Unreflektierte Aussagen

Teile der Wälder sind total geschädigt (Ausgabe vom 2. April). In dem Beitrag werden „Kollegen des Forstamtes“ Siegen-Wittgenstein mit den Worten zitiert, dass „…zu keiner Zeit die Abschusszahlen so hoch waren wie heute, also die Wildbestände (des Schalenwildes) extrem angewachsen sind“. Abschusszahlen, dies ist seit Jahrzehnten unter Wildbiologen Erkenntnis, taugen ohnehin nicht zur Schätzung von Wildtierpopulationen. Denn wenn sich die Jäger einem Abschuss – zum Beispiel des Rotwildes - generell verweigern würden hieße dies ja nicht, dass das Rotwild ausgestorben wäre. Und anders herum bedeutet ein hoher Abschuss – zum Beispiel des Rehwildes – auch nicht, dass zu viele Rehe da sind, sondern nur, dass eben (zu) viel geschossen worden ist.


Wie überhaupt viele Aussagen des Forstamtes und Forstamtleiters eher als Axiom (d.h. ein Grundsatz, der keines Beweises bedarf) denn als nachprüfbare Aussage daherkommen: „Katastrophale Zustände“ in Waldbeständen – geht es vielleicht ein bisschen genauer? „Extrem hohe Wildbestände“ – hier wären aussagekräftige Zahlen von Vorteil. „Teile Wittgensteins… seien stellenweise total geschädigt“ – wenn „Teile“ nur „stellenweise“ geschädigt sind, dann sind sie eben nicht „total geschädigt“ und wenn eben diese „Teile“ und deren „Stellen“ nur geschädigt sind, dann könnte man davon ausgehen, dass dies hinnehm- und tragbar ist.


„Fichtenreinbestände ohne Verjüngung“ – für die Fichtenreinbestände, sprich Fichtenmonokulturen, sind der Forst und die Grundeigentümer verantwortlich und beide sollten sich fragen, wovon in solchen Spargelwäldern denn das Wild und andere Tiere leben sollen. Die logische Folgerung wäre „Wald ohne Wild“. Und nebenbei: Auf meinen häufigen Touren durch Wittgensteins Wälder habe ich auch in Rotwildgebieten zahlreiche Naturverjüngungsflächen als auch Fichtenanflug vorgefunden.


Es drängt sich der Eindruck auf, dass das Forstamtspersonal die ideologisch-grünen Vorgaben des wildfeindlichen Ministers Remmel ungeprüft und unreflektiert als Axiome unters Volk bringen will.
Wolfram Martin, Ostpreußenstraße, Bad Berleburg