Von der braven Gymnasiastin zur kessen Geliebten

Dotzlar/Hallenberg..  „Nur, dass Du’s weißt, nächstes Jahr spiele ich auch mit!“ Mit dieser Ankündigung verblüffte Antje Rosenbaum aus Dotzlar im Jahr 2002 bereits als Vierjährige den Spielleiter Martin Paffe, nachdem sie ihre Eltern Detlef und Kerstin zum fünften Mal überredet hatte, mit ihr in das Kinderstück „Peter Pan“ auf der Freilichtbühne in Hallenberg zu gehen. Und seitdem gehört die Familie Rosenbaum fast schon zum Schauspieler-Inventar – trotz anfänglicher Wetten, dass sie sich irgendwann von der Entfernung abschrecken lassen würden.

Letztes Jahr als jugendliche Päpstin

Im letzten Jahr hatte Antje eine der ganz großen Hauptrollen, sie war die jugendliche Besetzung der Päpstin und meisterte diesen Part mit Bravour. Die Proben dafür begannen bereits im Januar. 2012 bekam sie in „Les Miserables“ die erste Sprechrolle, ein Jahr später spielte sie im Musical „Anatevka“ bereits eine der fünf Töchter von Milchmann Tevje. Vater Detlef beeindruckte das Publikum bei diesem Stück mit vier weiteren Schauspielern durch den „Flaschentanz“ – ein jiddischer Tanz mit einer echten, unbefestigten Glasflasche auf dem Kopf.

Kerstin Rosenbaum als ausgebildete Musiklehrerin studierte in „Anatevka“ die Gesangseinlagen mit den Darstellern ein. Sie und ihr Mann übernehmen am liebsten Statisten-Rollen im Hintergrund.

Aktuell spielt Antje die gar nicht so brave Ehefrau Margot, deren Bibelstunden mit dem Musketier Aramis ziemlich unfromme Ausmaße annehmen. Als 17-Jährige Schülerin eine Geliebte spielen, die dem Ehemann Hörner aufsetzt? „Antje hat uns echt erstaunt“, beschreibt Kerstin ihre Beobachtungen beim Casting, „sie hat bewiesen, dass sie auch richtig kess sein kann.“ Vor einem vollen Zuschauerraum, der im Fall der Freilichtbühne bis zu 1500 Menschen umfassen kann, im Text stecken bleiben – das ist das Schreckgespenst jedes Schauspielers. Hat Antje das schon mal erlebt oder Angst davor? „Nein, bis jetzt hatte ich immer Glück und höchstens mal kleine Verdreher, die nicht auffielen. Die Spielpartner helfen einem auch immer über solche Klippen hinweg.“

Demnächst möchte Antje gerne Sozialpädagogik studieren. Das Schauspielern gefällt ihr so gut, dass sie sich dann vorstellen könnte, auch in einem anderen Ort nach einem Theater zu suchen, wenn Hallenberg dann zu weit entfernt liegen sollte.

Doch erst einmal steht im nächsten Jahr das Abitur an. Mit der Schule gibt es für die Elftklässlerin keine Probleme, denn die Hauptprobenphase und die Auftritte liegen ja am Ende des Schuljahres. Der spätere Probentermin ab 20 Uhr war aber einer der Gründe, warum die Rosenbaums vor einigen Jahren vom Kinder- ins Erwachsenenressort gewechselt sind, das ließ sich einfach besser mit Schulschluss und Feierabend vereinbaren.

„Das Mitmachen bei der Freilichtbühne klingt für Außenstehende immer sehr zeitintensiv, aber eigentlich sind es ja nur drei bis vier wirklich anstrengende Wochen im Jahr, die Auftritte liegen oft schon in den Ferien. Außerdem haben wir so als Familie alle zusammen ein gemeinsames Hobby, das uns begeistert“, erklärt Kerstin Rosenbaum ihren Ansporn.

Gesamtwerk von allen Aktiven

Am besten gefällt allen dreien neben der guten Gemeinschaft der Darsteller, dass es bei der Freilichtbühne darum geht, mit allen Aktiven auf und hinter der Bühne zusammen ein Gesamtwerk auf die Bretter zu bringen, zu dem jeder einzelne seinen Beitrag leisten muss. „Es gibt auf der Freilichtbühne keinen Wettkampf mit Siegern wie im Sport, hier ist jeder wichtig.“