Unsichere Jobs: Gewerkschaft sieht „alarmierende Tendenz“

Ist die Arbeit als Kellner ein Mini-Job, reichen die Einkünfte womöglich nicht allein zum Leben.
Ist die Arbeit als Kellner ein Mini-Job, reichen die Einkünfte womöglich nicht allein zum Leben.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
In der Region seien fast 38 Prozent der Beschäftigten betroffen, berichtet die NGG. Und fordert: Arbeitgeber müssen einfach wieder mehr nach Tarif zahlen.

Wittgenstein.. Unsichere Jobs werden in Wittgenstein und Siegerland immer mehr zum „Normalfall“. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten hin. So arbeiteten im vergangenen Jahr nach NGG-Angaben knapp 38 Prozent der heimischen Beschäftigten in Teilzeit- und Mini-Jobs – oder hatten ein Leiharbeitsverhältnis. Das sind rund 49 500 Menschen.

Zum Vergleich: Vor zehn Jahren habe der Anteil der sogenannten „atypisch Beschäftigten“ noch bei rund 32 Prozent gelegen. Die NGG beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die den Arbeitsmarkt im Kreis Siegen-Wittgenstein unter die Lupe genommen hat.

Für die Gewerkschaft ist die Tendenz alarmierend: „Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Siegen-Wittgenstein“, sagt Helge Adolphs, Geschäftsführer der NGG Südwestfalen.

Gerade die Zahl der Mini-Jobs sei gewachsen. Im Bäckerhandwerk und in der Gastronomie seien sie besonders verbreitet – auf Kosten von regulärer Beschäftigung. Adolphs: „450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell wieder zu verlieren.“ Der Gewerkschafter warnt: „Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen.“

Die NGG fordert die Arbeitgeber in der Region deshalb auf, wieder „mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs“ zu schaffen. Dabei sei der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn die feste Untergrenze. „Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben“ räumt Helge Adolphs ein. „Zum Beispiel machen sie Sinn für Rentner oder Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen“.

Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber dann, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft werden – „und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen“, kritisiert Adolphs.