"Vielleicht brauchst du ja selbst mal eine Bluttransfusion"
14.03.2008 | 14:11 Uhr 2008-03-14T14:11:00+0100
Bad Berleburg. (us) „Wann ich das erste Mal zum Blutspenden gegangen bin?” Georg Biegler schaut in seinem Blutspendeausweis nach: „Am 15. März 1973.” Inzwischen gab der Berleburger schon 104. Mal von seinem Lebenssaft ab.
Das entspricht einem Durchschnittl von vier Mal im Jahr. Im Laufe von 35 Jahren sind dem heute 68-Jährigen rechnerisch insgesamt rund 52 Liter Blut abgezapft worden.
„Mein damaliger Hausarzt hat mich zum Roten Kreuz geschickt, weil ich als junger Mann meine Blutgruppe wissen wollte. Die erste Blutspende habe er in der alten Berleburger Volksschule abgegeben, „da steht heute das Sparkassengebäude”. Er habe vom Blutspenden „gar nichts gemerkt”, ihm war nicht schlecht. „Ich habe auch nicht abgebaut.”
Georg Biegler erfuhr, dass er die seltene Blutgruppe AB Rhesus negativ hat. Deshalb sagte er bereitwillig „Ja”, als er gefragt wurde, ob sich das Berleburger Krankenhaus auch in Notfällen an ihn wenden könne. Zur Verfügung stand Biegler als Blutspender immer, und weil er ab 1986 bei EJOT im Schichtdienst gearbeitet hat. „Da bin ich manchmal in Berghausen, Schwarzenau oder Wingeshausen zum Spenden gegangen.”
Im Laufe der Jahre haben auch die Orte, an denen in Berleburg das Blutspenden stattfand, gewechselt: Gymnasium, DRK-Haus in der Ederstraße und derzeit im Bürgerhaus.
Wo und wann ein Blutspendetermin stattfindet, erfährt Biegler immer rechtzeitig: „Man wird angeschrieben.” Meist geht er zu Fuß von der Berliner Straße ins Bürgerhaus. „Wenn's um 4 Uhr losgeht, bin ich auch um 4 Uhr hier.” Dann ist die Warteschlange noch nicht so lang. 208 Spender kamen im Januar, auch Bieglers Sohn Thomas, der schon über 70 Mal gespendet hat, war dabei, ebenso vier Erstspender.
Im Gegensatz zu ihnen kennt Georg Biegler den Ablauf an den verschiedenen Stationen schon lange: An der Anmeldung bei den ehrenamtlichen DRK-Helfer vom Ortsverein Berleburg Personalausweis und Blutspenderpass vorlegen, Fragebogen zur gesundheitlichen Vorgeschichte ausfüllen, Temperaturmessung und Abnahme eines Bluttropfens aus dem Ohrläppchen zur Bestimmung des Hämoglobinwertes (roter Blutfarbstoff), „Ich hatte schon mal schlechte Hb-Werte, da konnte ich zwei Jahre kein Blut spenden”, ärztliche Untersuchung mit Blutdruck- und Pulsmessung sowie Besprechung des ausgefüllten Fragebogens. „Wenn z.B. mein Blutdruck zu hoch wäre, dürfte ich nicht spenden. Und mit einer Erkältung bin ich erst gar nicht hingegangen.”
Der Arzt entscheidet
Über die Zulassung entscheidet letztendlich der anwesende Arzt. Bevor die 500 ml Blut abgezapft werden, werden drei Röhrchen für Laboruntersuchungen für Tests zur Erkennung u.a. von virusbedingter Leberentzündungen und geschlechtsspezifische Krankheiten und einem AIDS-Test gefüllt.
Der Blutspendedienst Hagen ist in Bad Berleburg jeweils mit zwei von insgesamt elf Teams im Einsatz: Eine der beiden Teamleiterinnen gibt weitere Informationen: Frauen dürfen viermal im Kalenderjahr, Männer sechsmal spenden, acht Wochen müssen jeweils dazwischen liegen, verwendet wird ausschließlich steriles Einwegmaterial, Untersuchungsröhrchen und Blutbeutel mit einem identischen Strichcode gekennzeichnet, um Verwechslungen auszuschließen.
Während der zehn Minuten, in denen Georg Biegler das Blut entnommen wird, spricht er mal kurz mit dem Nachbarn oder mit den Damen und Herren vom DRK, aber die bleiben normalerweise nur bei Erstspendern die ganze Zeit dabei.
Der Spender kann durch einen vertraulichen Spender-Selbstausschluss vor und auch nach der Spende noch ankreuzen, ob sein Blut verwendet werden soll oder nicht. Bevor der Klebeverband angelegt wird, in jedem Fall zehn Minuten Ruhezeit, sitzen oder liegen, danach werden die Spender verpflegt: „Etwas essen”, klärt das DRK-Personal auf, „viel trinken, reichlich kalte Getränke.”
„Ungefähr eine Stunde Zeit muss man einplanen”, gibt Georg Biegler zu bedenken, während er den Imbiss einnimmt, „und vielleicht braucht man ja selbst auch mal eine Bluttransfusion.” Zustimmendes Kopfnicken von seinen Tischnachbarn, der ebenfalls weiß: Blut kann nicht künstlich erzeugt werden kann, deshalb ist Blutspenden so (lebens)wichtig.
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