Vorwurf: Verschleppte Insolvenz

Bad Laasphe..  Die Narben, die die Zahlungsunfähigkeit des Gesundheitszentrums Wittgenstein in den letzten zwei Jahren geschlagen hat, wirken noch lange nach, nicht nur bei den Bewohnern des im Sommer kurzfristig durch die Heimaufsicht des Kreises geschlossenen Haus Life, sondern auch bei Beschäftigten aus diesem Pflegeheim und auch der Emmaburg-Klinik, die über Monate hinweg auf ihre Löhne warten mussten. Die Heimatzeitung hat mit zwei Betroffenen gesprochen, deren Namen anonymisiert worden sind.

„Wir haben uns regelrecht verarscht gefühlt“, macht eine Pflegekraft aus Bad Laasphe ihrem Ärger Luft. Zweieinhalb Jahre hatte die Frau ab November 2011 für das Gesundheitszentrum Wittgenstein in der Emmaburg-Klinik gearbeitet. Die Arbeit mit den oft schwer traumatisierten libyschen Bürgerkriegsopfern habe ihr sehr gut gefallen, weil die Menschen so nett gewesen seien. Probleme gab es hier anfangs kaum. „Wir hatten ja auch Dolmetscher und alles.“

Taschengeld aus Libyen

Doch dann begannen im Juli 2012 nach knapp einem halben Jahr die Geldprobleme. Der libysche Staat zahlte nicht mehr regelmäßig für die Patienten. Monatelang blieb das Gesundheitszentrum auf den Behandlungskosten sitzen. Doch die Schuld will unsere Informantin nicht allein bei den säumigen Nordafrikanern sehen. Das müsse auch mit dem Gesundheitszentrum und deren Abrechnungen für den Behandlungen zu tun gehabt haben, mutmaßt die Bad Laaspherin, weil es Libyen offenbar nicht an Geld gefehlt habe. Schließlich seien die Patienten und auch deren Begleitpersonen von ihrem Heimatland mit Taschengeld versorgt worden: „Die haben 1000 Euro pro Monat und Kopf bekommen. Einer hat sich davon sogar ein Auto gekauft“, erinnert sich die Pflegekraft.

Als die Nordafrikaner den Geldhahn für die medizinische Versorgung ganz zudrehten, wurde die Situation ungemütlich: „Ab Juli 2012 haben wir immer wieder auf unser Geld warten müssen und sind vertröstet worden.“ Das Schicksal teilten fast alle – egal, ob Reinigungskraft, Pflegepersonal oder Ärzte. „Für mich ist das ganz klar ein Fall von verschleppter Insolvenz“, macht die Bad Laaspherin deutlich.

Einstellungen trotz leerer Kasse

Sie hat aber noch Glück: Ihr Ehemann verdient in dieser Zeit allein den Lebensunterhalt. Aber es gibt auch Beispiele, da sieht die Situation anders aus. So habe das Gesundheitszentrum in dieser finanziell schweren Zeit sogar fünf weitere Mitarbeiter eingestellt, die von Anfang an auf Lohn warten mussten. „Da war ein Familienvater mit drei Kindern darunter“, ärgert sich die Bad Laaspherin im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Genau von diesem Fall berichtet auch eine Bad Berleburgerin, die zuerst in der Emmaburg-Klinik und später dann im Haus Life gearbeitet hat. Der junge Mann aus Hessen sei laut ihrer Erinnerung mit Naturalien aus der Klinik-Küche „bezahlt“ und so bei der Stange gehalten worden.

Die Berleburgerin hat zunächst von Oktober 2013 bis Mai 2014 in der Emmaburg gearbeitet, dann aber wegen des ausbleibenden Lohns gekündigt. „Man konnte damit rechnen, dass es früher oder später krachen wird“, sagt sie aus der Rückschau. Doch im Juli 2014 fing sie wieder im Gesundheitszentrum an. Diesmal im Pflegeheim Haus Life – aus gutem Grund: „Im Haus Life wurden die Löhne ja immer gezahlt. Die konnten nicht anders, weil das Haus ja von der Heimaufsicht kontrolliert wurde.“ Als der Berleburgerin versprochen wird, zumindest drei ihr noch aus der Emmaburg-Zeit zustehende Monatslöhne nachzuzahlen, unterschreibt sie. Einen Monat später muss Haus Life schließen.

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