Verfolger

Der Bescheid hat mit mich mittlerweile erreicht. Mit 57 Stundenkilometern statt der erlaubten 50 soll ich unterwegs gewesen sein, als ich an meinem ersten Arbeitstag vor fast vier Wochen in Erndtebrück geblitzt wurde. Ich muss gestehen: Ich bin schon wieder auffällig geworden. Doch es brauchte weder Technik noch die Polizei, um mich einmal mehr als Verkehrssünder zu entlarven. Lediglich einen engagierten Autofahrer. Links abgebogen bin ich, an einer Kreuzung, an der ein weißer Pfeil auf blauem Grund mir deutlich sagt: Hier fährst du nur geradeaus! Das Dumme: Ich habe ihn schlichtweg übersehen. Ganz im Gegensatz zu einem grimmig dreinblickenden Herrn, der mein Vergehen genau beobachtet hatte und mir daraufhin hupend folgte, bis ich Schrotty (meinen japanischen Kleinstwagen, Sie wissen schon) geparkt hatte. Ob ich keine Schilder lesen könne, fuhr er mich an. Entschuldigung, Sie haben Recht, antwortete ich ihm nach eingängiger Belehrung. Was ich ihm eigentlich hätte entgegnen sollen: Mit welchem Recht sind Sie mir eigentlich auf direktem Wege gefolgt? Sie standen an der Kreuzung schließlich genau hinter mir!