Viele Ideen für freie Zeit

Anke Althaus-Aderhold, Alertshausen, freischaffende Künstlerin, 48 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder. „Neben meiner kreativen Arbeit bin ich gerne Bäuerin.“

1. Sie leben gern in Wittgenstein, weil…

„Wos brüch ech der Alpenrücken,wenn ech vo meim Hüls nab güggen? Raants e England werra mie, hon ech Spass! Ech sein jo hie. Karibik, Dubai, Singapur, ech hon doch hie de Frischluft pur. Ech well mech liwwer mem Veeh ausgrijje, als wie eh Trombosestrembe remzeflijje. Mei Deheeme hon ech gäre, hie kann Monsanto gornaut wäre. Ech lieb und schätzen wos mer hie hon, da queel ech mech net uffs Matterhorn.

2. Wenn Sie alle Zeit der Welt hätten?

Das wäre wie ein Schock! Da wüsste ich erst mal nicht, was ich nun zuerst machen sollte. Zeitfrei am Spinnrad sitzen und einfach nur genießen, dass die Spule dicker wird, herrlich! Malen bis der Pinsel qualmt! Renovieren! Ich hätte ja Zeit! Sich ausgiebig der Flickwäsche widmen und mehrere schöne Sachen nähen! Zeit für ein neues Pferd und dann wieder Kutsche fahren! Unseren Wald durchforsten und zwar gründlich, Holzrücken mit dem Pepe, Holzvorräte machen bis das Sägeblatt glüht. All solche Dinge fallen mir ein und die würde ich teilen mit der Familie und all den Menschen, die wir lange schon wiedersehen wollten, die den gleichen Spaß daran haben. Zwischendurch würden wir kochen, reden, Kaffee trinken und ausschlafen. Den, wie auch immer, nicht enden wollenden Rest Zeit verschenke ich an Menschen die kurz vor dem Burnout stehen.

3. Bei welcher Sendung schalten Sie den Fernseher ab?

Alle Sendungen von früh morgens bis 18.50 Uhr (Insider wissen warum) abends. Danach würde ich Science-Fiction, Volksmusiksendungen und Western abschalten, geht aber nicht – bin verheiratet.

4. Die gute Fee kommt. Was sollte sie in Wittgenstein verändern?

Ach das ist zu schön um wahr zu sein: Zunächst macht es „Schnipp“ und alle Tankstellen in Wittgenstein stellen sich für die nächsten zehn Jahre* ganz automatisch immer auf den niedrigsten Preis in ganz Deutschland ein (* danach fahren die Autos mit Umluft oder Schwungradantrieb).

Es macht noch mal „Schnipp“ und wir können unseren Kaffeebedarf durch den Anbau einer absolut umweltverträglichen Kaffeepflanze hier vor Ort decken.

Es folgt ein „Schnipp“ und die Grundsteuer senkt sich um 20 Prozent.

„Schnipp“ macht es und die Finanzierung der Schulsozialarbeit in Wittgenstein ist auf zehn Jahre gesichert. In dieser Zeit wird Richard David Precht Bildungsminister und revolutioniert endlich das Bildungssystem.

Wieder macht es „Schnipp“ und eine junge Gruppe von Maschinenbau-Studenten, treffen auf ihrem freizeitlichen Wandertrip bei den Wisenten auf drei Asyl suchende Ingenieure. Die hatten sich im hiesigen Wald oberhalb der Rothaarklinik verirrt und sind dort auf den alten, sehr zurückgezogen lebenden, Wittgensteiner Einsiedler getroffen

Gestärkt durch eine Abendmahlzeit, die aus Eierkuchen mit Speck bestand, die von dem alten Tüftler gereicht wurde, setzen sie sich in die gute Stube, wo sie der ledigen Tante am Spinnrad ein wenig zusahen.

Dadurch angeregt beginnt ein intensives Gespräch, angeleitet durch den Alten (Platt versteht jeder), welches in den frühen Morgenstunden als Resultat den Plan für eine umweltfreundliche, hoch effiziente Methode zur Energiegewinnung durch Wasserkraft liefert.

So ergab sich die Nutzung der fast in jedem Ort vorhandenen Mühlen, was die Schaffung von Arbeitsplätzen, Autonomie der Dörfer, etc., etc. zur Folge hatte.

So bietet sich dieses Bild: Fachwerk-Immobilien steigen moderat im Preis. Die schlauen Wittgensteiner gründen Generationen-WGs und betreiben Landwirtschaft für die Selbstversorgung. Hier und da lässt sich ein Arzt nieder, Gemischtwarenläden und die kleine Kneipe werden reaktiviert. In den vielen Pensionen können nicht nur viele Sylter Urlaub machen. Und so wird endlich auch, in einer ökonomisch verträglichen Weise, die Verkehrsanbindung in „alle Richtingen“, wie die Niederländer, die nicht Holländer genannt werden wollen, sagen, verbessert.

Dann stellt sich heraus, dass die Fee ein Engel war. Die Dorfkirchen sind voll!

5. Ihr erstes selbst verdientes Geld?

Ich hatte die Reagenzfläschchen für die Milchkontrolle im Dorf zu verteilen und wieder einzusammeln, da hatten wir noch mindestens ein Dutzend Bauern. Ich denke, ich war so 12 Jahre alt und das Geld habe ich bestimmt bei „Petze Fretz“ im Laden versilbert.

6. Welche Musik hören Sie?

Durchgängig Radio. Besonders gerne höre ich Musik von Fleetwood Mac, John Lord, Crosby, Stills und Nash, Neil Young, Ian Anderson, usw.

7. Was würden Sie niemals auf eine einsame Insel mitnehmen?

Eine Schüppe Sand und die Unterlagen für die Steuererklärung.

8. Was essen Sie am liebsten?

Frisch aus dem Garten, herzhaft, eigene Herstellung, auch spät abends.

9. Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?

Ich strecke mich nach den Dingen in Antwort 2 und spiele gern mit den Kindern hier im Ort Theater.