Unnötige Angriffe

Serie „Kriegsende“. Gegen Kriegsende und beim Einmarsch der Amerikaner in Berleburg Ostern 1945 habe ich als damals Zehnjähriger die Situation – auch durch das Miterleben diverser Angriffs-Ereignisse – mit wachen Sinnen verfolgt. Ich bin also Zeitzeuge, anders als heutige bei weitem jüngere Berichte-Verfasser oder sogenannte „Historiker“. Ich könnte auch einen Erlebnisbericht schreiben, wenn erwünscht.


Die Bombardierungen in Wittgenstein können nicht nur als strategisch notwendige Maßnahmen der Alliierten eingestuft werden. Es gab auch regelrechte Terrorangriffe durch Flugzeuge. Dazu gehörten in Berleburg und Umgebung zum Beispiel: Beschießungen mit Todesfolgen auf Bauern bei der Feldarbeit, die Beschießung mit
Todesfolge und Bombardierung eines Personenzuges auf freier Strecke und die nächtlichen
Bombenangriffe durch Einzel-Flugzeuge, in der Bevölkerung
als der „Eiserne Heinrich“
benannt.

Von daher gesehen finde ich bereits die Artikel-Überschrift als nicht zutreffend, denn sie suggeriert eine berechtigte alliierte Kriegsmaßnahme. Es ist auch nicht richtig zu schreiben, dass das letzte deutsche Aufgebot, zum Beispiel der Volkssturm „von Helfern aus der Zivilbevölkerung unermüdlich unterstützt“ wurde – selbst wenn das Zitat von dem nicht ganz unumstrittenen „Historiker Dr. Ulrich Opfermann“ (geboren 1945) stammt.

Zeitzeugen wie ich wissen, dass die ursprünglich in großen Teilen nazifreundliche Wittgensteiner Bevölkerung gegen Kriegsende umgestimmt und vielmehr auf der Hut war, nicht durch falsches Verhalten noch irgendetwas zu riskieren. Unser Vater zum Beispiel, später als Mitläufer eingestuft, ist nicht dem Aufruf gefolgt, sich dem Volkssturm anzuschließen. Auch die ganz zuletzt noch eingezogenen, kaum ausgebildeten Wittgensteiner Jugendlichen, die zum Teil noch im Rothaargebirge verheizt wurden, sind dorthin nicht freiwillig gegangen.


Am Ende des Artikels ist noch die Rede von der „Befreiung Wittgensteins“. Der überwiegende Teil der damaligen hiesigen Bevölkerung empfand den Einmarsch der Amerikaner keinesfalls als „Befreiung“. Selbst, wenn diese Formulierung heute auch von diversen dem Zeitgeist folgenden Politikern gebraucht wird, wird diese Sichtweise dadurch nicht „richtiger“.