Unikate gehen bis nach Tschechien
11.01.2008 | 17:05 Uhr 2008-01-11T17:05:03+0100Erndtebrück. (hal) Thomas Bode, Inhaber der gleichnamigen Firma Bode an der Erndtebrücker Hauptmühle, kann durchaus als Allroundtalent bezeichnet werden. Sein Beruf dürfte in Wittgenstein einmalig sein: Er ist Gespannbauer.
Der 41-Jährige ist nicht nur Kfz-Meister, sondern auch Schlosser, Lagerist und Mechaniker. Bode baut Gespanne für Motorräder, also Seitenwagen. Wer glaubt, er dreht im Januar Däumchen, der irrt.
"Die schlauen Kunden kommen im Winter", verrät der Spezialist. "Die Füchse wissen das", so der Kfz-Mechaniker, der bei Mercedes-Müller ausgebildet wurde. Dort hat er etwas gelernt, was viele heute gar nicht mehr beherrschen: Reparieren und Sonderanfertigungen herstellen. Das muss er auch können - bis ins kleinste Detail. Seine Seitenwagen sind Unikate.
Wer glaubt, die Wagen können einfach an das Motorrad geschraubt werden, irrt - und zwar gewaltig. Nicht nur die sogenannte Vorderradführung, sprich der Lenker, muss ausgetauscht werden, sondern auch Reifen sowie Felgen, die nicht selten bis zu 800 Euro kosten. Durch den Anbau verändert sich nämlich die gesamte Geometrie.
Selbstständig ist Thomas Bode seit 1999. Sein Ruf in der Branche ist so gut, dass sogar Biker aus Norwegen oder Tschechien den Weg nach Wittgenstein antreten. Allein vier Kunden hat der 41-Jährige "Einzelkämpfer" auf der Insel Fehmarn.
Bei entsprechenden großen Gespannen ist eine Solofahrt, also ohne Beiwagen, anschließend nicht mehr möglich. Thomas Bode setzt deshalb immer mehr auf Klienten, die solo wie auch mit einem Seitenwagen fahren möchten. Das geht aber nur mit der Leichtbauweise und hat den Vorteil, dass der Kunde individuell entscheiden kann.
Und wie wird so ein Seitenwagen zusammengebaut? Thomas Bode schneidet die Bleche und gibt diese weiter an eine Fremdfirma, die die Karosserie formt. Danach wird das Innenleben von dem Kfz-Meister ausgestattet und schließlich an die Zugmaschine angehängt. Das kann auch schon mal bis zu zwei Monate in Anspruch nehmen und bis zu 20 000 Euro kosten. Sologespanne - als Bausätze - gibt es zum absoluten "Schnäppchenpreis" ab 3 000 Euro. Die Gespanne erreichen schon mal Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 210 Stundenkilometer und können auch im Winter gut eingesetzt werden. Sie haben gegenüber normalen Motorrädern einen riesen Vorteil - sie stehen auf drei Rädern und können nicht umfallen.
Auch Thomas Bode, der auch ganz normale Zweiräder repariert und wartet, setzt deshalb auch immer mehr auf die sogenannten "Winterfahrer". Die werden allerdings immer älter. Seine in ganz Deutschland ansässige Kundschaft ist mindestens 50 Jahre alt - oder jung. Zurück zu den "Füchsen", die jetzt im Winter ihre Motorräder zum so genannten Aufbauen bringen. Anders hätte es keinen Zweck. Kämen die etwa im April, könnten sie erst im August richtig Gas geben. Die Schlauen kommen eben im Winter.
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