Weicher Wilder Westen in Allenbach

Foto: Michael Kunz

Allenbach..  „Moneypenny“ ist stur. Die Stute spielt mit den Ohren, schaut, hebt den Huf – und senkt ihn wieder. Einmal kurz hatte sie das Bein in den seltsamen Kasten da vor ihr gestellt, dann spritzte das Wasser hoch! Nicht noch mal, denkt das Pferd ganz offensichtlich. Egal, was Madith Pauwels am Zügel auch versucht. Es geht nicht.

Schauplatz ist der neue Extreme-Trail Park in Allenbach, der am Ostermontag mit einem Turnier eröffnet wurde. Ein großer Erfolg, sagt Betreiberin Noémie Pauwels, die mit Kursen und Einzelunterricht Reiter aus der Region und der Ferne mit dieser Sportart und Philosophie in Berührung bringen möchte. Zur Eröffnung waren neben vielen „Nachbarn“ Besucher aus Hamburg und aus Bayern da, 28 Pferde und 43 Startmeldungen; fast schon zu viel für das Gelände, aber ein guter Auftakt für die junge Frau aus Hilchenbach, die sich ihre Ausbildung zur Pferdefachwirtin unter anderem in den USA geholt hatte.

Bei „Moneypenny“ und dem Wasserproblem kann sie ihrer Schwester an diesem Tag trotzdem nicht helfen. „Lass sie denken. Gib ihr Zeit“, ruft Noémie Pauwels immer wieder. Aber irgendwann ist Schluss. Das unwillige Pferd soll auch nicht gezwungen werden. Geduld und Verständnis sind die Gebote auf dem Gelände. Madith Pauwels gönnt „Moneypenny“ eine Pause und holt das Fohlen „Joy“ aus dem Paddock. „Joy“ ist gerade mal elf Monate und geht mehrfach über das nasse Hindernis. Tiere sind verschieden.

Kein Zwang für die Pferde

„Extreme Trail“, dabei geht es um die Verbesserung des Vertrauensverhältnisses zwischen Pferd und Reiter. Gemeinsam überwinden sie Naturhindernisse wie Stufen, Stämme, Felsen, Wasser und Holzbauten wie Wippen. Einen kleinen Canyon gibt ebenso, wie die Gelegenheit zu einer „Flussüberquerung“. Die Bezeichnung „extreme“ ist aber irreführend. „Es geht nicht darum, die Hindernisse spektakulär und in hohem Tempo zu überwinden“, betont Noémie Pauwels, während sie gemütlich auf ihrer Stute „Oakley“ sitzt. Es gehe „um extremen Spaß, um wahre Partnerschaft von Pferd und Reiter. Man möchte keine Pferde sehen, die über Hindernisse gezwungen werden, aus Angst gehorchen oder im Hindernis hektisch werden.“ Wichtig zum Beispiel: Das Pferd sollte die Möglichkeit haben, den Kopf zu senken, um das Hindernis zu betrachten und in gleichmäßigem Tempo hindurch oder hinüber schreiten zu können.

Für Noémie Pauwels war die Eröffnung des Parks in Hilchenbach die Erfüllung eines Traums. Drei Jahre hat die 22-Jährige mit Unterstützung der Familie daran gearbeitet. Seit 2005 betreiben die Pauwels in Ferndorf die „Rainbow Valley Ranch“. Auf und neben der Ranch sei kein Platz für einen Extreme-Trail-Park gewesen. Lange hatten die Pauwels ein Grundstück in Unglinghausen im Auge, das im erweiterten Familienbesitz war. Da habe es aber Probleme mit der Umwidmung von der Landwirtschaft zum jetzigen Zweck gegeben. Die Stadt Hilchenbach sei schließlich „sehr interessiert“ gewesen. Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, die Wiese in Nachbarschaft des bisherigen Hammerwerks an der Wittgensteiner Straße zu bekommen. Auf 8000 Quadratmetern entstand in gerade einmal zwölf Tagen Aufbauarbeit der Parcours, der immerhin die längste Hängebrücke umfasst, die in Europa bislang auf einem solchen Gelände aufgebaut wurde.

Umsatz für Übernachtungsbetriebe

Extreme Trail sei hierzulande spärlich vertreten. Die Plätze sind praktisch an einer Hand abzuzählen, das überregionale Interesse daher nicht überraschend. Das könne auch Umsatz für die heimischen Übernachtungsbetriebe bringen. Wochenendkurse sind bereits gut gebucht, Österreicher und Holländer kommen, Einzelstunden gibt es nach Vereinbarung. Allerdings muss jeder, der auf den Platz will, ein Pferd haben. Das setzt der Zweck des Trainings voraus, eine enge Vertrauensbindung zwischen Tier und Mensch zu erreichen.

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