US-Panzer bahnen sich schießend ihren Weg

Wittgenstein..  Am 1. April 1945 ist niemandem zum Feiern zumute. Der erste Osterfeiertag wird vom Krieg überschattet. Es ist der Tag, an dem Berleburg, Raumland, Weidenhausen und Girkhausen von der US-Armee besetzt werden.

Erndtebrück, ein Bollwerk der deutschen Verteidiger, liegt unter schwerem Beschuss. Auch in Weidenhausen schlagen Granaten ein. Der Druck auf die deutschen Verteidiger wächst.

Aus dem besetzten Laasphe machen sich die US-Truppen über die Sassenhäuser Höhe in Richtung oberes Edertal und Berleburg auf. In Sassenhausen werden sie unter Feuer genommen. Doch der Widerstand bricht, als die US-Armee die Häuser von Kellermanns, Heuwiesers und Mienes in Brand schießt. Gleichzeitig wird Hemschlar kampflos übergeben.

In Dotzlar wird nur noch vereinzelt geschossen. Die deutschen Soldaten, die am Vortag noch von der Burg aus US-Panzer abgeschossen haben, ziehen sich nach Raumland zurück. Dort werden die Eisenbahnüberführung und die Ederbrücke in Markhausen gesprengt. Anschließend setzen sich die Truppen über den Stöppel in die Kreisstadt ab.

Augenzeugen berichten, Berleburg habe wie ausgestorben gewirkt. Wer konnte, war geflüchtet oder hatte in Kellern und Stollen Schutz gesucht.

Schon seit Tagen fahren Wehrmachts-Kolonnen bei ihren Absetzbewegungen Richtung Sauerland durch die Stadt. Ein Bild, das selbst dem Letzten den Glauben an den „Endsieg“ ausgetrieben haben sollte. Trotzdem wird um die Kreisstadt gekämpft.

An der Bismarcksäule verblutet

Sechs deutsche Geschütze eröffnen das Feuer auf die über Meckhausen und das Höllscheid anrückenden Amerikaner. Gegen Nachmittag erwidern diese das Feuer massiv. Auch deutsche Infanterie, die sich an der Bismarcksäule gesammelt hat, greift mit schweren Maschinengewehren in die Kämpfe ein. Zeitzeugenberichte, die Heinz Strickhausen gesammelt hat, berichten von einem zurückgelassenen, verblutenden Landser an der Bismarcksäule. Im Wissen um seinen nahen Tod, holte er Briefe und Fotos seiner Liebsten aus seinen Taschen. So wird er nach den Kämpfen gefunden. Auch von einem schwerstverletzten deutschen Soldaten wird berichtet, dem auf einem Küchentisch das Bein amputiert werden muss.

Während die Soldaten kämpfen, herrschte bei der NSDAP rege Betriebsamkeit. Die Kreisleitung verbrennt Akten und belastendes Material. Was nicht verbrannt werden kann, wird in die Odeborn geworfen oder versteckt.

Die einzige deutsche Bombe

Um Berghausen toben heftige Gefechte: Die amerikanische Artillerie schießt die Häuser Linde-Hermeschmids, Born-Vollmers und Knebel-Josefs in Brand. Wohl auch deshalb, weil auf der Helle zwei amerikanische Panzer abgeschossen worden sind. Auch die Ederbrücke am Lehmbach, die Eisenbahnbrücke an der Hewe, die Truftebrücke und die Eisenbahnbrücke vor Aue werden von Deutschen Pionieren gesprengt. Von Hemschlar aus rückt die US-Armee vor. Die Wehrmacht muss sich zum Winterscheid, in die Krimmelsdell und den Lehmbach zurückziehen. Die schweren Kämpfe kosten 13 deutschen Soldaten das Leben. Weiter nördlich werden Wemlighausen und Girkhausen besetzt. Die US-Armee stößt erst vor Hoheleye wieder auf heftige Gegenwehr. Dabei erhalten die deutschen Truppen sogar Luftunterstützung. Die Luftwaffe wirft über dem „Lützelkopf“ die einzige deutsche Bombe ab, die auf Wittgensteiner Boden fiel. Dennoch zerfällt hier die Verteidigung: Das „Bataillon Wittgenstein“ des „Freikorps Sauerland“ zählt nur noch 134 Mann und löst sich in Kühhude auf.

Häuserkämpfe in Schameder

Heftig sind auch die Kämpfe rund um Erndtebrück. Amerikaner und Wehrmacht liefern sich in Schameder Häuserkämpfe und Panzerduelle mit hohen Verlusten. Auch der Weg über Benfe nach Erndtebrück bleibt den Amerikanern versperrt. Hierüber berichtet eine Aufklärungseinheit der 8. US-Division in einem Gefechtsbericht, dass ihre Einheiten immer wieder gezwungen seien, sich zurückzuziehen, da ihnen starke Panzer- und Infanterieeinheiten gegenüber stehen.

Der Widerstand in Wittgenstein ist noch nicht gebrochen.