Vorwurf: Kreative Buchführung zu Lasten von Patienten

In der Emmaburgklinik in Bad Laasphe sollen fragwürdige Abrechnungspraktiken zur Deckung von Finanzlöchern genutzt worden sein.
In der Emmaburgklinik in Bad Laasphe sollen fragwürdige Abrechnungspraktiken zur Deckung von Finanzlöchern genutzt worden sein.
Foto: WP

Bad Laasphe..  Die Sache hat immer mehr Geschmäckle. Die Staatsanwaltschaft Siegen überprüft im Fall der Pleite des Gesundheitszentrums Wittgenstein den Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Entsprechende Informationen, die die Heimatzeitung bereits im Dezember berichtete, bestätigte der Sprecher Johannes Daheim. Ermittelt wird dabei ganz konkret gegen einen Geschäftsführer verschiedener Einzelgesellschaften des Gesundheitszentrums.

Weitere Anfangsverdachte wie der jetzt in einer Hörfunkeldung des WDR erhobene Vorwurf des Abrechnungsbetruges stehen aber nicht auf den Aktendeckeln.

Beilagenteller statt Lachs serviert

Allerdings bestätigte Daheim, dass einzig und allein Anzeigen von ehemaligen Mitarbeitern des Gesundheitszentrums Ursache der Ermittlungen sind. Anzeigen beispielsweise von Krankenkassen oder aber dem Insolvenzverwalter lägen der Ermittlungsbehörde nicht vor.

Der WDR-Bericht bezieht sich auf einen Verdacht, der schon lange im Zusammenhang mit zwei verschiedenen Standbeinen des Gesundheitszenrums kursiert. Demnach sollen mit den Einkünften aus dem Pflegeheim „Haus Life“ in der ehemaligen Schlossbergklinik die Finanzierungslücken aus der Behandlung von libyschen und syrischen Bürgerkriegsopfern in der Emmaburgklinik aufgefangen worden sein.

Gut informierte Kreise berichten der Heimatzeitung dieses Beispiel: Demnach sei den Patienten im „Haus Life“ Lachs als Menü angeboten worden. 19 Portionen wurden bestellt. An die pflegebedürftigen Heimbewohner ausgeliefert worden seien aber nur sechs. Den übrigen 13 solle nur einen „Beilagenteller“ serviert worden sein.

Krankenkassen zeigten nicht an

Laut WDR ist mit dem durch kleinere Portionen bei der Verköstigung der Bewohner der stationären Pflegeeinrichtung eingesparten Geld eine „libysche Spezialitätenküche“ für die Reha-Patienten finanziert worden. Die früheren Mitarbeiter wollen diese kreative Haushaltsführung und weitere fragwürdige Abrechnungsvorgänge der Kriminalpolizei zu Protokoll gegeben haben.

Interessant an solchen Vorwürfen ist, dass Krankenkassen als Kostenträger auch überprüfen müssen, ob Pflegeheime oder Krankenhäuser die bezahlten Leistungen auch erbringen. In diesem Falle liegen aber laut Staatsanwaltschaft - wie erwähnt - keine Anzeigen vor. Allerdings, so berichten informierte Kreise, verzichten die Kostenträger wohl gerne darauf, weil sie ansonsten eingestehen müssten, dass sie möglicherweise nicht genau genug hingeschaut haben.