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Kriegsende 1945

Unvergessliche Bilder

14.04.2010 | 12:00 Uhr
Unvergessliche Bilder

Täglich "feindliche Flugzeuge" am Himmel.

Auch Günter Eckhardt kann sich gut an die Kriegsereignisse im März und April 1945 erinnern. Durch unsere Serie über das Kriegsende vor 65 Jahren angeregt, hat er Aufzeichnungen nochmals hervorgeholt, die er bereits 1965 niedergeschrieben hatte. Sie ergänzen unsere Serie.

Im Frühjahr 1945 seien täglich „feindliche Flugzeuge” am Himmel gewesen. Am 22. Februar 1945 wurden in Wemlighausen zwei Wohnhäuser und eine Scheune durch Flieger in Brand geschossen und auch in Berleburg fielen einige Bomben. „Am gefürchtetsten waren die doppelrumpfigen Jagdflugzeuge (P-38/ d. Red.). Aus ihren Bordkanonen schossen die auf alles was sich bewegte”, erinnert sich der pensionierte Polizeibeamte, der 1935 geboren wurde.

Wegen der Gefahr durch die Flieger sei der Schulbesuch unterbrochen worden, sobald Flugzeuge am Himmel gesichtet wurden. Die Schüler schlichen dann in kleinen Gruppen von drei bis vier Kindern abseits der Wege nach Hause. Außerdem habe es auf dem Schulhof auch einen Splitterschutzgraben gegeben.

Gefährlich war es auch für die Bauern: Durch das schöne Wetter sei es im März bereits möglich gewesen, Hafer zu sähen. Das aber geschah in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden, um den Flugzeugen kein Ziel zu bieten.

Ab März seien dann immer wieder Wehrmachtseinheiten durch Girkhausen gezogen. In der Holzwarenfabrik Florin war eine Bekleidungskammer eingerichtet worden und in der gegenüberliegenden Gaststätte Florin, dem späteren Jägerhof, habe sich eine Marketenderei befunden.

Größere Truppenbewegungen, so Günter Eckhardt, hätten sich dann ab Gründonnerstag abgespielt. Am Ostersamstag habe eine größere Kolonne Wehrmachtsfahrzeuge im Dorf halt gemacht. Die Fahrzeuge standen getarnt im Odeborn- und Ostertal. Kurz darauf seien die deutschen Einheiten aus der Luft angegriffen worden. Dabei wurden mehrere Fahrzeuge in Brand geschossen. Auch Bomben fielen. Einige seien aber außerhalb des Dorfes niedergegangen. Blindgänger trafen Schier und Gladebächer Haus. Dem Bauern Krämer-Jeide wurde ein Pferd erschossen. Als der Angriff vorüber war, zogen sich die Deutschen Truppen zum Albrechtsplatz und nach Hoheleye zurück.

Am 1. April 1945, dem 1. Ostertag, seien die ersten Amerikaner aus dem Dambach nach Girkhausen vorgerückt. Deutsche Artillerie habe sie vom Albrechtsplatz aus unter Feuer genommen. Eine Granate traf Bau Haus und eine Schlug in einem Baum daneben ein. Ein US-Soldat wurde durch Granatsplitter verwundet und starb kurze Zeit später. In Hansjörges Saal hatten die Amerikaner ein Notlazarett eingerichtet.

„Musst nix Angst haben”

Weitere Geschosse schlugen unterm Damberg ein und verletzten eine Kuh des Bauern Leye-Schumacher, die notgeschlachtet werden musste. Der Beschuss hörte erst auf, als ein Spähtrupp der Amerikaner den deutschen Artilleriebeobachter oberhalb des Dorfes gefangen nehmen konnten. Als Zeichen dafür, dass sich keine deutschen Soldaten mehr im Dorf befanden, wurde am Kirchturm die weiße Fahne gehisst.

Günter Eckhardts Vater Fritz sei im Dorf damals für die Wasserversorgung zuständig gewesen. Er bediente abends und morgens ein Regelventil neben Überste Backhaus. Als er am 1. April 1945 dorthin kam, habe die Legeres Oma, ein Original, aus dem Fenster gerufen: „Fretz mer sein schon Amerikaner!” Daraufhin habe Fritz Eckhardt geantwortet: „Jo Miele, mer sein noch deitsch!”

Kurze Zeit später seien die US-Truppen die Landstraße in Richtung Schmelzhütte heraufgekommen. Zuerst Infanterie, dann Panzer mit angehängte Geschützen. Beim Vormarsch wurde das Dorf nach versteckten Soldaten durchkämmt, dabei soll ein GI zu Günter Eckhardts Mutter gesagt haben: „Mutter musst nix Angst haben, is Krieg, mein Großvater war aus Germany!”

Die US-Truppen seien weitergezogen und in Hoheleye auf erbitterten Widerstand geschossen, der erst nach Stunden gebrochen worden sei.

„Nach einigen Stunden führten die Amerikaner die ersten deutschen Gefangenen mit erhobenen Händen durch den Ort. Dieses Bild habe ich bis heute nicht vergessen”, so Günter Eckhardt.

Damit war der Krieg für das Dorf noch nicht aus. Denn von Girkhausen aus beschossen US-Geschütze noch zwei bis drei Tage lang Oberkirchen und Westfeld. Um Girkhausen herum starben in diesen ersten Apriltagen sieben Wehrmachtssoldaten. Sie wurden in Girkhausen begraben.

Lars-Peter Dickel

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