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Unfallprävention

„Unfälle passieren, weil Menschen Fehler machen"

09.02.2012 | 15:23 Uhr
„Unfälle passieren, weil Menschen Fehler machen"
Crashkurs Gymnasium Bad Berleburg JAG

Bad Berleburg.„Fahrt immer so, dass wir nie zu euren Eltern gehen und dann sagen müssen, eurer Sohn, eure Tochter kommt nicht wieder.“ Absolute Stille in der Aula des Johannes-Althusius-Gymnasiums. Der eindrucksvolle Vortrag der Polizei NRW endet nach fast einer Doppelstunde mit einem Bild, auf dem ein Kranz abgebildet ist. „Unvergessen in Liebe – Mama und Papa“.

Vorträge enden normalerweise mit einem anerkennenden Beifall. Die von Polizeipressesprecher Georg Baum moderierte Präventionsveranstaltung kommt ohne aus. Nach 90 Minuten verlassen die Zehnt- und Elfklässler von Real- und Hauptschule sowie vom JAG größtenteils schweigend den Veranstaltungsort. Die Bilder von zertrümmerten Autos, mit Leinentüchern abgedeckten Unfallopfern und die Ausführungen von Polizei, Feuerwehr, Rettungskräften und Notfallseelsorgern haben ihre Wirkung auf die zukünftigen Führerscheinneulinge nicht verfehlt.

Der eindringliche Vortrag hat Botschaften: „Verkehrsunfälle sind kein Schicksal. Unfälle passieren, weil Menschen Fehler machen“, und Georg Baum führt im gleichen Atemzug die vier wichtigsten Gründe an: „Rasen, nicht angeschnallt, abgelenkt sein – sowie Fahren unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen.“ Diese vier Killer verursachen regelmäßig allergrößtes Leid, auch am 24. Juni 2008 auf der L 903 zwischen Richstein und Arfeld. Die Macher des Vortrags haben ganz bewusst das Hauptaugenmerk auf das tragische Ereignis gerichtet, das an dem besagten Sommermorgen zwei junge Wittgensteiner das Leben kostete. Unfälle passieren nicht irgendwo, sondern auch bei uns vor der Haustür.

Der Fahrer gerät aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit nach rechts auf die Bankette. Der noch unerfahrene 19-Jährige will die Richtung korrigieren, prallt dabei aber gegen einen Baum und schleudert eine Böschung hinab. Eine der Ersten, die seinerzeit an der Unfallstelle eintrafen, war der Polizeibeamte Heiko Pratsch. Mucksmäuschenstill verfolgten gestern morgen die Schüler seine Ausführungen.

Pratsch sieht den verunfallten Wagen auf dem Dach liegend. Die beiden Insassen hängen Blut überströmt in ihren Sicherheitsgurten. Ein Arm ragt heraus. Er fühlt den Puls und realisiert: „Hier ist nichts mehr zu machen“. Ähnliches hat sich auch in das Gedächtnis von Rafael Brüggemann eingebrannt.

Er ist als Rettungsassistent zur Unglücksstelle geeilt. Er sieht, dass der Baum den Beifahrersitz auf den Fahrersitz gedrückt hat. „Niemand hat mehr gejammert oder gestöhnt.“ Auch der Leiter der Bad Berleburger Feuerwehr, Reiner Schilling, wird den besagten Sommermorgen nie vergessen. Die junge Frau hat er ebenso gekannt wie den Fahrer, den er zum Feuerwehrmann ausgebildet hat. Auch er hat einen Appell an die Schülerinnen und Schüler: „Fahrt vorsichtig, denn bei einem Unfall wird Stahl zu Butter“, weiß er aus jahrelanger Erfahrung.

Mit einem äußerst mulmigen Gefühl hat auch Bernd Dickel die Unfallstelle angesteuert, wo er den Vater des getöteten Mädchens noch davon abhalten kann, zur Unfallstelle zu gelangen. „Meine Tochter, das kann doch nicht wahr sein. Sie kommt nie wieder nach Hause. Warum ausgerechnet meine Tochter“, hört der Leiter der Berleburger Polizei den geschockten Mann rufen.

Zu Wort kam gestern auch auch Dr. Dirk Spornhauer. Er fungiert im Nachgang tragischer Unfälle und Unglücke als Notfallseelsorger, auch als ein junger Mann mit seinem Pkw zwischen Sassenhausen und Laasphe tödlich verunglückte und er diese Nachricht an die Hinterbliebenen überbringen musste.

Auch da wieder das schlimmste Schicksal, wenn Eltern ihre Kinder überleben. Das lässt sich verhindern – auch mit Zivilcourage. Junge Leute müssen auch sagen können: „Du fährst zu schnell. Halt an, ich will aussteigen“, so der Rat von Georg Baum Der Unfall bei Richstein hätte so verhindert werden können.

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