenehm. Gerade noch haben die Gäste über die Elfmeter-Tore der Dortmunder gegen die Bayern gejubelt, da kommt die Ernüchterung. Denn kurz nach Mitternacht sollte es eigentlich nach Hause gehen. Mit dem Taxi. Denn die fahrbaren Untersätze wollten die Freunde wegen der konsumierten Bierchen nicht unbedingt benutzen. Aber was in großen Städten überhaupt kein Problem ist, nämlich um diese Uhrzeit ein Taxi zu bekommen, gestaltet sich auf dem Lande schwierig – und in diesem Fall unmöglich. „Wir haben 15 oder 20 Minuten alles versucht, aber wir haben nirgendwo jemanden erreicht“, schildert der Gastgeber die Bemühungen der Fußballfans, die schließlich einen Bekannten in Aue aus dem Bett klingelten und ihn zum Taxidienst verpflichteten.

Ungewöhnlich ist das offenbar nicht in Bad Berleburg, wo von einst vier Taxiunternehmen nur noch zwei übrig sind, deren Probleme Peter Pöppel schildert: „Es lohnt sich einfach nicht, einen Fahrer für die Nacht einzustellen. Das gibt die Nachfrage schon über Tag nicht her.“ Prinzipiell habe er schon eine Rufbereitschaft. Das Handy liege neben dem Bett. „Und wenn es eben möglich ist, dann gehe ich auch dran.“ Aber manchmal sei es eben auch nicht möglich. Beispielsweise, wenn er mit Fahrten ins Ausland unterwegs sei. „Am Anfang bin ich noch acht Wochen wegen der Rufbereitschaft wach geblieben. Das war einfach nicht zu leisten.“

Der Mindestlohn habe die Problematik der Wirtschaftlichkeit noch verschlimmert. „Ich bin ja grundsätzlich für Mindestlohn. Aber bei uns ist das noch extremer als in der Stadt. Wir sind ja ein Dienstleister. Aber wir müssen wirtschaftlich arbeiten.“ Leben von Taxifahrten könne kein Unternehmer in der Region. „Unser Kerngeschäft sind Krankenfahrten“, sagt Pöppel, der seit 14 Jahren „Peter’s Taxiservice“ betreibt.

Ein Mitarbeiter lohnt nicht

Ähnlich sieht es bei Dirk Roth in Bad Laasphe aus. Am Wochenende halte man eine Bereitschaft vor. Aber: „In der Woche läuft nichts. Wer soll das denn finanzieren?“, sagt der Unternehmer, der mit Rollstuhl- und Liegendtransporten sein Hauptgeschäft macht. In der Woche ist er aber wenigstens so lange in Bereitschaft, wie die örtliche Gastronomie geöffnet hat. In der Regel also bis 1 Uhr. Dann fährt die Familie. „Einen Mitarbeiter dafür einzustellen, lohnt effektiv nicht.“

Von der Problematik in Bad Berleburg hat er auch schon gehört. „Die haben das Problem öfter. Auch das Krankenhaus ruft uns dann an.“ Allerdings sei es auch schwierig, den nächtlichen Taxidienst auf der anderen Seite des Berges mit zu bewältigen. „Ich kann ja nicht für eine Fahrt von 3,50 Euro 18 Kilometer anfahren.“

Wenn es nach Taxi-Unternehmerin Kerstin Spies aus Bad Berleburg geht, ist das auch nicht notwendig. Denn ihre Mitarbeiter seien außerhalb normaler Rufbereitschaft über Handy erreichbar. „Wegen der Funklöcher kann es aber schon mal zu Problemen kommen.“ Tatsächlich aber gibt es, von Ausnahmen abgesehen, wohl während der Woche auch in Bad Berleburg nach der Einführung des Mindestlohns Zeiten, in denen die Taxifahrer regelmäüßig schlafen - nämlich zwischen 2 und 5 Uhr.

Gemeinsame Regelungen

Der Kreis hat zum Thema Beförderungspflicht eine klare Haltung, die Pressereferent Torsten Manges formuliert: „Der Konzessionsvertrag beinhaltet eine Erreichbarkeit bei Nacht. Wenn das nicht so ist, dann sollte das bei uns von den Kunden angezeigt werden.“ Wer nachts nicht erreichbar sei, dem drohe ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. „Bei mehrfacher Wiederholung kann das im Extremfall bis zum Konzessionsentzug führen.“ Taxiunternehmer könnten gemeinsame Regelungen für die nächtliche Erreichbarkeit schaffen - „die müssen aber von uns genehmigt werden. Wir haben ein Interesse daran, dass die Konzessionsnehmer auch den Service anbieten, zu dem sie sich verpflichtet haben.“