Unfallhilfe für Waldarbeiter kommt per Knopfdruck

Der Revierförster der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer, Steffen Schmidt (links vorne),ist mit den Forstwirten und den Azubis dabei einen Stamm zu vermessen und zu zerschneiden.
Der Revierförster der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer, Steffen Schmidt (links vorne),ist mit den Forstwirten und den Azubis dabei einen Stamm zu vermessen und zu zerschneiden.
Foto: WP

Bad Berleburg..  Unglücke in abgelegenen Gegenden sind für Ersthelfer und Rettungsdienste eine große Herausforderung. Gerade vor den frischen Eindrücken der Suche und Rettung einer verletzten Skilangläuferin im Fischelbacher Wald hat die Heimatzeitung mit dem Bad Berleburger Forstdirektor Johannes Röhl über die Risiken für Wanderer und die besonderen Gefahren für Waldarbeiter gesprochen. Eindringlich plädiert Röhl vor allem dafür, „nicht normale Lebensrisiken auszublenden“ und die Natur mit ihren Gefahren zu akzeptieren. Der Leiter der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer warnt vor einer um sich greifenden „Vollkasko-Mentalität“ und meint damit Menschen, die Schuldige suchen, wenn ihnen im Wald ein Ast auf den Kopf falle.

Viel gefährlicher als Wanderer oder Skiläufer leben Forstleute, die tagtäglich im Wald arbeiten, aber dessen Risiken einschätzen können. Die Wittgenstein Berleburg’sche Rentkammer hat deshalb für ihre elf Forstwirte und vier Azubis eine ausgeklügelte Rettungskette installiert.

Niemals allein unterwegs

Die erste inzwischen auch gesetzlich vorgeschriebene Regel besagt, dass Waldarbeiter mindestens zu zweit arbeiten. Damit einer sofort Erste Hilfe leisten und auch den Notruf absetzen kann. Das zweite wichtige Glied in der Kette ist ein Handy. „Ein altes Sechs-Watt-Handy, das eine stärkere Sendeleistung hat und dadurch auch eine bessere Netzabdeckung“, so Röhl. Sobald ein Arbeiter auf den Notrufknopf des Gerätes drückt ertönt ein Alarm und ein Hilferuf wird gesendet - in vier verschiedenen Anrufen. Der erste Anruf gilt der Notrufnummer 112. In der Rettungsleitstelle kommt dann eine Bandansage „Achtung Forstnotruf“ an. Außerdem zeigt das Notruftelefon seine eigene Nummer, die GPS-Koordinaten und die Uhrzeit an. Die Rettungsleitstelle wartet nach diesem Anruf aber noch ab. Denn der zweite Anruf des Notrufhandys gilt der Rentkammer. Sollte dann im Schloss niemand ans Telefon gehen, klingelt der Notruf beim Revierleiter oder dessen Stellvertreter durch. Egal wer den Hörer abnimmt, er muss diesen Notruf mit einer Zahlenfolge quittieren und anschließend die Rettungsleitstelle anrufen.

Warum? Ganz einfach: Nur die Rentkammer weiß, welche Wege im Wald gerade für einen Rettungswagen befahrbar sind, wo gerade Baumfällarbeiten oder andere Hindernisse den direkten Weg zum Unfallopfer versperren, erläutert Röhl. Gemeinsam suchen Rentkammer oder Revierleiter mit dem Rettungsdienst einen der schon in der Leitstellen bekannten und festgelegten Rendezvous-Punkte aus, wo sie sich mit dem Rettungsdienst treffen werden, um dann gemeinsam zum Unglücksort zu fahren. „Der Hubschrauber wird in der Regel mit alarmiert, weil ein Forstunfall meist mit schweren Verletzungen einhergeht“, weiß Röhl.

Per Knopfdruck gerettet

Bereits einmal, vor etwa vier Jahren, hat diese ausgeklügelte Rettungskette im Bereich der Berleburger Rentkammer gegriffen. Damals war es noch erlaubt allein im Wald zu arbeiten. Ein Mitarbeiter der fürstlichen Forstverwaltung war bei Berleburg zwischen zwei Bäumen eingeklemmt und schwer verletzt worden. Dank des speziellen Notrufknopfes an dem Handy konnte er Hilfe herbeirufen und wurde schnell vom Rettungsdienst gefunden.