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Frühlingsanfang

„Vogeluhr“ läutet den Frühling ein

28.02.2011 | 16:14 Uhr
„Vogeluhr“ läutet den Frühling ein
Da mag der Star noch so laut und flügelschlagend trällern und flöten, bezogen auf die „Vogeluhr“ ist er ein ausgesprochener Spätaufsteher.

Wittgenstein.Der Frühling naht! Bereits am heutigen 1. März beginnt der meteorologische und am 20./21. März der astronomische bzw. kalendarische Frühlingsanfang. Und für die meisten Menschen gehört der Gesang der Gefiederten im Frühjahr mit zu den schönsten Erlebnissen des erwachenden Frühlings; insbesondere dann, wenn die ersten Zugvögel wieder „daheim“ sind.

Doch da nicht alle Vögel zur gleichen Zeit, ja manche nur zu besonderen Jahres- und auch Tageszeiten singen, hat sich bei Ornithologen und Vogelfreunden eine regelrechte „Vogeluhr“ herausgebildet.

Am häufigsten singen unsere Singvögel im Frühjahr und hier am frühen Morgen, wenn der „normale“ Wittgensteiner womöglich noch im Bett liegt. Haus- und Gartenrotschwänzchen beginnen in der Regel 80 bis 70 Minuten vor Sonnenaufgang (SA) und gehören somit zu den zeitigsten Frühaufstehern. Ihnen folgen etwa 50 Minuten vor Sonnenaufgang Singdrossel, Amsel und Rotkehlchen, gefolgt (etwa 45 bis 40 Minuten vor SA) von Zaunkönig, Goldammer und Kohlmeise. Blaumeise, Zilpzalp, Heckenbraunelle und Buchfink stimmen etwa 30 Minuten nach Sonnenaufgang mit in den Gesang ein. Haussperling, Star und Buchfink mit 20 bis 15 Minuten vor SA zählen zu den so genannten „Schlafmützen“.

Nun ist dieser „Sonnenaufgang“ für Deutschland keine feste Größe und in den meisten Kalendern bezieht sich Sonnenauf- und -untergang auf Kassel. Für Wittgenstein bedeutet das, dass bei uns die Sonne etwa 15 Minuten später aufgeht als in Kassel. Allerdings ist es nicht ratsam, seine Armbanduhr nach der Vogeluhr zu richten, denn die Vogeluhr ist auch von weiteren Witterungseinflüssen abhängig. So stören Wind und Regen den Anfang des Gesanges erheblich, ja an „schlimmen Tagen“ ist überhaupt nichts zu vernehmen. Auch Kälteeinbrüche können die Regeln der Vogeluhr vollständig durcheinander bringen. Aber auch die Populationsdichte und insbesondere das Geschlechterverhältnis der einzelnen Arten beeinflusst sowohl Intensität als auch den morgendlichen Beginn des Vogelkonzertes.

Doch nicht nur am Morgen, sondern auch tagsüber haben bestimmte Arten ganz bestimmte Zeiten, um gegen Abend – nach Sonnenuntergang – häufig noch einmal zu einem reglerechten „Furioso“ anzuheben, das allerdings, was die Intensität und Vielfältigkeit angeht, nicht mit dem morgendlichen Auftakt zu vergleichen ist.

In Wittgenstein bieten Vogelfreunde, Naturschutzvereine aber auch die Biologische Station Erndtebrück hin und wieder im Frühjahr „Vogelstimmen-Exkursionen“ oder Wanderungen an. Nicht selten geht es dabei auch durch den Bad Berleburger Schlosspark, der nicht nur im Frühling ein ornithologisches Glanzlicht darstellt. Diese Führungen sind sehr zu empfehlen nach dem Motto: Wer gut hört, sieht auch mehr. Hier wird nicht nur andächtig mit offenem Munde den Vogelstimmen gelauscht, sondern über den Gesang, von Fachleuten begleitet und angeleitet, diverse Arten allein über das Gezwitscher und Gezirpe bestimmt. Insbesondere für Frühaufsteher ein ganz besonderes Naturerlebnis.

Wolfram Martin

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