Stimmungsvoller Jahresauftakt in Bad Berleburg

Volles Haus und satte Klänge sowie fulminante Feuerwerke der Musikgeschichte ließen die Luft im Bürgerhaus knistern und den Boden beben mit der Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Enrico Delamboye.
Volles Haus und satte Klänge sowie fulminante Feuerwerke der Musikgeschichte ließen die Luft im Bürgerhaus knistern und den Boden beben mit der Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Enrico Delamboye.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Happy New Year, Bonne Année, ein gutes neues Jahr – der Wunsch ist fromm und mit unserem wohlwollenden Zutun wird 2016 in Wittgenstein für die Menschen ein herausragendes Miteinander. Die Musik soll ein Stück weit dazu beitragen und ihren Obolus für das Gelingen leisten. So geschah es dann jetzt auch schon beim traditionellen Neujahrskonzert der Philharmonie Südwestfalen.

Bad Berleburg. Happy New Year, Bonne Année, ein gutes neues Jahr – der Wunsch ist fromm und mit unserem wohlwollenden Zutun wird 2016 in Wittgenstein für die Menschen ein herausragendes Miteinander. Die Musik soll ein Stück weit dazu beitragen und ihren Obolus für das Gelingen leisten. So geschah es dann jetzt auch schon beim traditionellen Neujahrskonzert der Philharmonie Südwestfalen.

Bevor jedoch die ersten feierlichen Takte, rauschenden Akkorde und fulminanten Töne unter der Leitung von Dirigent Enrico Delamboye erklangen, gab Otto Marburger, Vorsitzender der Kulturgemeinde Bad Berleburg, dem Publikum und auch den Musikern im randgefüllten Bad Berleburger Bürgerhaus eine stabile Tasche mit Werkzeugen, Wünschen und Zuversicht sowie denkwürdigen Worten auf den Weg.

„Nicht allein der Gedanke, auch die Umsetzung ewigen Friedens war einst Appell Immanuell Kants an die Menschheit und die Erfüllung dessen muss von uns allen als dauerhafte Aufgabe gesehen werden“, zitierte Otto Marburger. Eindringliche Gedanken in schwieriger Zeit, ein Aufruf an alle. Frieden gelingt nur mit Nächstenliebe und Vernunft, nicht nur in 2016.

Glücksgriff des Orchesters

Die Worte des Kulturgemeinde-Vorsitzenden untermalte ad hoc dann auch der 1977 in Wiesbaden geborene Orchesterchef Delamboye mit spritzigem Auftakt. Ferdinand Hérold (1791 bis 1833) komponierte die Oper „Zampa“, hieraus gaben die Philharmoniker die „Marmorbraut“. Nicht steif, nicht versteinert, sondern exotisch bunt durchzogen. Ein großartiges Werk, beachtenswert in Satz und Intonation – ein Glücksgriff des Orchesters.

Doch was war das? Was machte Enrico Delamboye da mit seinen Füßen? Tanzschritte, im Dreivierteltakt, gut nur, dass sein Podium ihm Schutz durch eine Begrenzungsstange nach hinten gab, er wäre sonst glatt davon getanzt. Es folgten immer mehr „Knaller“ der Musikwelt. „Franz Schmidts Intermezzo aus der Oper „Nôtre Dame“, die muss man einfach kennen, wenn man schon Victor Hugos Literaturvorlage vor Augen hat“, erzählte Delamboye mit kesser Lippe und flott wie einst Hitparadenkönig Dieter Thomas Heck Hintergrundgeschichten zu den präsentierten Werken.

Hierbei stellte sich heraus, dass es nicht nur galt Feuerwerke der musikalischen Unterhaltungsliteratur an den Mann und die Frau zu bringen, es wurden Strauße, Sträuße und Sträußchen überreicht. Ein Abend ohne Komponistenriege Johann, Josef oder Richard Strauß – für die internationalen Musiker aus Südwestfalen nicht denkbar. Wer nach den ersten drei Werken noch immer nicht den richtigen Schwung fürs neue Jahr bekommen hatte, der erhielt ihn ganz sicher mit Johannes Brahms „Ungarischem Tanz Nr. 1 g-moll“.

Instrumentaler Genuss

Wäre es nur nicht so eng im Saal, die über 400 Menschen hätten in der Mehrheit das Tanzbein geschwungen, zumindest wäre es mit mehr Raum auch möglich gewesen zu Antonin Dvoraks Polonaise aus „Rusalka“ eine Solo-Sopranistin zu integrieren, so war der Genuss dann rein instrumentaler Natur. Welch großartige Schätzchen da im Verborgenen leben, wessen Partituren selten in die Öffentlichkeit hochgekramt werden, das erfahren die Berleburger recht häufig mit ihren Favoriten aus Hilchenbach.

Oder kennen Sie vielleicht Edward Macdowell (To a Wild Rose) oder Aimé Maillart (Ouvertüre zur Oper „Das Glöckchen des Eremiten“). Viele mussten sicher passen. Die Namen sind nur wenigen geläufig, doch die Melodien jetzt ein Ohrwurm. Mal ist sie verkauft, dann wieder aus Marmor – Enrico Delamboye und seine Musiker hatten es wirklich drauf mit den Bräuten. Nun, es sind ja auch tatsächlich sehr häufig die Frauen, die in der Musik- und Kompositionsgeschichte die Gemüter bewegen. Mal sind sie die Sanftheit in Person, die Püppchen, der Liebreiz, dann wieder die Diabolischen, die Verhexenden.

Leidenschaft zur Eisenbahn

Das Studium der Weiber ist eben schwer. Doch eine andere Leidenschaft der Männer sind neben der holden Weiblichkeit – nein, nicht Autos – die gab es zu Zeiten eines Johann Strauß noch nicht, aber Eisenbahnen und Züge. Die schnaufenden und dampfenden Rösser der Schiene brausten rasant, zugig, zügig und stürmisch durch die Menge und hinterließen bei der „Vergnügungszug-Polka“ op. 281 strahlende Gesichter und fröhlich schlagende Herzen.

Diese Liebe teilte auch der Däne Hans Christian Lumbye in Kopenhagen. Hier komponierte er über 700 Stücke, unter anderem auch den „Dampf-Galopp“ und ließ den Zug donnernd durch Dänemark sausen. Die Philharmoniker gaben dies als wohlwollende Zugabe zum Thema. Und: Wie? Kein Radetzky-Marsch? Ein absolutes Muss an der Odeborn und ein Omen für ein gut laufendes Jahr. Natürlich doch! Die Freude machten Musiker und Dirigent dem Publikum und erhielten in Gedanken schon die Einladung für ihre nächsten Konzerte in Berleburg.