Teile Wittgensteins sind total geschädigt

Siegen-Wittgenstein..  Rund 350 Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen waren zu den diesjährigen Winterversammlungen in den Eichener Hammer und ins Forsthaus Hohenroth gekommen als die Forstamtsmanschaft einen Rückblick aufs vergangene Jahr gab, Aktuelles aus der Forstpolitik ansprach und einen Ausblick auf 2015 wagte. Nach seiner Begrüßung wies Forstdirektor Diethard Altrogge darauf hin, dass seit dem letzten Jahr insbesondere wald- und umweltpolitische Themen den forstlichen Alltag für Waldbesitzer und Förster nicht immer leicht gemacht haben, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung waren, zusammen und miteinander gute und auch weiterhin kluge Forstwirtschaft zu betreiben.

Ein kommendes neues Landesjagdgesetz, ein neues Landschaftsgesetz, die Novellierung des Landesforstgesetzes, Kartellklage, Entgeltordnung, Biodiversität oder Naturerbestiftung erwähnte Altrogge als Beispiele und stellte klar, dass das Forstamt die vielen Bedenken, Sorgen und Nöte der Waldbesitzer, insbesondere wenn es um Erträge aus der Forstwirtschaft oder Eigentumsrechte ging, gut verstehen könne. Er appellierte aber auch eindringlich, diese Punkte gemeinsam zu diskutieren, abzuarbeiten und auch möglichst spannungsfrei umzusetzen, dies im Zusammenspiel mit den beteiligten Verbänden und Organisationen. Altrogge stellte klar, dass das Forstamt als Beratungs- und Serviceunternehmen mit einem gut aufgestellten, fachkundigen und freundlichen Mitarbeiterstab den Waldbesitzern zur Seite steht.

Höchste Abschusszahlen

Überaus kritische Worte fanden die Kollegen des Forstamtes zur Wald-Wild-Situation im Forstamtsbereich. Sie führten aus, dass zu keiner Zeit die Abschusszahlen so hoch waren wie heute, also die Wildbestände extrem angewachsen sind. Die Waldbereiche im Forstamt Siegen-Wittgenstein, wo Rotwild heimisch ist, wiesen zum Teil katastrophale Zustände auf. Es gebe oft Fichtenreinbestände ohne Verjüngung, wo auch kein Vorbau, keine Mischung und kein Unterbau außer im Zaun gedeiht. Teile Wittgensteins, aber auch der Großraum Netphen und das Südsiegerland seien stellenweise total geschädigt. Dazu komme, dass sich das Rotwild in viele Bereiche ausweite und nun auch Wälder aufsuche, wo es früher nicht heimisch war.

Wildreduzierung angesprochen

Altrogge appellierte an die Waldbesitzer, das Thema endlich ernst zu nehmen und sich zusammen mit den Jägern und den Förstern um eine scharfe Wildreduzierung aber auch eine wildbiologisch ausgewogene und ethisch ausgerichtete Bejagung zu kümmern, denn ein alleiniges Absenken der Wildbestände sei nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Entgelteordnung im Fokus

Das zentrale Thema der Winterversammlungen stellte die neue Entgelteordnung dar, die, erstmals seit 1998 überarbeitet, als Angebot den Waldbesitzern vorgestellt wurde. Abteilungsleiter Franz Püttmann vom Landesbetrieb Wald und Holz, stellte im Zusammenspiel mit Forstdirektor Helmut Ahlborn die neue Entgelteordnung vor. Beide wiesen darauf hin, das rund 75 Prozent der Betreuungskosten vom Land übernommen werden und für die Waldbesitzer ein relativ geringes Entgelt pro Hektar für die Leistung auf der Fläche zu zahlen sei. Forstdirektor Manfred Gertz, Fachgebietleiter im Forstamt Siegen-Wittgenstein, referierte zur aktuellen Holzmarktlage und berichtete über zwei Pilotprojekte, nämlich „Verbiss und Schälschadensmonitoring“, die als Pilotprojekte im Forstamt Siegen-Wittgenstein für ganz NRW entwickelt und nun in NRW angewendet, bessere Aufschlüsse über die Wildschäden und die Wald-Wild-Situation geben sollen.