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Vier feiern den 'Wittgensteiner Durchbruch'

29.07.2008 | 17:16 Uhr

Bad Berleburg. (ste) Eine unscheinbare Gruppe von vier Leuten, ganz hinten an einem Tisch im Lokal. Ganz gewöhnliche Gäste, könnte man meinen. Aber die vier feiern ein gemeinsames Jubiläum, denn sie stehen für den "Wittgensteiner Durchbruch".

Der C-Kurs vor 30 Jahren (v.l.): Richard Göbel, Georg-Adolf Spies, Doris Dickel und Renate Lückhof, zusammen mit ihrem Lehrer Hartmut Weidt. WP-Foto: privat Der ehemalige C-Kurs feiert sein Jubiläum (v.l.): Lehrer und Kreiskantor Hartmut Weidt, Doris Treude, Richard Göbel und Georg-Adolf Spies. WP-Foto: Stefanie Treude

So formuliert es zumindest Hartmut Weidt, einer im Quartett und gleichzeitig der Lehrer der anderen Drei, die er vor 30 Jahren bis zur Prüfung des kirchenmusikalischen C-Kurses begleitet hat. "Ich war damals noch nebenamtlicher Organist in Berleburg und wollte den Orgel-Unterricht ankurbeln", erzählt er, "vorher gab es im Kirchenkreis kaum qualifiziert ausgebildete nebenamtliche Organisten". Heute ist er nicht nur Kantor in Berleburg, sondern auch Kreiskantor.

Auch die anderen drei haben seit ihrer Prüfung die Musik zum Beruf gemacht, zumindest zum Beruf neben dem eigentlichen Beruf. Georg-Adolf Spies aus Girkhausen spielt heute in seinem Heimatort und in Langewiese die Orgel; Richard Göbel in Volkholz, Oberndorf und teils in Feudingen; und Doris Treude, die damals noch Dickel hieß, spielt die Orgel in Birkelbach.

Aus der Wittgensteiner Runde des C-Kurses 1976/78 fehlt nur Renate Mier, geborene Lückhof, die es nach Norddeutschland verschlagen hat.

Aber kann man vier Teilnehmer aus Wittgenstein schon als Durchbruch bezeichnen? "Das war zumindest der erste Kurs, bei dem die Beteiligung aus Wittgenstein so groß war", erklärt Hartmut Weidt, "danach gab es einen Boom, ich konnte sogar mal einen reinen Wittgensteiner Kurs leiten". Sonst mussten die Organisten am Kurs in Siegen teilnehmen.

Unterricht gab es allerdings auch von Hartmut Weidt in Wittgenstein. "Das ist ja keine Schmalspur-Ausbildung", betont er, "die C-Ausbildung ist sehr umfassend". Und dazu gehören neben dem eigentlichen Orgelunterricht auch viele theoretische Fächer, Musikgeschichte und Gesangbuchkunde, aber auch Tonsatz und Gehörbildung, die beiden Fächer wurden zeitweise im Erndtebrücker Gemeindehaus gelehrt.

Nach Siegen ging es dann immer in Fahrgemeinschaften, mal im eigenen VW Käfer oder auch im Ford Capri vom Vater. "Wir hatten immer viel Spaß im Auto", erinnert sich Doris Treude.

Und Erinnerungen begleiten die vier auch den Abend über. So weiß Hartmut Weidt noch, wie er seinen Schützlingen bei der Tonsatzklausur auch schon mal heimlich Hinweise gegeben hat, und Doris Treude erinnert sich an die Kirchenmusikdirektorin Almuth Höfker, die den Kurs leitete und später alle zu einer Feier bei sich einlud, bei der sie selbst bediente.

Doch eines macht den Vieren Sorgen: Es gibt fast keine Vertretungen mehr. "In den letzten Jahren sind die Wittgensteiner Teilnehmer an einem C-Kurs rapide zurückgegangen", weiß Hartmut Weidt und findet: "Es müssen wieder Anreize gegeben werden, Vorbilder müssen da sein".

Bei den anderen dreien waren es die Väter oder auch der Patenonkel, die den entsprechenden Anreiz gaben. "Das hat mich einfach fasziniert", erzählt Richard Göbel. Heute gibt es dank des Durchbruchs in '78 fast überall im Kirchenkreis C-Musiker. Und für die Zukunft ulkt Richard Göbel: "Dann müssen sie halt ein Tonband-Gerät in die Kirche stellen".

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