Tausende treten im Edertal in die Pedale

Jung und alt treten in die Pedale bei der Eder-Bike-Tour 2015.
Jung und alt treten in die Pedale bei der Eder-Bike-Tour 2015.
Foto: WP

Wittgenstein..  Wenn das Wetter stimmt, stimmt auch das Konzept. So kann das Fazit der Eder-Bike-Tour 2015 zumindest auf Wittgensteiner Seite lauten. Tausende Fahrradfahrer und auch viele mit anderen von Muskelkraft angetriebenen Gefährten nutzten den autofreien Sonntag zwischen Aue und Beddelhausen, um mal ganz ohne drängelnde Autofahrer über den Asphalt zu rauschen. Doch mit diesem immer wieder tollen Erlebnis war an der Landesgrenze Schluss. Die Eder-Bike-Tour führte zwar über 123 Kilometer von Aue bis Fritzlar. Doch die Hessen nutzen für dieses große Event lieber den Radweg als Straßen zu sperren. Das hat Folgen.

Auf engen Radwegen ist für viele Radler kaum Platz, vor allem dann nicht, wenn Inliner mit dabei sind. Diese Kritik hörte man am Sonntag oft. Und einer, der sie offen ausspricht, ist Beddelhausens Ortsvorsteher Dieter Althaus. Mit der Dorfgemeinschaft und der Raststelle an der Dreschhalle „sitzen wir an der Nahtstelle“, sagt er. Da bekommt man viele Gäste zu sehen, aber eben auch mit.

Die Beddelhäuser freuen sich: „Wir haben gut ein Drittel

mehr Umsatz gemacht als bei der Tour 2013“. Althaus’ Einschätzung ist eine der wenigen, die auch eine Aussage über die gut besuchte Eder-Bike-Tour zulassen. Denn Thorsten Engels vom Touristikverband Siegerland-Wittgenstein, kann keine abschließende Einschätzung zur Zahl der Menschen machen, die mobilisiert wurden. Stichproben hier und dort und die Gespräche mit den Vereinen an der Strecke lassen aber nur den Schluss zu: Es waren Tausende und die Stimmung ist überall super.

Weiter flussaufwärts in Schwarzenau hat die neugegründete Dorfjugend ein Rondell und fügt sich nahtlos als jüngster Bewirter in das gelungene Konzept ein. Aber auch da gibt es Ideen, wie es künftig noch besser sein könnte: „Ich hab mich da vom Südwestfalentag in Bad Berleburg inspirieren lassen“, sagt Dieter Althaus. Beim nächsten Mal wäre es doch gut, wenn sich alle Dörfer und Vereine in Berleburg absprächen. „Dann bietet nicht jeder Würstchen und Pommes an und das Angebot wird vielfältiger“, sagt er.

Das sich nicht jedes Angebot ändern muss, zeigt sich sieben Kilometer weiter in Arfeld. Das erlebt einen Ansturm. „Wir haben gestempelt was das Zeug hält“, berichtet Andreas Zacharias von der Freizeitsportgemeinschaft. Im Mittelpunkt des Interesse steht dort immer ein Bauwerk, an dem Heinz-Georg Spies schon seit 32 Jahren werkelt. Die Garteneisenbahn in der Spur G und im Maßstab 1:22,5. Wer dort halt macht, der kann sich auch an Waffeln erfreuen, standesgemäß gebacken von den Eisenbahnerfrauen, erklärt ein sichtlich gut gelaunter Arno John.

Und gestempelt wird auch in Raumland am Rumilingenehaus: „Es ging früh los. Bei diesem Bombenwetter waren die ersten Radler schon um 9 Uhr unterwegs“, konstatierte Wilhelm Pickhan. „Listen-Willi“, so sein Spitzname beim Jugendförderverein, ist mit weiteren zwölf Helfern in Raumland für die Verköstigung der nicht mehr zu zählenden Eder-Biker zuständig. Auch zwei Pärchen aus Weidenau haben es sich mit Hopfenkaltschalen vor dem Rumilingene-Haus bequem gemacht. Die Vier haben aber erst jeweils zehn Kilometer auf dem Tacho – und das hatte auch einen Grund: „Wir sind mit dem Auto bis nach Aue gefahren“, erklärt Katharina Massong.

In Aue starten aber auch zahlreiche Fahrradfahrer, die mit den Zügen aus dem Siegerland oder Bad Berleburg an den Start gefahren sind. Hier gibt es sogar schon ab acht Uhr die ersten Stempel, berichtet Jochen Keller vom Landgasthof Alt-Aue. Die ganz hart gesottenen fahren mit dem Zug aber bis Erndtebrück oder Lützel, um so fast durch das gesamte Edertal zu radeln.