Weg zum Wohlstand endet im Knast

Bad Berleburg..  „Zwei kleine Kinder, große Schulden und das eigene Geschäft war weg.“ So schilderte Rechtsanwältin Anna Lortkipanidze die Beweggründe ihres Mandanten, aus seiner Heimat Georgien nach Deutschland aufzubrechen. Der 37 Jahre alte Hochschulabsolvent wollte arbeiten, gelandet ist er allerdings im Gefängnis, genau wie sein fünf Jahre jüngerer Mittäter.

Die Straftat hat sich Mitte Februar folgendermaßen abgespielt: Zuerst steuert das Duo eine Drogerie am Erndtebrücker Mühlenweg an. Dort wird nur hochpreisige Ware wie teure Rasierklingen eingesteckt, die später auf einem Markt in Essen veräußert werden soll. Der Coup gelingt, die Beute hat einen Wert von über 500 Euro. Anders dann die Situation in einem ähnlichen Markt in Bad Berleburg. Bei dem Versuch Waren im Wert von 87 Euro zu stehlen, werden sie erwischt. Dann kennt der Staat keine Gnade, der Ältere kommt in die JVA nach Attendorn, der andere in die JVA nach Hagen. Beide mussten deshalb am Dienstag zur Gerichtsverhandlung in Bad Berleburg vorgeführt werden.

Beeindruckt von der U-Haft

Eines hatten beide auf der Sünderbank gemeinsam: Die Untersuchungshaft hatte die Georgier schwer beeindruckt. Während der 32-Jährige aufgrund seines Drogenkonsums keine Erinnerung an den Tattat gehabt haben will, machte der 37-Jährige reinen Tisch. „Ich habe einen Fehler gemacht, ich hatte viele Probleme, und ich bitte um Verzeihung“, ließ er über seine Dolmetscherin mitteilen.

Das abschließend von Richter Hoffmann verkündete Urteil hat aber wohl nur symbolischen Charakter. Er verurteilte die beiden geduldeten Asylbewerber zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe. Es war ihre erste Verurteilung in Deutschland, und deshalb war im Bundeszentralregister auch keine Eintragung zu finden. Zusätzlich gab es noch 120 Sozialstunden, ob die aber abgeleistet werden, das ist fraglich.

Der Verteidiger des jüngeren Georgiers war sich ziemlich sicher, dass die Asylanträge bereits abgelehnt sind, und sie deshalb zeitnah mit der Abschiebung in ihr Heimatland rechnen müssen. Den Sitzungssaal als freie Leute verlassen konnten sie aber trotzdem, der Haftbefehl wurde nämlich aufgehoben.