Von unschätzbarem Wert als Wasserspeicher

Wittgenstein..  Torfmoose – lateinisch Sphagnum, wohl aus dem Griechischen sphoggos = Schwamm – waren früher viel häufiger zu finden als heute. Die vom Gesetzgeber in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts geforderte Entwässerung der Moore hat besonders dem Wasserhaushalt Norddeutschlands sehr geschadet und mit dieser Maßnahme verschwanden auch zahlreiche Torfmoosvorkommen. Durch Zerstörung der Lebensräume der Torfmoose, überwiegend Moore, Hochmoore und Feuchtheiden, aber auch aufgrund von Bodenverwundungen und Bodenverdichtungen durch den Einsatz schwerer Forstfahrzeuge sind diese Moose stark gefährdet und regional fast schon gänzlich verschwunden.

Wasserspeicher

Dabei sind gerade unsere Torfmoosarten dafür verantwortlich, dass Moore, insbesondere Hochmoore (auch im Rothaargebirge, Sauer- und Siegerland) entstanden sind und entstehen können. Inzwischen hat man erkannt, dass Torfmoose als Wasserspeicher die Wasserversorgung auch über trockene Sommer hinweg sicherstellen und sie einen unschätzbaren Wert gerade in Mittelgebirgswäldern darstellen. In den meisten Regionen ist der Torfabbau inzwischen untersagt und alle Torfmoose gelten als „geschützt“.

Torfmoose, auch als Bleichmoose bezeichnet, zählen im weiteren Sinne zu den Laubmoosen. Sie gehören zu den wechselfeuchten Pflanzen, sind hervorragend an die extremen Bedingungen dieser Standorte angepasst und besitzen gegenüber anderen Moosen einige Konkurrenzvorteile: So können sie selbst in geringsten Konzentrationen vorkommende Nährstoffe aufnehmen; geben im Gegenzug Wasserstoffionen an die Umgebung ab, womit sie sich selbst ein saures Milieu schaffen, das Konkurrenten im Wuchs behindert. Ferner können Torfmoose praktisch unbegrenzt wachsen, indem sich die Pflanze während ihres Wachstums nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis aufgrund von Luftabschluss ab und aus dem sich vollständig zersetzendem Gewebe entsteht Torf. Torfmoose reduzieren ihre Stoffwechselvorgänge in Trockenzeiten auf ein Minimum. Kommt es dann zu Niederschlägen, sind diese Pflanzen in der Lage, in ihren großen Speicherzellen, den sogenannten „Hyalinzellen“, eine gewaltige Wassermenge, mehr als das 30-fache ihrer Trockenmasse zu speichern. Die Zellen der Pflanze verhalten sich wie Quellkörper.

Antibakteriell

Torfmoos wurde früher wegen der antibakteriellen Eigenschaften auch für Verbände und insbesondere als „Wundtampons“ benutzt und wird bis heute auch wegen dieser Eigenschaften in „Überlebensanleitungen“, dem Survival-Training, angeführt und empfohlen. Ebenso diente es als Füllmaterial von Kopfkissen und findet anscheinend sogar als Saugeinlage in „Ökowindeln“ Verwendung.

Torfmoose waren, und sind es auch teilweise noch, ein wichtiger Baustoff im Holz- oder Blockhausbau. Feuchtes Torfmoos wird dabei in ausreichend dichter Lage als Dämmmaterial zwischen die einzelnen Stämme gelegt und bleibt auch nach dem Trocknen in der einmal eingenommenen Form. Zudem wirkt es antibiotisch, ist wasserdurchlässig und -speichernd – beides wirkt sich positiv auf die Haltbarkeit der Holzkonstruktion aus.

Unsere heimischen Torfmoosarten lassen sich von Laien oft nur schwer unterscheiden, bzw. bestimmen. Dem Fachmann gelingt dies mittels mikroskopischer Schnitttechnik.