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Schlemmereck

Vom Gastarbeiter zum Zugelöfenen

12.01.2010 | 06:00 Uhr

Aue. Dimi kennen alle. Der Grieche hat sich in Aue etabliert. Ein Kreis schließt sich.

Dimitrios Kavanozis hat das „Schlemmereck” in Aue übernommen. Das alleine wäre keine besondere Meldung für den Lokalteil der Heimatzeitung. Bei „Dimi”, so nennen ihn alle seine Freunde, ist das etwas anderes. Er kehrt heim. Der Kreis hat sich geschlossen. Hier will er jetzt alt werden.

Aber der Reihe nach. Er erblickt im griechischen Ticheron bei Alexandropolis das Licht der Welt. 1968 folgt er als 13-Jähriger seinen Eltern nach Deutschland, genauer nach Aue. Dort schaffen beide bereits im Rahmen des deutsch-griechischen Gastarbeiterabkommens bei Busch-Jaeger.

Erfolgreiche Arbeit fortsetzen

Die Familie wohnte im so genannten Deutschen Haus - und dort befindet sich heute das besagte Schlemmereck, wo Dimitrios ab sofort die erfolgreiche Arbeit von Martina und Thomas weiterführen will, die aus privaten Gründen nach Berlin verzogen sind. Der jetzt 54-Jährige, er trinkt zwar gerne griechischen Wein, bevorzugt vor dem Essen aber Ouzo, möchte die Gastronomie so weiterführen, wie es die Gäste bislang gewohnt waren - immer mit dem nötigen Einsatz.

Er war sich nie einer Arbeit zu schade. Nach der Berufschule hat er zuerst „so Dinger für Bremsen gemacht” - Bremszüge für Fahrräder bei Stahlschmidt. Gearbeitet hat er bei Maschinenbau Böhl, in der Schreinerei Stark oder bei Falkener Bahnschwellen geschnitten. Seine ersten gastromischen Gehversuche absolvierte er im legendären „Le Bistro” am Berleburger Marktplatz, hat dort gekellnert, Platten aufgelegt oder Bier gezapft.

Entscheidung für Cornelia

Wieviele Wittgensteinerinnen den feurigen Südländer dabei angehimmelt haben, ist leider nicht überliefert. Er hat sich dann aber für Cornelia entschieden. Eine gute Wahl. Angelika, Evris und Michael heißen ihre Kinder. Letztgenannter, der das Restaurant Poseidon am Goetheplatz betreibt, bezeichnet seinen Vater nach 42 Jahren Aufenthalt in Deutschland als so wörtlich „griechischen Wittgensteiner” - oder anders formuliert: Dimitrios ist ein gelungenes Beispiel für europäische Integration - vom Gastarbeiterkind zum „Zugelöfenen”.

Bis zuletzt hat er in Heinrich Fischers SAB gearbeitet. „Eine schöne Zeit mit netten Kollegen”, schwärmt der 54-Jährige, der dem Lockruf aus der Schlemmerecke aber nicht widerstehen konnte. „1968 da rein und 2010 wieder da rein”, so Dimitrios, der nach den vielen Jahren gerne ein Resümee zieht: „Die Wittgensteiner sind freundlicher als anderswo in Deutschland.”

Heiner Lenze

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