Wärme aus dem „langsamen Brüter“

Stünzel..  Man nehme 120 Kubikmeter Holzhackschnitzel, Dung, chlorfreies Wasser, würze alles mit einer Prise Knöterich – und schon ist der „langsame Brüter“ fertig, wie Nachbar Heinz Mengel den Biomeiler von Frank Scholtens bezeichnet.

Mitte Oktober hatte unsere Zeitung über die für unsere Breiten seltsame Kompostheizung geschrieben, die dank Bakterien warmes Wasser erzeugen soll. Dafür wurden jede Menge Kunststoffrohre im Meiler verlegt. Die Bakterien heizen die Holzmasse im wahrsten Sinne an, es entsteht wohlige Wärme, die über eine Rohrleitung in den angrenzenden ehemaligen Gasthof Grübener gepumpt wird.

Frank Scholtens hatte das Anwesen im Jahr 2012 erworben, und zurzeit ist der Niederländer damit beschäftigt, die Immobilie in Ferienwohnungen umzubauen. Das warme Wasser aus dem Meiler braucht er aber nicht primär zum Heizen, der Bau hat einige Jahre leer gestanden und ist deshalb feucht. Viele Räume hat das Team um Frank Scholtens deshalb mit Wandheizungen versehen.

Unterstützung aus Sassenhausen

Kollege Heinz Mengel schwärmt immer noch, wenn er an den Bau des Meilers zurück denkt. „Es war ein Stünzel übergreifender Arbeitseinsatz.“ Und es kam nicht nur Unterstützung aus Sassenhausen und Rinthe, auch Interessierte aus Schottland und natürlich auch Freunde des neuen Hausbesitzers haben sich ehrenamtlich beteiligt. 15 Kräfte hatten an einem einzigen Arbeitstag mit Hand angelegt.

Mit dem Aufschichten der Hackschnitzel ist es aber längst nicht getan. „Um die Arbeit der Bakterien nicht zu stören, darf nur ungechlortes Wasser zugeführt werden“, erklärt Heinz Mengel die strengen Rahmenbedingungen. Auch Dung von Eseln heizt den Biomeiler an – vorausgesetzt, sie haben keine Antibiotika erhalten.

Das klingt etwas sonderbar und wirft die Frage auf, ob sich diese Biomeiler zu einer biologischen Alternative in Sachen Wärmegewinnung entwickeln könnten. Das Verfahren ist nicht neu, es stammt schon aus den 1970er Jahren. Die Holzmasse sorgt voraussichtlich mindestens ein Jahr lang für warmes Wasser. Wenn alles optimal läuft, dann hat Frank Scholtens sein Haus trocken, und zwischenzeitlich werden sich seine Hackschnitzel noch in wertvollen Humus verwandelt haben.

Als unsere Zeitung den „langsamen Brüter“ inspiziert, beträgt die Ausgangstemperatur exakt 39 Grad. Maximal 70 Grad wären bei der zwölf Kilowatt starken Anlage möglich. Allerdings, und das muss natürlich auch bedacht werden: Für die Trocknung der Wände wird ja permanent Wärme entzogen.

Heinz Mengel schwärmt noch immer von dem „Stünzel übergreifenden Arbeitseinsatz“. Vor 30 Jahren hat der damalige Forstwirtschaftsmeister schon über den Bau so eines Meilers nachgedacht. Damals ist nichts daraus geworden. Das Erzeugen von umweltfreundlicher Energie ist für Mengel aber nicht der einzige Pluspunkt die Technik. So ein Arbeitseinsatz stärke schließlich auch den Zusammenhalt unter Nachbarn, sagt er.