Weitere Zeugen im Brandprozess vernommen

Siegen..  „Dann frage ich jetzt ganz direkt. Hat Ihre Tochter etwas mit dem Brand zu tun?“ Rechtsanwalt Björn Lange ist der Verteidiger von Burak Y., der zugegeben hat, am 22. Juli 2014 seine Ex-Freundin gewürgt zu haben, auch soll er noch ein Mehrfamilienhaus angesteckt haben . Das alles soll er laut Anklage aus Wut darüber getan haben, weil seine Ex-Freundin ihm offenbart hatte, sie habe bereits sexuellen Kontakt mit Männern gehabt.

Adressatin der Frage ist die Mutter der jungen Frau, die sich an diesem dritten Verhandlungstag überraschend noch einmal in den Zeugenstand gemeldet hat. „Nein, nein, nein!“ Sie wolle die Frage „nicht gehört haben“, weist die 45-Jährige den Einwurf des Anwalts empört zurück. Zuvor hat sie die Aussagen präzisiert, die sie am Tatabend gegenüber der Polizei gemacht hat, nachdem sie sich vor einer Woche nicht richtig erinnern wollte oder konnte. Sie sei nach einem Spaziergang auf dem Heimweg gewesen, als ihr der Angeklagte entgegen gerannt kam, erklärt die Zeugin. Burak Y. habe sie komisch angesehen und sei Richtung Bahnhof gelaufen. In der Wohnung angekommen habe sie Rauch und Feuer im Zimmer ihrer Tochter festgestellt und die Mitbewohner gewarnt. Abends im Krankenhaus habe sie sich erinnert, den Angeklagten schon einmal im Juni überraschend im Bett der Tochter angetroffen zu haben.„Ich wusste doch nicht, dass der mein Haus angesteckt hat.“ Das hätten die Polizei und ihre Tochter erzählt. Überhaupt wisse ihre Tochter mehr und sei „der Schlüssel“ zu allem, hatte damals der Polizist die Aussage der Frau protokolliert, was jetzt den Anwalt zu seiner Frage veranlasst.

Zwei Polizisten schildern außerdem, wie sie den Angeklagten in Siegen festnahmen. Der 24-Jährige habe sich im Auto und später im Gewahrsam in Rage geredet und mit dem Kopf gegen die Scheiben geschlagen. Beide kannten ihn schon aus den Morgenstunden des 15. Juni 2014, als er gegen 4 Uhr durch Hilchenbach irrte. Burak Y. sei damals kontrolliert worden, „weil er nicht ganz ins Stadtbild passte“. Der Angeklagte habe einen Zeitungsausschnitt mit dem Foto der später Geschädigten bei sich getragen, die verständigt wurde und morgens auch auf die Wache gekommen sei. Die junge Frau habe insistiert, dass ihre Mutter nichts von der Sache erfahren dürfe. Als die Polizisten zu dem Feuer in Hilchenbach gut vier Wochen später gerufen wurden, hätten sie die Frau wiedererkannt und beim mutmaßlichen Täter sofort an den Angeklagten gedacht, diesen in Siegen auch sofort identifiziert, als er an einer Ampel stand. Das sei aber „eine starke Leistung“ nach einer Begegnung, lobte der Richter.

Morgen soll plädiert werden.