Urnen lassen die Kosten klettern

Weniger Gräber, mehr Pflege in der Verantwortung der Kirchengemeinde als Trägerin: Um kostendeckend arbeiten zu können, sollen die Gebühren auf dem Birkelbacher Friedhof „Im Nickelsgrund“ steigen.
Weniger Gräber, mehr Pflege in der Verantwortung der Kirchengemeinde als Trägerin: Um kostendeckend arbeiten zu können, sollen die Gebühren auf dem Birkelbacher Friedhof „Im Nickelsgrund“ steigen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Auch in Birkelbach verlagert sich die Pflege immer mehr von den Angehörigen auf die evangelische Kirche als Träger. Und die denkt jetzt an höhere Gebühren.

Birkelbach..  Seit 2008 sind die Gebühren für den evangelischen Friedhof „Im Nickelsgrund“ stabil. Jetzt denkt das Presbyterium vor Ort darüber nach, sie moderat zu erhöhen, weil der Pflegeaufwand steigt. Die Tarife lägen dann aber wohl immer noch deutlich niedriger als auf benachbarten Friedhöfen in kommunaler Regie. Ehrenamt statt Bauhof macht’s möglich.

Ehrenamtlich – „so läuft bei uns die ganze Verwaltung“, sagt Presbyter Hans Helmut Lange, der den Friedhof in Birkelbach im Wesentlichen ganz allein betreut. Das sei auf jeden Fall günstiger als bei kommunalen Trägern, die ihre Friedhöfe von bezahlten Kräften des Bauhofs pflegen lassen. Und die sechs bis acht Beerdigungen im Jahr zum Beispiel laufen in Birkelbach bewährt „in Nachbarschaftshilfe“. Lange schätzt, dass man auf diese Weise in der Unterhaltung 20 bis 40 Prozent günstiger arbeiten könne. Und man sei vor Ort einfach näher dran als ein Bauhof, um die Anlage in Schuss zu halten.

Kommunal-Tarife deutlich höher

Gleichwohl müsse „der Friedhof sich ja selbst tragen“, müsse man natürlich kostendeckend arbeiten, macht Lange deutlich. Und der Aufwand für die Pflege steige, seitdem zum Beispiel die Nachfrage bei den günstigeren Rasengräbern größer geworden sei. Außerdem sei mit der Zeit die Zahl der Gräber auf derzeit durchschnittlich 250 gesunken. Früher habe sie einmal bei 300 gelegen. Folge: Immer mehr der rund 8000 Quadratmeter Friedhofsfläche falle in die Verantwortung der Kirchengemeinde als Trägerin. Und die Kosten für die zusätzliche Pflege müsse man sich in gewisser Weise bei den Friedhofsnutzern zurückholen.

Für eine Neufassung der grundlegenden Friedhofssatzung, die neben der Friedhofsgebührensatzung gilt, hat das Presbyterium bereits Ende März grünes Licht gegeben. Sie soll zum 1. Juli in Kraft treten. Die Friedhofssatzung werde „den Bedürfnissen der Nachfragenden angepasst“, fasst die Birkelbacher Pfarrerin Simone Conrad zusammen. Der Trend bei der Bestattungskultur hin zu schlichten Urnen-Beisetzungen oder pflegeleichten Rasengräbern könne und wolle die Kirchengemeinde nicht ignorieren. Es sei nur allzu „verständlich“, so Conrad, wenn viele Verstorbene heute „nicht mehr die Angehörigen haben, die die Gräber pflegen können“. Das heißt aber eben auch: Die Pflege auf dem Friedhofsgelände erledigt immer öfter die Kirchengemeinde als Trägerin.

Beerdigungstourismus bleibt aus

Trotz der vergleichsweise geringen Friedhofsgebühren „haben wir hauptsächlich Beerdigungen aus Birkelbach“, weiß Pfarrerin Conrad – „und von Leuten, die früher hier in Birkelbach lebten“. Von einem Beerdigungstourismus könne auf gar keinen Fall die Rede sein.

Beraten und beschlossen seien die angedachten Gebühren-Steigerungen im Übrigen noch nicht, betont Pfarrerin Simone Conrad. Eine endgültige Kalkulation der Kosten für die Unterhaltung der Anlage „Im Nickelsgrund“ werde man aber noch in diesem Sommer erarbeiten. Das letzte Wort habe dann das Presbyterium.