Vorwurf: Keine Unterstützung für Cardenal

Gefragter Gast: Ernesto Cardenal – Befreiungstheologe, Dichter und Freiheitskämpfer. Er sorgt sich um seine Heimat Nicaragua.
Gefragter Gast: Ernesto Cardenal – Befreiungstheologe, Dichter und Freiheitskämpfer. Er sorgt sich um seine Heimat Nicaragua.
Was wir bereits wissen
Bereits im März war Ernesto Cardenal für einen Mix aus Konzert und Lesung zu Gast in Bad Berleburg. Bei dieser Gelegenheit bat der 90-Jährige sein Publikum, aber auch die Stadt, den Kirchenkreis, VHS und Kulturgemeinde Bad Berleburg als Initiatoren und Gastgeber um Unterstützung für „sein“ Projekt in seiner Heimat: Hier will Cardenal den zerstörerischen Bau eines Kanals zwischen Pazifik und Atlantik verhindern. Resonanz? Bislang Fehlanzeige, bedauert der Berleburger Kulturschaffende Günter Herman Matthes.

Bad Berleburg..  Bereits im März war er für einen Mix aus Konzert und Lesung zu Gast in Bad Berleburg: Ernesto Cardenal, Theologe, Literat und Poet aus Nicaragua. Bei dieser Gelegenheit bat der 90-Jährige sein Publikum, aber auch die Stadt, den Kirchenkreis, VHS und Kulturgemeinde Bad Berleburg als Initiatoren und Gastgeber um Unterstützung – für „sein“ Projekt in seiner Heimat: Hier will Cardenal den zerstörerischen Bau eines Kanals zwischen Pazifik und Atlantik verhindern. Resonanz? Bislang Fehlanzeige, bedauert der Berleburger Kulturschaffende Günter Herman Matthes.

Verweis in Ausschuss „blamabel“

In der jüngsten Einwohner-Fragestunde des Bad Berleburger Stadtrates kritisiert er öffentlich, dass bislang weder Bürgermeister noch Parteien reagiert hätten. Und dass Bürgermeister Bernd Fuhrmann, obwohl mehrfach angesprochen, das Thema kurzerhand an den zuständigen Ausschuss weitergebe, so Matthes nach der Sitzung, sei schlicht „blamabel“. Immerhin wolle sich jetzt der evangelische Kirchenkreis Wittgenstein „um die Problematik kümmern“.

Matthes werde zeitnah eine schriftliche Antwort der Stadt bekommen, so Stadt-Sprecherin Regina Linde auf Anfrage. Die grundsätzliche Unterstützung aus dem Rathaus sei jedenfalls da. Allerdings habe Cardenals Projekt eben auch eine politische Ebene – und es stelle sich die Frage: Inwieweit muss sich die Stadt da neutral verhalten?

Beim Kirchenkreis kümmern sich Pressesprecher Jens Gesper und Pfarrerin Silke van Doorn um das Thema. Schwierig sei es allerdings, Kontakt zu den Initiatoren des eigentlichen Anti-Kanal-Projekts zu finden, berichtet Gesper. Cardenal selbst und sein Team verweisen auf das Ökumenische Büro für Frieden und Gerechtigkeit – ein Verein mit Sitz in München.

Eine konkrete Spenden-Kampagne zu dem Projekt gebe es bislang noch nicht, sagt Samuel Weber vom Ökumenischen Büro im Gespräch mit unserer Zeitung. Für August/September sei allerdings eine „Solidaritätsreise“ nach Nicaragua geplant – auch, um sich vor Ort über den Bau des Kanals und seine Folgen zu informieren, Gespräche mit Gegnern inklusive. Im Herbst wisse man dann mehr, so Weber. Wer sich jedoch für das Projekt interessiere oder gar engagieren wolle, könne sich gerne in München melden.

Cardenal möchte den Bau des Kanals quer durch sein Heimatland unbedingt verhindern. Unendlich viel Natur würde dabei zerstört, mahnt er – darunter das größte Süßwasser-Reservoir des Landes. Eine chinesische Firma ist mit dem Bau des Kanals beauftragt. Der autoritär regierende Präsident Daniel Ortega informiere sein Volk nicht über dieses Vorhaben.

Jetzt soll Norbert Lammert helfen

Unterdessen lässt Günter Herman Matthes als Chef des „Kleinen Alternativen Kulturkellers“ am Burgfeld nicht locker: Er werde jetzt „den Herrn Bundestagspräsidenten Norbert Lammert bitten, sich des Sachverhalts anzunehmen“.