Wechsel zur Konkurrenz lohnt nicht immer

Wittgenstein..  Kein Scherz: 99 Cent – das möchte die Postbank ab 1. April zumindest beim Konto-Modell „Giro Plus“ von ihren Kunden für eine „Beleghafte Überweisung“ verlangen. Also eine, die – handschriftlich ausgefüllt – vom Bank-Personal kontrolliert und bearbeitet werden muss. Treffen würde die neue Gebühr vor allem Kunden, die dem Telefon-Banking nicht vertrauen oder denen Online-Überweisungen einfach zu technisch sind. Allerdings: Die Postbank-Mitbewerber in Wittgenstein halten bei dieser Dienstleistung ebenfalls die Hand auf. Eine Umfrage.

Wie läuft es momentan bei der Postbank mit den Belegen?

Klaus Saßmannshausen, der in den Räumen der Bad Berleburger Hof-Apotheke an der Poststraße die Postbank-Kunden bedient, kennt die Sorgen vor allem älterer Kunden, die ihre Belege persönlich abgeben und damit gerne ein Schwätzchen verbinden. Und einige lassen sich auch nicht von dem Argument überzeugen, dass die Überweisung „digital“ doch einfach schneller gehe. Zum Vergleich: Handschriftliche Postbank-Überweisungen aus Bad Berleburg werden gesammelt und täglich zur Zentrale in Hamburg geschickt, so Saßmannshausen, um dort bearbeitet zu werden. Laufzeit: ein bis zwei Tage.

Wo liegen die Gründe dafür, dass die Postbank jetzt Gebühren erhebt?

Saßmannshausen vermutet, dass nicht zuletzt die aktuelle Niedrigzins-Politik bei Guthaben und Krediten die Banken dazu veranlasst, eben auf andere Weise Einnahmen zu erwirtschaften. Er hat aber auch von einer Art Kulanz-Regelung der Postbank in Sachen Überweisung gehört – wenn man der neuen Regelung widerspreche.

Stimmt es, dass die Postbank auch Kulanz walten lässt, wenn sich Kunden melden?

„Wir prüfen jede Anfrage individuell“, sagt dazu Ralf Palm von der Postbank-Zentrale in Bonn. Kriterien seien dabei die Treue des Kunden, die Verfügbarkeit eines Service-Terminals in seiner Nähe für Überweisungen, aber ebenso sein Alter. Und in bestimmten Einzelfällen lasse die Postbank auch mit sich darüber reden, so Palm, „beleghafte Überweisungen doch noch kostenlos“ anzunehmen.

Drohen verstärkt Kündigungen?

Dann wechsle ich mit meinem Konto eben zur Konkurrenz – auch das hat Klaus Saßmannshausen von der Postbank Bad Berleburg schon im Kunden-Gespräch mit Blick auf die neue Gebühr gehört. „Ich habe aber bisher noch keine einzige Kündigung gehabt“, sagt er.

Lohnt sich für Postbank-Kunden eigentlich ein Wechsel?

Ein Wechsel muss nicht unbedingt von Vorteil für Postbank-Kunden sein. Beispiel Deutsche Bank, die in Bad Berleburg und Bad Laasphe mit SB-Filialen ohne Personal vertreten ist: Wer hier als Privatkunde nicht gerade ein „db BestKonto“ hat, wird mit 75 Cent bis zu 1,50 Euro pro Papier-Überweisung zur Kasse gebeten.

Tatsächlich günstiger ist es bei der Volksbank Wittgenstein mit Filialen in Bad Berleburg und Erndtebrück: Hier kostet die Überweisung auf Papier in der Regel 35 Cent. Und: „Wir haben diese Gebühr schon seit sechs Jahren nicht mehr angetastet“, versichert Kai Wunderlich vom Volksbank-Vorstand. Allerdings kostet je nach Konto-Modell auch der eingelesene Beleg am SB-Terminal etwas extra – nämlich zehn Cent. Erhöhungen dieser Gebühren seien derzeit nicht geplant, so Wunderlich. Da lasse man sich von der Postbank-Konkurrenz jedenfalls nicht beeinflussen.

Auch bei der Volksbank Mittelhessen mit ihrer Bad Laaspher Filiale kommt es in Sachen Gebühr aufs Konto-Modell an. Hier bewegt sie sich pro Beleg zwischen 50 Cent (VR-IndividualKonto) und zwei Euro (VR-TrendKonto) Zum Vergleich: Die Gebühr fürs „eBanking“ online liegt zwischen null und 20 Cent und die fürs Telefon-Banking ebenfalls zwischen 50 Cent und zwei Euro.

Wie bewerten die Mitbewerber die Entwicklung bei der Postbank?

„Wer bei uns als Kunde am Schalter einen Beleg abgibt, zahlt aktuell 70 Cent“, so Andreas Droese vom Vorstand der Sparkasse Wittgenstein. Es sei aber auch ein Konto-Modell im Angebot, wo der Service pauschal in der Kontoführungsgebühr sei. Für eine Überweisung online oder per SB-Terminal verlangt die Sparkasse acht Cent – einen Betrag, der „seit Jahren stabil“ sei, so Droese. Überdies seien die Service-Kräfte im Hause angewiesen, zum Beispiel älteren Kunden am SB-Terminal behilflich zu sein. „Die Anzahl der beleghaften Überweisungen nimmt aber insgesamt ab“, hat Droese festgestellt. Dass die Postbank im April mit einer Gebühr einsteigen wolle, verwundert Droese „nicht völlig“. Sicher: Vor Jahren habe man dort die Kunden mit Gratis-Angeboten gelockt – aber schon damals sei in Bank-Kreisen klar gewesen, so Droese: „Zu verschenken hat keiner etwas.“