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"Was wir hier machen sind keine Spielaufträge"

15.11.2009 | 15:33 Uhr
"Was wir hier machen sind keine Spielaufträge"

Schameder. (ste) Seit 20 Jahren gibt es nun schon die AWO-Werkstatt im Industriegebiet in Schameder. Auch der Tag der offenen Tür wurde schon im ersten Jahr eingeführt und seitdem jedes Jahr wiederholt. Am vergangenen Samstag kamen wieder rund 1000 Besucher, einige auch zum ersten Mal.

„Viele Menschen sind gar nicht aufgeklärt über die Arbeit, die wir hier machen”, erzählt Einrichtungsleiter Jörg-Michael Bald. „Wer zum ersten Mal kommt, der ist manchmal überrascht, dass hier tatsächlich gearbeitet wird. Deshalb können wir am Tag der offenen Tür auch unsere Leistungsfähigkeit und unsere Angebote zeigen.”

Veranstaltet wird der Tag der offenen Tür vom Förderverein der AWO Siegener Werkstätten. In die Vorbereitung und Planung sind auch die behinderten Menschen mit eingebunden. Am Samstag konnten sie den Besuchern zeigen und erklären, welche Produkte sie für welche Firma herstellen. „Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft in Wittgenstein ist sehr gut”, lobt Jörg-Michael Bald. „Wir sind industriell gut aufgestellt. Was wir hier machen sind keine Spielaufträge.”

Die Wirtschaftskrise schlägt sich zwar auch in der AWO-Werkstatt in Schameder nieder, aber da für viele verschiedene Wirtschaftszweige wie Bauindustrie, Automobilindustrie und Haushaltsindustrie produziert wird, können Einbrüche meistens aufgefangen werden.

Auch ehrenamtliches Engagement ist für die AWO-Werkstatt wichtig. „Uns möchten aber auch immer viele Menschen helfen”, freut sich der Einrichtungsleiter. So waren am Samstag auch wieder die Landfrauen aus Rückershausen-Weide beim Waffelnbacken im Einsatz. Außerdem wurden viele Kuchen und Torten gespendet, hauptsächlich von Eltern der Beschäftigten. Die Eltern richteten auch einen Basar aus, bei dem zum Beispiel gestrickte Socken oder selbstgemachte Marmelade verkauft wurden. Der Erlös kommt wiederum der Werkstatt zugute. Im Werkstattladen konnten die Besucher auch Produkte aus verschiedenen Werkstätten erstehen. „Viele nehmen sich auch Grabauflagen und Adventsgestecke von hier mit. Unsere Vogelhäuschen werden mittlerweile bundesweit vertrieben”, so Jörg-Michael Bald.

Bundesweit den zweiten Platz belegte die Werkstatt beim Mahnmal-Projekt, einem Kunstprojekt zum Gedenken der AWO-Mitglieder, die zur NS-Zeit verfolgt wurden. „Wir haben dazu eine Projektwoche mit Künstlern veranstaltet, außerdem waren die behinderten Menschen auch sehr interessiert in die politische Bildung und Geschichte.” Das Kunstprojekt ist nur eine von vielen arbeitsbegleitenden Maßnahmen zur individuellen Förderung der Beschäftigten.

Zurzeit sind in Schameder 177 behinderte Menschen beschäftigt, damit ist die Werkstatt schon überbelegt. Noch in diesem Jahr wird mit dem Bau einer weiteren Einrichtung im Jägersgrund II begonnen. Dort sollen 60 psychisch behinderte und kranke Menschen beschäftigt werden, 50 Plätze können sofort besetzt werden. Sechs behinderte Menschen sind momentan auf so genannten Außenarbeitsplätzen beschäftigt, das heißt sie arbeiten direkt in einer Firma, unter der Regie der Werkstatt, aber mit Aussicht auf eine langfristige Übernahme.

Stefanie Treude

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