Viel Wert auf Erhaltung der Selbstständigkeit

Bei der Gemeindeversammlung in Wunderthausen diskutierten viele Gemeindemitglieder.
Bei der Gemeindeversammlung in Wunderthausen diskutierten viele Gemeindemitglieder.
Foto: WP

Wunderthausen..  Nur 1,7 Kilometer liegen zwischen den beiden Ortsschildern von Diedenshausen und Wunderthausen. Und doch sind es zwei sehr unterschiedliche Dörfer, wie sich am Sonntag zeigte. Nach der Bezirksversammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Wunderthausen/Diedenshausen in der Alten Schule Diedenshausen fand eine Woche später die zweite statt, diesmal in der Wunderthäuser Kirche: Deutlich forscher wurde diskutiert, deutlich mehr Wert wurde auf den Erhalt der eigenen Selbstständigkeit gelegt, deutlich mehr wurde über Personalien gesprochen. Mit 60 Besuchern - unter ihnen erneut Superintendent Stefan Berk - waren es etwa anderthalbmal so viele wie in der Woche zuvor.

Ablauf war gleich

Zwei Stunden waren auch für die zweite Versammlung anberaumt, die Abläufe waren die gleichen wie in Diedenshausen. Die Begrüßung übernahm Pfarrer Dr. Detlef Metz, Vorsitzender des Bevollmächtigtengremiums (BVG), das nach dem Rücktritt des Presbyteriums vor knapp einem Jahr die Leitung der Kirchengemeinde übernommen hatte. Die Pfarrer Roswitha Scheckel und Norbert Deka begleiten als Gemeindeberater der Evangelischen Kirche von Westfalen das BVG, sie übernahmen die Moderation des Morgens. Bernd Homrighausen vom BVG präsentierte die feststehenden Fakten und die Ergebnisse der Gremiums-Überlegungen.

Die Kirchengemeinde hat knapp 780 Gemeindeglieder. Obwohl der Wittgensteiner Kirchenkreis wegen seiner ländlichen Struktur zusätzliche Pfarrstellen aus Bielefeld finanziert bekommt und deshalb großzügigere Gemeindeglieder-Maßstäbe für eine Pfarrstelle anlegen kann als die übrige Evangelischen Kirche von Westfalen, ist das selbst hier nur knapp eine Drittel-Pfarrstelle. So muss für die Zukunft überlegt werden: Was muss ein Pfarrer auf jeden Fall tun? Was für Aufgaben können Ehrenamtliche übernehmen? Wie kann die zu kleine Kirchengemeinde in einem größeren Ganzen kooperieren, um einen Pfarrer zu bekommen?

Bei der letzten Frage sah das BVG drei Optionen: Kooperation mit Lukas oder Bad Berleburg oder Zusammenarbeit von mehreren unterschiedlichen Gemeinden in einem Kirchspiel. Erstmal ging es bei dieser dritten Variante darum, so viele kleine Gemeinden zusammenzubekommen, um einen eigenen Pfarrer zu kriegen. Das BVG hatte Vor- und Nachteile der Möglichkeiten zusammengetragen. Die Aufzählungen standen an Stellwänden im Chorraum und waren sogar schon ergänzt worden. In Diedenshausen hatten sich Besucher darüber gewundert, dass manche Nachteile, die generell für Zusammenarbeiten oder Fusionen mit Lukas oder Bad Berleburg gelten würden, nur bei Lukas vermerkt waren.

Die Dreiviertelstunde zum Diskutieren, zum Gedanken-Aufschreiben, zum Kaffee-Trinken, zum Plätzchen-Essen wurde in Wunderthausen sehr engagiert genutzt. Von den Besuchern, aber auch von den BVG-Mitgliedern, die sehr offensiv das Gespräch suchten - und zuhörten. Genau wie diese es von Anfang an versprochen hatten, wollten sie wissen, was die Gemeindeglieder vor Ort denken, um die Leitung der Gemeinde verantwortungsvoll und für die Menschen wahrzunehmen. Schon zu Beginn hatte Norbert Deka klar gemacht: „Heute ist nicht der Moment, zu entscheiden.“

Was Ehrenamt kann

In den Diskussionen wurde über viele wichtige Dinge gesprochen. So ging zum einen um die Endlichkeit des Ehrenamtes mit der Botschaft, dass eben nicht alles ehrenamtlich geleistet werden kann, auch wenn immer mehr Gesellschaftsbereiche genau dieses Engagement einfordern. Andererseits wurde darauf hingewiesen, dass eine Gemeinde nicht allein der Pfarrer sein soll, sondern erst die Mitarbeit aller Gemeindeglieder - das gemeinsame Bauen von Kirche - eine Gemeinde ausmacht.

Auswertung diese Woche

Das BVG trifft sich nun diese Woche, wird die Bezirksversammlungen auswerten und die daraus resultierenden Ergebnisse festhalten. Diese sind im Gemeindebrief, der im April herauskommt, nachzulesen, außerdem gibt es eine separate Zusammenfassung, die Jeder von den BVG-Mitgliedern bekommen kann. Norbert Deka bereitete die Zuhörer schon mal vor: „Es wird Folgeveranstaltungen geben.“ Seine Kollegin Roswitha Scheckel zollte indes dem Bevollmächtigtengremium ihren Respekt und lobte das konstruktive und engagierte Arbeiten in dem Leitungsgremium.